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Lancia Fulvia

Günstig zu unterhalten: Schöne Italienerin

Lancia Fulvia Coupé Foto: Fact 8 Bilder

Wer sich für ein Lancia Fulvia Coupé interessiert, wird erfreut feststellen, dass sich die Kosten für Wartung und Reparaturen in einem vertretbaren Rahmen halten - selbst wenn er stets in Fachwerkstätten schrauben lässt.

16.04.2008 Bernd Woytal Powered by

Ein Auto mit einem V-Vierzylinder-Motor, dessen Zylinderwinkel knapp 13° beziehungsweise 11°20‘ in der 1,6-Liter-Version beträgt - eine solch individuelle Konstruktion lässt in puncto Wartung und Reparaturen das Schlimmste befürchten.

"Motor und Getriebe sind grundsätzlich recht unempfindlich", sagt der Lancia-Experte Helmut Neverla aus Wien. Doch nur dann, wenn das mit zwei Nockenwellen bestückte Triebwerk gefühlvoll warm gefahren und regelmäßig gewartet wird.

Benzinversorgung und Vergaser können optimiert werden

Viele Fulvia-Besitzer nehmen das Schrauben selbst in die Hand. Doch wenn es um Vergaser-Synchronisation oder um einen Austausch der Steuerkette geht, sollte entsprechendes Fachwissen vorhanden sein.

Die Vergaserdistanzplatte kann mit der Zeit Risse aufweisen und sollte regelmäßig kontrolliert werden. Der Motor zieht sonst Falschluft. Das Erneuern dieses Teils kostet gut 300 Euro. Ein weiteres Problem der Gemischbildner stellen ausgeschlagene Drosselklappenwellen dar, die dann vom Fachmann neu gelagert werden können.

Helmut Neverla rüstet übrigens die Fulvia auf eine elektrische Benzinpumpe um: "Das erspart das lange Anlasserorgeln nach längeren Standzeiten und schont den originalen Ducellier-Starter."

Die Fulvia verlangt nach Spezialwerkzeug

Ein wachsames Auge verdienen die Gummimanschetten der Antriebswellen der frontgetriebenen Italienerin. Zwar halten die Antriebswellen selbst recht lange, aber nur, wenn die Manschetten keine Schäden aufweisen. Das ist aber häufig der Fall.

Zum Wechsel der Manschetten ist allerdings Spezialwerkzeug erforderlich. "Wie bei vielen Arbeiten am Fahrwerk, so auch bei einem Erneuern der Radlager", erläutert Franz Heilmeier. Oft wollen das Hobby-Schrauber nicht wahrhaben und scheuen sich nicht, rustikales Werkzeug wie Hammer und Meißel einzusetzen - womit sie letztlich meist mehr ruinieren als reparieren.

Nicht korrekt gearbeitet wird nach Heilmeiers Erfahrung meist auch beim Auswechseln gebrochener Blattfederblätter beziehungsweise der Montage neuer Silentbuchsen, die sehr oft mit falscher Vorspannung montiert werden.

Spätere Modelle sind pflegeleichter

Als typisch für die Fulvia bezeichnet Heilmeier den Verschleiß des hinteren Stabilisators. Die Augen des Stabis, in denen die Buchsen sitzen, reiben sich mit der Zeit auf und werden oval, was irgendwann einmal ein Ausbüchsen erforderlich macht.

Ebenfalls von Verschleiß betroffen zeigen sich laut Neverla die Gelenke des Zwischenlenkhebels und dessen Lager, das bei der Fulvia der Serien 2 und 3 aus Kunststoff besteht. Für eine neue Lagerung des Umlenkhebels muss der Kunde in einer Fachwerkstatt ungefähr 200 Euro anlegen.

Nebenbei bemerkt können die Ersatzteilpreise je nach Modell abweichen. Denn es gab zwischen den einzelnen Fulvia- Serien natürlich kleine Unterschiede, die sich im Reparatur- oder Ersatzteilpreis niederschlagen. So besitzen beispielsweise die früheren Modelle ein wartungsintensiveres Fahrwerk mit zahlreichen Schmierstellen oder eine von den folgenden Serien abweichende Bremsanlage.

Bremsanlage mit Aufmerksamkeitsbedarf

Bei Fulvia der ersten Serie gibt es gelegentlich Undichtigkeiten am Bremssattelgehäuse zu beklagen, weil die Dichtflächen sehr rostanfällig sind. Die bei manchen Fulvia der Serie 2 und 3 zu beobachtende Schwergängigkeit der Bremskolben, die sich in einem erhöhten Bremsbelagverschleiß äußert, lässt sich mit einem gewissen Aufwand in Form von Reinigen, Polieren der Kolben, neuen Dichtungen sowie anderen Feinarbeiten beseitigen.

Franz Heilmeier weist noch auf ein spezielles Problem bei Autos der Serie 2 und 3 hin: "Besonders bei hohen Außentemperaturen geht bei vielen Exemplaren das Bremspedal nicht mehr in die Ausgangsstellung zurück, die Bremsen blockieren beim ersten Druck auf das Pedal und werden nicht mehr frei."

Man kann zwar das Pedal mit dem Fuß wieder in die Ausgangsstellung bewegen, doch damit ist die Angelegenheit nicht vom Tisch. Als Ursache hat Heilmeier die Pedalaufhängung ermittelt. Diese klemmt auf Grund von Verschmutzung. Oder sie ist durch Temperatureinwirkung aufgequollen. Den Mechaniker erwartet dann ein großer Arbeitsaufwand. Die Pedalerie lässt sich nämlich nur nach Demontage von Lenksäule, Hauptbremszylinder und Bremskraftverstärker herausnehmen.

Ersatzteile: Auf Qualität achten

Und noch etwas zum Thema Bremse. Wird eine Fulvia tiefer gelegt oder haben sich altersbedingt die Federn gesetzt, ist unbedingt der ab Serie 2 montierte Bremskraftregler nachzustellen. Andernfalls kann es zu einem plötzlichen Blockieren der Hinterräder kommen - was leicht zu einem unfreiwilligen Ausritt führt.

Zum Schluss noch einige Worte zur Ersatzteilversorgung. Abgesehen von einigen Motorkomponenten für die 1600er gibt es kaum Probleme. Allerdings sei vor Billigware gewarnt, die für das Fahrwerk, aber auch für den Motor auf dem Markt ist. Hier sollte der Kunde auf Erfahrungen der Werkstatt vertrauen.

Summa Summarum erweist sich das Auto als erstaunlich pflegeleicht. Bis auf Ausnahmen wie Arbeiten an der Bremse oder den Radlagern bleiben die Wartungskosten der Fulvia in vertretbarem Rahmen - trotz ihres individuellen Charakters.

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