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Shell Eco-Marathon 2007

Team Sprit

Foto: Oliver Reck 52 Bilder

Es geht um die Stellen nach dem Komma. Um Zehntel und Hunderstel. Doch beim Shell Eco-Marathon ist weder Zeit noch Geschwindigkeit entscheidend. Nicht der Erste, der die Ziellinie passiert, hat gewonnen, sondern derjenige, der auf dem Weg dorthin am wenigsten Sprit verbraucht.

04.12.2007 Jörn Ebberg

Über 250 Teams aus Schülern oder Studenten haben auch in diesem Jahr in Nogaro den "Spritsparer 2007" unter sich ausgemacht.

Aus Autos macht sich Meike Linn eigentlich nicht soviel. Daheim in Trier ist sie ausschließlich mit dem Drahtesel oder öffentlichen Verkehrsmitteln unterwegs. "Morgens zur Uni und abends zurück - der Weg ist prima mit dem Fahrrad zu schaffen", sagt die 24-jährige Studentin des Kommunikationsdesigns. Als sie sich vor einigen Monaten um die Aufnahme in das "eco-team trier" an der Fachhochschule bewarb, hat sie deshalb mit allem gerechnet, nur nicht, dass sie am Ende die Pilotin des proTRon beim Eco-Marathon sein würde.

In 13 Monaten Bauzeit haben 15 Studenten der Fachhochschule Trier - als eines von acht deutschen Teams - unter Leitung von Prof. Dr. Hartmut Zoppke ihren proTRon genannten Spar-Boliden konstruiert. Angefangen bei der Kohlefaser-Karosserie (cW-Wert: 0,09) bis zum Brennstoffzellen-Antrieb (Nennleistung: 500 Watt) ist alles in Eigenleistung entstanden. "Das war eine stressige Zeit", erinnert sich Lucas Busemeyer (26), Maschinenbaustudent im achten Semester. Bis zum Tag der Abreise nach Frankreich hatte der Wagen nicht einen Testkilometer ordnungsgemäß gefahren. Ob das Team bei seinem Eco-Marathon-Debüt die Vorgaben von Shell erfüllen kann, wusste zu diesem Zeitpunkt noch keiner.

Das Reglement des Eco-Marathons schreibt vor, dass die Teams eine Verbrauchsfahrt über sieben Runden à 3,636 Kilometer absolvieren müssen. Insgesamt legen die Fahrzeuge also eine Strecke von 25,452 Kilometer zurück, von der aus auf den Verbrauch pro Liter hochgerechnet wird. Als Vergleichsgröße gilt der Energiegehalt von einem Liter Superbenzin mit 95 Oktan. Der Beste von vier Versuchen wird gewertet.

Die Wahl des Antriebskonzepts - ob Verbrennungsmotor (Benzin oder Diesel), Flüssiggas oder alternative Konzepte mit Wasserstoff, Biokraftstoffen oder Solar - ist frei. Einzige Bedingung: Die Durchschnittsgeschwindigkeit darf 30 km/h nicht unterschreiten und die sieben Runden müssen innerhalb von 50 Minuten absolviert werden. Beschränkungen beim Design gibt es lediglich in der Klasse der "Urban Concept", die Straßentauglichkeit nachweisen müssen. Nicht aber bei den Prototypen.

Invasion von einem anderen Stern

Und so sieht die Boxengasse des Paul-Armagnac-Kurs’ in Nogaro kurz vor dem Start des Protypen-Rennens aus, als hätte eine Invasion von einem anderen Stern stattgefunden. Jedes Team verfolgt seine eigene Strategie. Die einen setzen ganz auf Aerodynamik. Andere wiederum haben sich eher um den Antrieb bemüht. Ein Kompromiss aus beidem soll es bei den Trierern richten, doch sie stehen noch weit hinten in der Warteschlange - und das bei fast 30 °C Hitze. Meike hält sich im Schatten auf. Von der Technik verstehe sie eh nichts, sagt sie. Und außerdem: "Die anderen haben mir Ruhe verordnet." Ruhe vor dem Start.

Dann ist es soweit. Meike streift ihren Rennoverall über, setzt den Helm auf und zwängt sich auf ihren Arbeitsplatz. Viel Bewegungsfreiheit hat sie im proTRon nicht. Mit einer Körperlänge von 1,60 Meter und etwa 50 Kilogramm Gewicht bringt Meike aber optimale Voraussetzungen mit. Und sie beherrscht den Eco-Racer perfekt. Das hat sie schon während des ersten Wertungslaufs bewiesen, der mit 1.617 Kilometer pro Liter endete. Im zweiten Lauf will sie noch einen drauf legen. Kleinere Optimierungsarbeiten in der Box sollen ihr dabei helfen. Noch befestigen ihre Teamkollegen das Dach des proTRon. Und dann es geht los.

