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Jaguar XJ 12 und Daimler Double Six

Sie sollten wissen, was sie tun

Jaguar XJ 12, Daimler Double Six Foto: Fact 8 Bilder

Jaguar XJ 12 und Daimler Double Six gibt es für überraschend kleines Geld. Groß ist hingegen der Wartungs- und Reparaturaufwand, den Fachwerkstätten bei diesen zwölfzylindrigen Modellen leisten müssen.

01.02.2008 Bernd Woytal Powered by

"Dass er nichts für arme Leute ist, war von vornherein klar", schrieb Klaus Westrup anno 1972 über den Jaguar XJ 12. Er bezog sich damit auf den Neupreis dieser exklusiven Limousine, der damals gut 40.000 Mark betrug.

Billig zu haben, doch wenn’s was zu tun gibt, wird es teuer

Mittlerweile werden XJ 12 der Serie III oder das noch besser ausgestattete Schwestermodell Daimler Double Six schon für 5.000 oder 6.000 Euro angeboten. Manche davon sehen auf den ersten Blick gar nicht so schlecht aus.

Grund genug, um einmal nach dem Haken solcher Angebote zu suchen. Schnell landen wir dann beim Thema Unterhaltskosten, die in Höhen jenseits des Einkaufspreises klettern können, wenn bestimmte Wartungsarbeiten oder Reparaturen fällig werden. Und auf Letztere wollen wir hier kurz eingehen.

Einige der beschriebenen Dinge gelten natürlich auch für die Sechszylindermodelle, wie etwa die Arbeiten im Bereich der Hinterachse. Doch gerade weil viele es sicherlich besonders reizvoll finden, für wenig Geld einen Zwölfzylinder zu erwerben, wollen wir uns auf diese Versionen konzentrieren. Die frühen und sehr durstigen Varianten mit Vergaser tauchen kaum noch auf dem Markt auf. Die Serie II-Exemplare waren zwar ab 1975 mit Benzineinspritzung ausgerüstet, gelten aber als schlechter verarbeitet als die Serie III-Vertreter, die in diesem Bericht im Vordergrund stehen.

Verwinkelt, verbaut und oft verschlimmbessert

Warum ist die Wartung eines XJ 12 so teuer? Da wäre zunächst der hohe Arbeitsaufwand, den finanziell zu spüren bekommt, der seinen Wagen in einer Fachwerkstatt reparieren lässt - meist die empfehlenswertere Lösung.

"Die schlechte Zugänglichkeit so mancher Teile fordert eben ihren Tribut", bringt es Norbert Augustin von Lemke & Schöne in Frankfurt auf den Punkt. Dazu zählen beispielsweise die hinteren Bremsscheiben, die Lenkung bei Versionen mit Katalysator oder sogar die Zündkerzen.

Wer einmal einen Blick in den imposanten Maschinenraum wirft und das Gewirr aus Schläuchen, Leitungen und Anbauteilen sieht, weiß sofort, warum selbst ein banaler Zündkerzenwechsel zu einer arbeitsintensiven Tätigkeit ausartet. Zwei und mehr Stunden können vergehen, bis störende Teile demontiert und mit Hilfe von Verlängerungen und Winkelstücken die alten Kerzen heraus und neue hineingeschraubt sind.

Laien, die diese Arbeit ausführen, "ziehen oft die neuen Zündkerzen zu fest an, weshalb es dann später beim Losdrehen zu Schäden kommt", weiß Peter Steinbusch von der Firma Classic & New Cars in Senden.

Die Arbeitszeit treibt die Kosten in ungekannte Höhen

Relativ selten fällt das Prüfen und Einstellen der über Tassenstößel betätigten Ventile an. Jaguar empfahl dies erstmals bei 96.000 Kilometer. Da aber die heutzutage angebotenen XJ 12 meist wesentlich mehr gelaufen sind, sollte man sich vergewissern, wie lange die letzte Ventilspielprüfung zurückliegt. Für einen Steuerketten- sowie Ventil- Check samt Einstellung sind etwa 1.500 Euro einzuplanen.

Noch einige Arbeitszeiten: Für den Wechsel aller vier Keilriemen sind etwa 1,5 Stunden anzusetzen, für den Tausch der Wasserpumpe rechnen Fachleute mit mindestens fünf Stunden, für den Aus- und Einbau der Auspuffanlage ab Krümmer vergehen vier, und die Zeiten für Ein- und Ausbau der Maschine liegen bei gut 20 Stunden - immer vorausgesetzt, dass nichts schief geht.

Teuer wird es übrigens auch, wenn es um die Beseitigung von Undichtigkeiten an der Maschine geht, die mit der Zeit Öl am Stirndeckel, den Nockenwellenkästen, den Ventildeckeln und der hinteren Kurbelwellendichtung verliert. Solche Arbeiten schieben XJ-Besitzer gern auf die lange Bank - bis der zu große Ölverlust zum Handeln zwingt.

Taten sind ebenfalls unumgänglich, wenn das Hinterachsgetriebe Öl verliert und sich der Schmierstoff auf die direkt nebenan montierten Bremsscheiben verteilt. Solch innenliegende Scheibenbremsen reduzieren die ungefederten Massen, bescheren aber Nachteile bei der Wartung wegen der schlechten Zugänglichkeit.

Hebebühne von Vorteil

Ein Wechsel der Bremsbeläge geht ja noch ganz gut, sofern eine Hebebühne zur Verfügung steht. Etwas mehr Geschick erfordert ein Wechsel der Handbremsbeläge, während ein Tausch der Bremsscheiben zu einem Großeinsatz ausartet.

Hierzu müssen unter anderem die Hinterräder demontiert, eine Verstärkungsplatte weggeschraubt, die unteren Lenker gelöst, die Antriebswellen losgemacht und die Bremssättel demontiert werden - um nur einiges zu nennen.

Bei Reparaturen, die einen solch großen Aufwand erfordern, sollte sich übrigens jeder überlegen, ob es nicht sinnvoll ist, gleich die ganze Baugruppe zu überholen beziehungsweise alle Verschleißteile in diesem Bereich zu erneuern. Wer nämlich nicht das Können und die Möglichkeit besitzt, diese Arbeiten selbst zu erledigen, zahlt dann nämlich nur einmal für die Demontage und Montage.

Gut angelegt ist das Geld auch für einen regelmäßigen Schmierdienst, denn der XJ hat zahlreiche Schmiernippel am Fahrwerk und Antriebsstrang, die regelmäßig gewartet werden sollten. Das Werk spricht von 17, wobei der Schmiernippel der Lenkung ab der Fahrgestellnummer 413.000 wegfiel. Wer ab und zu die Fettpresse ansetzt, reduziert den Verschleiß der entsprechenden Bauteile und damit Kosten.

Apropos Kosten. Mancher mag die hervorgehobenen hohen Unterhaltskosten nicht so dramatisch sehen. Speziell die versierten Hobbyschrauber, die bei sehr arbeitsintensiven Reparaturen viel Geld sparen können, sind fein raus. Leider nutzen viele das reichliche Angebot an Billigteilen, deren Einbau erfahrenen Fachwerkstätten zu heikel ist, weil sie Reklamationen befürchten. "Ein gutes Beispiel ist in dieser Hinsicht der Satz Wasserschläuche", sagt Dieter Lemke von Lemke & Schöne. Für etwas über 100 Euro ist er erhältlich - aber leider ohne die wichtige Gewebeeinlage, die in der 200 Euro teuren Variante eingearbeitet ist.

Fazit: XJ 12-Fahren kann zwar billig sein. Doch die Frage ist, wie lange?

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