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Sibirien und Mongolei

Der weite Weg zu Dschingis Khan

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Vier Männer machen sich auf den Weg nach Sibirien und in die Mongolei. Ein Abenteuer auf 30.000 Kilometern.

06.11.2008 Powered by

Es ist gut anderthalb Jahre her. Wie immer sitze ich im nasskalten Deutschland und ergebe mich dem traurigen Novemberblues. Schlechtes Wetter, Arbeitsstress, Alltag – eigentlich zu viel für mein sonniges Gemüt. Solidarisch stimmen meine drei Freunde Danny, Olaf und Zassi in meinen Klagegesang ein. Die Nachbarn in die Wüste schicken, den Chef nach Sibirien verbannen, diese Idee macht am Stammtisch ständig die Runde. Da sowas aber meist nicht ungesühnt bleibt, muss eine andere Lösung her. Wir alle kennen den Propheten, der zum Berg geht, weil dieser nicht zum Propheten kommen wollte. So beschließen wir, uns selbst in die Wüste zu schicken und nach Sibirien zu verbannen. Die Idee für eine Expedition ist geboren.

Sie soll auf dem Landweg über Sibirien in die Wüste Gobi und die Mongolei führen. Je irrsinniger unsere Bekannten das finden, umso ernster wird es uns damit. Natürlich versprechen Sibirien und die Wüste Gobi nicht nur Freiheit, sondern auch eine Herausforderung der besonderen Art: Sibirische Straßenkarten haben lediglich zwei Striche markiert, und in der Mongolei, einem Land, viermal größer als Deutschland, sind knapp 500 Kilometer Straße asphaltiert. Also muss ein robustes Auto her. Die Entscheidung übernimmt unser Budget. Ein sächsischer Bauer verkauft uns seinen 16 Jahre alten Nissan Patrol zu einem fairen Preis.

Das Auto: ein Traum in mattbraunem Rost. Doch der Patrol GR Y60 2.8 TD hat Allradantrieb, Untersetzung, 2,8 Liter Hubraum mit 115 PS – ein Arbeitstier. Olaf und Danny, beide begnadete Mechaniker, können sich beim Umbau zum Expeditionsmobil richtig austoben. Neues Fahrwerk für mehr Zuladung (plus 200 Kilogramm pro Achse), obligatorischer Schnorchel für Wasserdurchfahrten, ein vorgesetzter Ölkühler, Zusatztanks für 1000 Kilometer Reichweite, ein Dachaufbau, der auch als Zeltplatz dient. Und nicht zuletzt unser ganzer Stolz: eine bordeigene Küche. Nach einigen Monaten Vorbereitung ist unser Tourbus für die 30.000 Kilometer lange Strecke präpariert, sind die Visa beschafft, Behördengänge erledigt, Jobs gekündigt und ein Fahrsicherheitstraining absolviert. Dann verabschieden wir uns endlich Richtung Osten.

Unser Weg führt uns diagonal durch Polen an die ukrainische Grenze. Dort lernen wir die osteuropäische Mentalität kennen: Eine Hand schmiert die andere, wie von staatlichen Autoritäten offen praktiziert wird. In der Ukraine geht’s auf direktem Weg nach Jalta auf der Halbinsel Krim. Mit der Fähre setzen wir nach Russland über. Die Magistrale, die russische Autobahn, beschert uns das Offroad-Abenteuer früher als erwartet. Eine endlose Aneinanderreihung von Schlaglöchern, um die einst etwas Asphalt gegossen wurde. So schlängeln wir uns auf gerader Strecke über Wolgograd, Samara, den Ural bis nach Sibirien. Das Wetter setzt uns ordentlich zu. Dauerregen, Nachttemperaturen um die minus zehn Grad, Schlammpisten und unzählige Mücken stellen unsere Nerven auf eine Zerreißprobe.

Unser erstes Reiseziel ist das riesige Altaigebirge. Gerade dort angekommen, müssen sich Mensch und Maschine das erste Mal richtig bewähren. Die alten Versorgungswege zu den Bergdörfern versprachen Abkürzungen und Spaß. Doch stattdessen üben wir uns im Straßenbau, durchqueren Flüsse und sind scheinbar die ersten Menschen, die nach dem langen Winter in den Dörfern ankommen. Eine große Freude für die Einheimischen: Wodka für alle! Vom Altai aus fahren wir über Novosibirsk und Irkutsk bis zum Baikalsee. Eine mystische und atemberaubende Gegend. Schamanismus und alte Naturgeister – der Sage nach finden sie bei Vater Baikal Zuflucht und Respekt. Auch hier suchen wir Wege, wo keine
sind.

Nicht nur für den Nissan ist die Belastung groß. Auch unsere Freundschaft wird an ihre Grenzen geführt, wenn Navigations- und Fahrkünste zum wiederholten Male in Frage gestellt werden. Vom Baikalsee aus ist es nur ein Katzensprung Richtung Süden über Kjachta in die Mongolei und deren Hauptstadt Ulan Bator. Kaum sind wir in diesem faszinierenden Land angekommen, zieht uns die allgegenwärtige Gelassenheit in ihren Bann. Jahrhunderte alte Nomadentradition und westliche Moderne sind hier fest miteinander verwoben. Pferdeparkplätze vor dem Supermarkt gibt es hier ebenso wie neueste Handy-Klingeltöne.

Von Ulan Bator aus nehmen wir Kurs auf die Wüste Gobi. Heiß, sandig und menschenleer. So schön, so gefährlich. Denn schon nach einigen Stunden verlieren wir die Orientierung. GPS und Pilotenkarten sind nutzlos. Egal, in welche Richtung man blickt – ein endlos weiter Teppich aus Schotter und Sand erstreckt sich bis zum Horizont. Aus unserer misslichen Lage befreien uns zwei Straßenbauer, die unsere Zickzackfahrt zufällig beobachtet haben. In der südlichen Gobi machen wir kehrt. Hier, in der Geierschlucht, nimmt unsere Reise ihren Wendepunkt. Auf uns wartet das Zuhause – in 15.000 Kilometer Entfernung.

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