Wie eine Sauna auf Rädern

Auf der Strecke scheint Meike in ihrem Element. Sie fährt konstante Rundenzeiten, beendet alle mit nur wenigen Sekunden Unterschied. Und sie ist schnell. Fast zu schnell. Nur wenige Zentimeter schwebt sie dabei über dem Asphalt. Runde um Runde, die für Meike allerdings alles andere als im Fluge vergehen, denn es ist heiß. Und in dem engen proTRon-Racer verstärkt sich der Eindruck zusätzlich.

Nach deutlich weniger als den geforderten 50 Minuten biegt sie schließlich von der Strecke in die Boxengasse ab, wo sie von ihrem Team empfangen wird. Der Wagen hat den zweiten Wertungslauf überstanden. Jetzt steht die technische Abnahme bevor und das bange Warten auf den Verbrauchswert.

Mit einem Liter von Trier zur Cote d’Azur und zurück

Während die technischen Direktoren bei benzin- oder dieselbetriebenen Fahrzeugen zur Ermittlung des Verbrauchs ein vergleichsweise aufwändiges Prozedere mit einer so genannten Bürette durchführen, lesen sie bei Brennstoffzellenfahrzeugen den Wert einfach von einem kleinen Computer ab, der wie beim "eco-team trier" die Durchflussmenge des Wasserstoffs ermittelt. Sodann wird der Verbrauch auf das Äquivalent von einem Liter Kraftstoff umgerechnet - der Vergleichbarkeit wegen. Meike und der proTRon haben am Ende 0,055 Liter auf 100 Kilometer verbraucht. Mit einem Liter Kraftstoff wären sie also sagenhafte 1.800 Kilometer weit gefahren. "Das ist riesig. Ein voller Erfolg, egal, was jetzt noch kommt", freuen sich die Studenten.

Auch für die anderen deutschen Teams lief der Eco-Marathon hervorragend. Am besten hat die Hochschule Offenburg mit ihrem "Schluckspecht 3" abgeschnitten. 2.716 Kilometer absolvierten sie mit einem Liter Kraftstoff. Es wäre vielleicht sogar noch mehr drin gewesen, hätten sich die Offenburger nicht auf eine Weltpremiere vorbereitet. In einer Nacht- und Nebelaktion haben sie eine Ethanol-Brennstoffzelle mit alkalischen Membranen zusammengeschraubt und zum Laufen gebracht.

Herausragendes technisches Niveau

Dass das technische Niveau der hiesigen Teams herausragend ist, bewies auch die TU Chemnitz. Mit ihrem Brennstoffzellen-Gefährt legten die Sachsen 2.552 Kilometer zurück. Die GTS Offenbach schaffte mit ihrem benzinbetriebenen "One drop only" 519 Kilometer, und die FH Stralsund kam mit einem Liter Rapsmethylester 444 Kilometer weit. Unter den Solarfahrzeugen belegte das Oberstufenzenturm Neuruppin den zweiten Platz, während die Iselin-Schule aus Rosefeld in der Kategorie "Urban Concept" Platz sieben belegte (198 km/Liter)

Etwas unglücklich verlief das Wochenende für das "Shell Witchcraft-Team" aus Merseburg und Halle. Bei ihrem zweiten Auftritt verpassten die Studenten einen gültigen Wertungslauf, der ihnen für die innovative und ökologische Konstruktion des "Woody" andernfalls sicher den Design-Preis beschert hätte.

25.000 Euro und ein grünes Gewissen

Insgesamt 25.000 Euro Preisgeld hat Shell beim Eco-Marathon ausgeschüttet. Die Gewinner der verschiedenen Wertungskategorien - wie schon im Vorjahr das LPTI St Joseph La Joliverie aus Frankreich mit 3.039 Kilometern bei den Prototypen und die niederländische De Haagsse Hogeschool-Rijswijk Academie (557 km) bei den Urban Concept - erhalten jeweils 1.500 Euro Siegprämie. Wichtiger als das Geld, ist allen Teams aber der ökologische Nutzen. Außerdem lernen sie viel für ihren späteren Beruf. Und deshalb kommen sie nächstes Jahr bestimmt alle wieder. Trier ist 2008 mit von der Partie. Und Meike Linn sicher auch.

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