Weniger ist mehr, lautet also das Verbrauchsmotto. In einer rekordsüchtigen Welt klingt’s aber andersherum besser: Ein Mehr an Kilometern immer mit der gleichen Spritmenge. Der Rekord, den Studenten der ETH Zürich 2005 mit schier unglaublichen 3.836 Kilometern einfuhren, scheint für die Ewigkeit gemacht.
Klar ist, dass das mit "normalen" Autos kaum geht. Die Vehikel, mit denen Studenten, Schüler und Technik-Freaks auch 2008 im auf dem Circuit Paul Armagnac im südfranzösischen Nogaro antraten, sind klein, leicht flundern- oder zigarrenförmig und erinnern mitunter an ein Seifenkisten-Rennen.
Man sollte allerdings nicht verkennen: Hier geht es um Effizienz in höchster Vollendung, um High-Tech – und natürlich um den Spaß im Wettbewerb. 206 Teams waren in diesem Jahr zum Eco-Marathon angetreten, davon zwölf aus Deutschland, die in zwei Kategorien um diverse Trophäen rangen: Die Urban Concept-Cars, mit Türen und vierrädrig sollen das Sparen mit gebrauchsnahen Konzepten demonstrieren. Die wahren Rekordjäger finden sich allerdings in der Prototypen-Kategorie. Weil das Reglement inzwischen neben Benzin auch Kraftstoffe wie Diesel, Bio-Diesel, GTL-(Gas-to-liquid)-Diesel, Ethanol, Flüssiggas erlaubt, muss der Energieinhalt in einem festgelegten Modus quasi in den virtuellen Liter Benzin umgerechnet werden. Das gilt natürlich auch dann, wenn die Nachwuchs-Konstrukteure Wasserstoff-betriebene Brennstoffzellen einsetzen – ein zunehmender Trend der letzten Jahre – oder gar solarbetriebene Elektrovehikel.
Weil der Vergleich aber doch etwas hinkt, und weil man die Ideenvielfalt der jungen Erfinder nicht einschränken will werden in der Kategorie Verbrennungsmotor, Brennstoffzellen- und Solarantrieb separate Sieger gekürt.
Über 3.000 Kilometer für den Sieger
Wie schon im letzten Jahr, war das Fahrzeug des französische Teams vom Lycée La Joliverie am sparsamsten und wäre mit einem Liter Superbenzin 3.382 Kilometer weit gekommen. Wäre, denn gefahren werden effektiv nur 25,272 Kilometer und dann wird hochgerechnet. Zum zehnten Mal dabei, hielt das Team der Hochschule Offenburg die deutschen Fahnen hoch. Mit seinem wasserstoffgetriebenen Gefährt namens "Schluckspecht" konnte erstmals der Gesamtsieg in der Brennstoffzellen-Wertung und der zweite Platz im Gesamtklassement errungen werden. Mit 3.198 Kilometern konnte der Schweizer Rekord, ebenfalls mit Brennstoffzellen-Antrieb eingefahren, zwar nicht angetastet werden, "aber er ist jetzt in greifbarer Nähe", freute sich der Offenburger Teamchef Professor Ulrich Hochberg. In dieser Wertung bereits auf den dritten Platz konnte sich mit 2.592 Kilometern die Fachhochschule Trier vorschieben - für die erst zweite Teilnahme ein beachtlicher Erfolg.
Unter ferner liefen - mit nur 301 Kilometer - kam das "Ecoemotion"-Team der Hochschule Merseburg, und erntete dennoch den Design-Preis der Jury. Reichweite ist eben nicht alles, prämiert wurde eine originelle Idee: Die aus verstärkten Pflanzenfasern bestehende Karosserie ist vollständig abbaubar.
Und die nach ihrem dritten Platz im Vorjahr mit großen Erwartungen gestartete Gruppe der Technischen Universität Chemnitz war in diesem Jahr vom Pech verfolgt. Zuerst sorgte fehlender Grip auf regennasser Fahrbahn für einen ungeplanten Ausritt ins Grüne und dann streikte dieTechnik. Einziger Trost für die Sachsen: Im nächsten Jahr haben sie ein Heimspiel. Dann zieht der Shell Eco-Marathon auf den Lausitz-Ring um.




