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Shanghai Auto Show 2009

Laut, lauter, Auto Shangai 2009

Shanghai Auto Show Rundgang Foto: pressinform 46 Bilder

Echte Weltpremieren, freche Plagiate, bunte Show-Effekte und sonstige Selbstbeweihräucherungen. Willkommen auf der Auto Shanghai 2009! auto-motor-und-sport.de ist vor Ort und nimmt Sie gerne mit auf einen kleinen virtuellen Rundgang.

20.04.2009 Harald Hamprecht

Eine halbe Stunde soll der Weg vom Hotel zur Shanghai Auto Show dauern. Tatsächlich sind es dann wieder einmal geschlagene 60 Minuten, im Land der überwiegenden Fahranfänger, die längst nicht mehr in alten Nuckelpinnen den Verkehrsfluss verstopfen.

Neben einheimischen Neuheiten bestimmen Volumenmarken aus der ganzen Welt das Straßenbild, allen voran solche aus Japan, Korea und Wolfsburg. Aber auch BMW X6, Porsche Cayenne, Audi Q7 und Mercedes S-Klassen sind auf den Shanghaier Straßen keine Exoten mehr. Und auf der Messe schon gar nicht.

Shanghai: Keine Spur von Autokrise

Die Autohersteller der ganzen Welt haben sich in der größten chinesischen Metropole versammelt, um ihre Neuheiten zu zelebrieren. Fast ausnahmslos - im Gegensatz zu vielen Konkurrenzveranstaltungen in Detroit, Leipzig, New York - oder Tokio, wo sämtliche deutsche Herstellern dieses Jahr fernbleiben. In Shanghai indes ist von Kostendruck und Autokrise keine Spur: Schon am ersten von zwei Pressetagen (20.4.2009) drängt man sich durch die Mengen von (vermeintlichen) Journalisten wie auf einer IAA in Frankfurt. Die Hersteller geizen nicht mit Tanz- und Showeinlagen, chinesische Autobauer überbieten sich nicht nur mit schillernden Namen - wie SAIC, FAW, BYD, Brilliance, Jac, Chana, Haima, Roewe, Changfeng, Chery, Hafei, Hawtei und Great Wall. Sondern auch mit ohrenbetäubender Musik. Als gelte es, sein Selbstbewusstsein auch akustisch zu untermauern.

Die Deutschen dominieren die Messe

Aller Lärm lenkt von einem Fakt nicht ab: Die Deutschen dominierten klar die chinesische Messe. Und dabei verklärt keineswegs ein falscher Nationalstolz die Brille des Autors: Porsche zelebriert die Weltpremiere des Panamera, Mercedes die S-Klasse in der AMG-Variante, Audi unter anderem das Facelift des Geländewagens Q7, VW eine chinesische Passat-Version. Smart gibt den Startschuss für den Marktstart im Land des Lächelns, BMW-Tochter Rolls-Royce enthüllt den Namen seines neuen Einstiegsmodells: der kleine Bruder des Phantom hört auf den Namen Ghost.

Hoher Gruselfaktor

Zum Gruseln ist so manches Exponat. Nicht nur wegen der sicher gesundheitsschädigenden Ausdünstungen im Innenraum. Die Autoshow bleibt der größte Copyshop der Welt. Zu den frechsten Kopie zählen  sicher das Mercedes CLK-Cabrio von BYD oder "Lolls Loyce" von Geely. "Noch ist hier nichts in Serie, geschweige denn im Ausland, deswegen sehen wir noch keinen Handlungsbedarf", sagt BMW-, Mini- und Rolls-Royce-Chef Ian Robertson im Interview mit auto-motor-und-sport.de gelassen. Kopierte Luxus-Uhren, wie sie selbst auf der Messe an manchen Ecken angeboten werden, machen laut Robertson schließlich auch neugierig auf das Original. Zumal - zum größeren Erschrecken einiger westlicher Manager - immer mehr Eigenkreationen das Bild bestimmen, teilweise mit Entwicklungshilfe italienischer Designschmieden.

Hybridantriebe im Prototypen-Stadium

Und dank tatkräftiger finanzieller Unterstützung der chinesischen Regierung werben auch immer mehr chinesische Hersteller mit umweltfreundlichen Antrieben vom Hybrid- bis hin zum Elektromotor - wenn auch noch im Prototypenstadium.

Die Messe: Stolperfallen, Müll und lange Wege

Darin befinden sich auch noch Teile der Messe: Schon eine offene Müllkippe am Rande des Messe-Parkplatzes ist nicht die beste erste Visitenkarte. Auch der Bagger hätte gerne schon vor einer Woche den Schotter-Parkplatz planieren können, damit er am späten Nachmittag nicht  stellenweise in Regenwasser und Schlamm versinkt. Die Pforte zum Messegelände war schon am Pressetag ein Engpass, an dem man an einem normalen Besuchertag nicht anstehen möchte. Die elf kleinen Messehallen sind ungünstig wie an einer Perlenschnur miteinander verbunden sind und bedeuten deswegen für den Besucher lange Wege. Stolperfallen würden einen Schweizer Arbeitssicherheitsbeauftragten alle 500 Meter kollabieren lassen. An jeder Ecke stehen gelangweilte, planlose Einweiser (im Weg). Wer zahlt die eigentlich alle? Gleiche Frage kann man sich bei den Horden von Standpersonal stellen. Englisch können hier nur die wenigsten. Bemüht sind sie alle.

Shanghai hat Tokio als Auto-Messe-Stadt den Rang abgelaufen

Mehr als 1.500 Firmen sind auf der Auto Shanghai 2009 vertreten, wenn man jeden noch so kleinen chinesischen Zulieferer mitrechnet. Ein absoluter Rekord in der Geschichte der Messe, die 1985 zum ersten Mal Besucher anlockt. In den kommenden neun Tagen werden mindestens 600.000 zahlende Gäste erwartet. Und schon an den Pressetagen hat die Auto Shanghai 2009 eines bewiesen: Sie ist die wichtigste Messe Asiens - und hat damit der Tokio Motor Show in dieser Region der Erde den Rang abgelaufen, bevor diese Ende Oktober ihre Pforten öffnet.

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