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Sebastien Buemi über das Spritsparen

"Ich lerne immer noch"

Toyota TS040 Hybrid, Le Mans, 24h-Rennen, Davidson/Lapierre/Buemi Foto: xpb 26 Bilder

Das Schlagwort beim 24h-Rennen von Le Mans 2014 lautet Effizenz. Die Toyota-Fahrer dürfen pro Runde nicht mehr als 3,5 Kilogramm Benzin verbrauchen. Dafür mussten die Fahrer das Rennfahren neu lernen. Sebastien Buemi erzählt, mit welchen Tricks man Benzin sparen und trotzdem schnell sein kann.

13.06.2014 Michael Schmidt Powered by

Die Pole Position für die 24h von Le Mans stand 2013 auf 3.22,05 Minuten. Ein Jahr später schaffte Kazuki Nakajima eine Zeit von 3.21,78 Minuten. Mit 30 Prozent weniger Kraftstoff. Die neue Energiesparformel der Sportprototypen ist damit schon einen Schritt weiter als die Formel 1. Da hinken die Rundenzeiten dem Vorjahr noch zwischen zwei und vier Sekunden hinterher. Während man in der Formel 1 in einer Qualifikationsrunde das Spritsparen vergessen und von der vollen elektrischen Leistung zehren kann, gilt im Fall Toyota für Le Mans: Nicht mehr als 3,496 Kilogramm Benzin pro Runde. Das entspricht etwa 4,724 Liter für 13,629 Kilometer.

SafetyCar bringt beim 24h-Rennen von Le Mans keine Entlastung

Die Technik tut ihren Teil. Doch ohne den Fahrer geht es nicht. Er muss seinen Fahrstil im Vergleich zu früher komplett ändern. Das Zauberwort heißt "lift and coast". Also früher vom Gas gehen. "Da sparst du am meisten Sprit", erklärt Toyota-Fahrer Sebastien Buemi. Je nach Rennsituation geht er 20 bis 150 Meter vor dem Bremspunkt vom Gas. "Wenn ich bei Topspeed von 345 km/h voll drauf bleiben würde, würde ich vielleicht noch 2 km/h gewinnen. Lupfe ich, fällt der Speed um 5 bis 10 km/h. Aber der Spareffekt ist riesig, besonders wenn ich vorher im sechsten Gang bei 8.500/min war. Da kann ich zwischen 100 und 200 Gramm Benzin sparen."

Es gibt natürlich noch andere Benzinspartricks."„Einen Gang höher durch die Kurven." Oder: "Zwischen den beiden Schikanen auf der Hunaudières-Geraden nicht mehr voll aufs Gas." Wie gut der Fahrer beim Lift and Coast war, kann er auf dem Display ablesen. Eine Lichterkette zeigt ihm auf einem Blick an, wie effizient er war.

Die Kunst ist es im Rennen immer so nah wie möglich an die magische Grenze von 3,496 Kilogramm pro Runde zu kommen. "Was du drunter bleibst, ist für immer verloren. Da kannst nicht sagen, dass du in einer Runde gespart hast, in der nächsten das dafür kompensieren darfst", erzählt Buemi. Deshalb sind die SafetyCar-Phasen auch keine wirkliche Entlastung. Was man da zu wenig konsumiert, wird später nicht angerechnet.

Für 2,5 Sekunden 1.000 PS abrufbar im Toyota TS040 Hybrid

Wenn es nur ums Sprit sparen ginge, wäre es noch einfach. Doch der Toyota hat im Vergleich zum Porsche und zum Audi eine Besonderheit. Er speichert die Energie nicht in einer Batterie oder einem Schwungrad, sondern in Superkondensatoren. Das heißt: Leistung schnell rein, aber auch schnell wieder raus. Jeder Bremsvorgang muss Strom produzieren, sonst hat der Motor beim nächsten Beschleunigungsvorgang keinen Saft.

Laut Reglement reicht es nicht aus, wenn der Fahrer nur vom Gas geht. Kinetische Ernergie wird erst gespeichert, wenn auch die Bremse aktiviert ist. Je länger, umso besser. Es bringt also nichts, aus 340 km/h voll in die Eisen zu steigen. Da wäre die Ladezeit zu kurz. Buemi doziert: "Du musst einen Kompromiss finden, wie du langsam auf die Kurven hinbremst ohne Zeit zu verlieren. Das ist besonders schwer vor Kurven, die nicht besonders hart angebremst werden."

Ist der Speicher voll, dann kann der Toyota TS040 Hybrid für ungefähr 2,5 Sekunden 1.000 PS abgeben. "Da spürst du die Beschleunigung schon deutlicher als im Formel 1, vor allem in den unteren drei Gängen. Dann lässt der Schub nach und das höhere Fahrzeuggewicht bremst dich wieder", verrät der Red Bull-Testpilot. Traktion ist im Gegensatz zum Formel 1 kein Thema. "Wenn der Elektroschub einsetzt, haben wir einen Allradantrieb. Und die Reifen haften besser."

Gegen alle Instinkte

Auch die Aerodynamik spielt eine Rolle. Jeder Punkt weniger Luftwiderstand lohnt sich doppelt. Man kommt schneller auf die Kurven zu, bremst länger und rekuperiert mehr Energie. Das senkt den Verbrauch. Die unorthodoxe Fahrweise macht das ohnehin schon heikle Überrunden zu einem Ritt auf der Rasierklinge. "Weil du eben nicht auf der letzte Rille einen ausbremsen kannst. Da würde der Speicher zu wenig geladen."

Sebastien Buemi und seine Kollegen mussten sich an den neuen Fahrstil erst mühsam gewöhnen. "Ich habe zehn Testtage gebraucht, bis ich alles verstanden habe. Aber ich lerne immer noch." Sein Teamkollege Alexander Wurz  pflichtet bei: "Du fährst gegen deine Instinkte. Gegen alles, was du jahrelang gemacht hast. Im Stress-Modus kann es dir schon mal passaieren, dass du dann doch in letzter Sekunde auf die Bremse steigst."

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