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Service-Station (32) Peugeot 504 CC

Alte Meister und Löwen-Dompteure

Peugeot 504 Cabrio Foto: Peugeot 9 Bilder

Nur wenige Werkstätten sind mit den Peugeot 504 CC vertraut. Wer sich einen 504 zulegt, kann bei der Wartung vom Rat dieser Exeperten profitieren.

26.09.2009 Bernd Woytal Powered by

Die alten Meister sind ihr Geld wert. Das ist nicht nur in der Kunst so, sondern auch im KFZ-Gewerbe. In diesem Metier gelten alte Meister als Synonym für Erfahrung, die unerlässlich ist, wenn es um die Pflege und Reparatur eines klassischen Autos geht - wie etwa der vor 40 Jahren präsentierten Peugeot 504 Coupés und Cabriolets, kurz 504 CC.

Bewegung ist alles: Mindestens ein Mal aus dem Winterschlaf wecken
 
Die Peugeot 504 CC-Modelle kamen zunächst mit einem Vierzylindermotor auf den Markt. 1974 folgte eine Version mit Sechszylinder-Maschine, dem so genannten Europamotor. Wie ein Blick auf die Service-Tabelle auf der folgenden Seite zeigt, liegen die Wartungskosten für die V6-Modelle bei einigen Positionen etwas höher als für die Vierzylinder-Versionen. Das hat seine Ursache im zusätzlichen Material- und/oder Zeitaufwand. So etwa bei der Einstellung des Ventilspiels, "wo beim V6 der Bremskraftverstärker die Demontage des linken Ventildeckels behindert", nennt der langjährige 504-Spezialist Ludwig Biewen das Hauptproblem.
 
Die 504 CC mit Vierzylinder-Motor besaßen von Anfang an eine Kugelfischer- Einspritzanlage und sind, bis auf die um sieben Zentimeter verkürzte Kardanwelle mit Schubrohr, technisch mit der 504-Einspritzer-Limousine identisch. "Die Kugelfischer-Anlage muss man kennen, sonst sollte man die Finger in der Tasche lassen", warnt der im Raum Köln ansässige und sich seit 40 Jahren mit Peugeot-Autos beschäftigende Hobby-Schrauber Bernhard Amsbeck.
 
"Schwarzer Rauch, der plötzlich aus dem Auspuff tritt, ein Motor, der im Leerlauf ausgeht und stark erhöhter Benzinverbrauch weisen auf eine defekte Membrane hin", zählt Kenner Biewen einen der möglichen Defekte auf. Muss nur die Membrane gewechselt werden (und das durch Benzin verdünnte Motoröl), kommt man vielleicht mit nur 700 Euro davon. Sind weitere Arbeiten an der Pumpe nötig, stehen im Nu 1.500 Euro auf der Rechnung.
 
Um solchen Schäden vorzubeugen empfiehlt Richi Berchtold, den Motor auch im Winter mindestens einmal im Monat laufen zu lassen beziehungsweise wenn möglich mit dem Auto ein Stück zu fahren. "Dadurch vermeidet man, dass die Stößelstangen im Hydraulikkopf der Pumpe hängenbleiben und/oder bei den pneumatisch gesteuerten Pumpen die Membrane reißt, weil sie bei stillstehendem Motor immer gleich gefaltet bleibt", sagt der Schweizer Mechaniker-Meister, der seit 1956 der Marke Peugeot die Treue hält.
 
Und noch einen weiteren Tipp hat er parat: Über das Startventil der Einspritzmotoren wird bei jeder Anlasserbetätigung Kraftstoff in das Ansaugrohr gespritzt, was leider nicht temperaturabhängig geschieht. "Bei warmem Wetter kann man deshalb den Stecker am Zerstäuber entfernen", findet er.
 
Der Peugeot 504-Pilot sollte immer die Kühlwassertemperatur im Auge behalten
 
Die Gemischaufbereitung beim V6 erfolgt durch Vergaser, lediglich das V6 Coupé kam 1977 in den Genuss einer Bosch K-Jetronic. Sollte ein Vergaser-Modell schlecht anspringen oder keinen stabilen Leerlauf haben, "ist meist das Dehnstoffelement der Kaltstarteinrichtung kaputt", sagt Biewen.
 
Stets im Auge zu behalten ist die Kühlwassertemperatur. Wird das Wasser zu heiß, könnte der Thermoschalter oder beim Vierzylindermotor die Magnetkupplung für den Lüfter defekt sein. Schnell stellt sich bei überhöhten Temperaturen eine durchgebrannte Zylinderkopfdichtung ein, was eine Menge Arbeit nach sich zieht. Beim Wechsel der Dichtung wie auch bei einer Motorüberholung gilt es, die Überstände der Zylinderlaufbuchsen exakt nach Werksvorschrift einzuhalten. "Dazu werden ein entsprechendes Messwerkzeug und verschieden starke Laufbuchsendichtungen benötigt", erläutert Schrauber Amsbeck und bedauert, dass sich viele diese Mühe nicht machen beziehungsweise nichts davon wissen.
 
Wissen sollte man auch, dass beim Wechsel einer verschlissenen Kupplung oft zusätzlich eine neue Ausrückgabel fällig ist, "denn die zeigt oft Haarrisse und kann deshalb brechen", lautet Biewens Erfahrung.
 
Bei der Fahrwerk-Überholung kann es richtig teuer werden
 
Doch nun zum Fahrwerk, an dem es je nach Modell etliche Schmiernippel zu bedienen gilt. Wer es vergisst, muss frühzeitig verschlissene Teile erneuern wie etwa die Traggelenke. Relativ häufig verschlissen sind die äußeren Spurstangenköpfe. Sind auch die inneren Köpfe ausgeschlagen, muss man zu einem Spurstangen- Reparatursatz greifen. Die Montage für beide Seiten schlägt einschließlich Achsvermessung mit guten 500 Euro zu Buche.
 
Locker doppelt so teuer kann ein Erneuern der vorderen Stoßdämpfer werden, denn dazu sind die beiden Federbeine auszubauen. In der oberen Auflageschale der Feder sitzt ein Nadellager, "das sauber laufen muss, sonst knackt es später beim Lenken, weil die Feder springt", erklärt Biewen. Er empfiehlt daher, beim Dämpferwechsel sicherheitshalber auch gleich die Nadellager sowie die Anschlaggummis zu tauschen. Die hinteren Stoßdämpfer sind übrigens etwas einfacher zu wechseln, aber dennoch muss man mit gut 300 Euro rechnen.
 
Ein hoher finanzieller Einsatz wird ebenfalls erforderlich, wenn die hinteren Achsschwingen deutlich Korrosionsspuren zeigen und die Gefahr besteht, dass sie brechen. Für einen Austausch der Schwingen berechnet eine Fachwerkstatt pro Seite etwa 1.300 Euro.
 
Problematisch: Teileversorgung für Peugeot 504
 
Wer neue vordere Bremsscheiben benötigt, kommt auch nicht gerade günstig davon. Denn beim Coupé und beim Cabrio sind die Scheiben an der Innenseite der Radnabe befestigt, die Nabe muss also demontiert werden. Je nach Modell und den benötigten Teilen kommt eine stattliche Summe zusammen, die sich auf weit über 1.000 Euro beläuft, wenn noch neue Beläge und Bremssättel dazukommen. Gegenwärtig sind die Bremssättel allerdings gar nicht oder nur sehr schwer zu beschaffen.
 
Dass bei älteren Fahrzeugen oft der Wassergehalt der Bremsflüssigkeit gefährlich hoch ist, weil sie nie gewechselt wurde, kann nicht oft genug betont werden. Bei einem Wechsel sollte man dann aber daran denken, "die aus dem gleichen Behälter stammende Flüssigkeit im hydraulischen Kupplungssystem ebenfalls zu erneuern", warnt Berchtold. Sonst korrodiert es im Kupplungssystem munter weiter. Oder das Kupplungspedal lässt sich plötzlich ohne Widerstand bis zum Bodenblech drücken, ohne dass die Kupplung trennt.
 
Die Ersatzteilversorgung für die 504 CC gestaltet sich schwierig, zumindest was die Karosserie betrifft. Bis auf wenige Ausnahmen abgesehen sind Technikteile alle beschaffbar. "Wenn man weiß, wo", sagt Biewen. Nicht von ungefähr zählt er zur Gruppe der Alten Meister.
 

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Dieser Artikel stammt aus diesem Heft
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