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Silvretta '08

Die Aston Martin-Jagd

Foto: kkl 19 Bilder

"Dann lasst uns mal den Aston Martin jagen!" sagt Nikolas Waldura, als ich in sein Auto steige. Im Heck brummelt schon der Boxermotor und beschleunigt uns kurz darauf rabiat nach vorne.

06.07.2008 Kai Klauder Powered by

Nein, es ist kein Porsche, sondern eine VW T1 Doppelkabine von 1964, die mich mitnimmt. Der 1,5-Liter-Boxer leistet 42 kräftige PS. Genug für das Team von Volkswagen Nutzfahrzeuge, Nikolas Waldura und Sven-Oliver Kühn sowie einen Passagier. Im Fond lässt es sich gut aushalten: Als Klimaanlage dienen die Belüftung am Dachhimmel und die beiden hinteren Ausstellfenster. Der Blick durch das Heckfenster begeistert. Die Pritsche ist mit Holzplanken versehen und hinter uns hält uns die Doppelkabine vom Bosch-Dienst den Rücken frei.

Handicap Kilometerzähler

Das Auto liegt gut und die beiden Rallyeteilnehmer finden sich in der Wertung auf Platz 39. Man braucht also nicht unbändige Kraft, um ganz vorne mitzufahren. Nikolas Waldura weist auf ein Handica hin. Den reinen Kilometerzähler: "Wir sind stolz auf unser Ergebnis, schließlich sind Zehner- und Hunderter-Marken für uns pures Gefühl." Oliver Nickel hat siuch gut vorbereitet. Er rechnet die Schnitte aus und gibt Waldura einen Zettel mit Anweisungen für die verschachtelten Wertungsprüfungen.

50 Jahre Doppelkabine

Die VW-Doppelkabine feiert in diesem Jahr ihren fünfzigsten Geburtstag. Ich sitze in einem besonders schönen Exemplar. Neu restauriert und dabei ungeschweisst. Kein Wunder, wurde sie doch aus den USA nach Deutschland zurückgebracht. Die seltene Karosserieform - mittlerweile erzielt sie nach dem Samba-Bus die zweithöchsten Preise - ist eines der Schmuckstücke der VW-Nutzfahrzeuge-Sammlung. "Derzeit umfasst der historische Fuhrpark 61 Fahrzeuge. 24 davon sind ausstellungsfähig. Sukzessive wollen wir natürlich alle Fahrzeuge in einen fahrbereiten Zustand versetzen. Zwölf Autos sind einsatzfähig und werden bei Rallyes und anderen Events eingesetzt.", erklärt Oliver Nickel, unter anderem zuständig für den Fahrzeugaufbau.

Die DoKa hoppelt und schlägt aus

Geschont werden die Fahrzeuge nicht. Es geht mit Vollgas voran - kein Problem für den seidig drehenden Boxer. Nur um enge Kehren hoppeln wir etwas ungelenk herum. Tribut an die 70-Prozent-Differential-Sperre des Nutzfahrzeugs. Voll im zweiten Gang genommen, versetzt es die Hinterachse schon Mal um einige Zentimeter. Das Tempo hält die DoKa aber ohne Probleme.

"Das Zeitprogramm ist schon straff", sagt Waldura, "für die, die nicht gerade übermotorisiert sind. Gestern hatten wir gerade 15 Minuten Zeit für’s Mittagessen." - Also, weiter Vollgas geben und dem jetzt vorausfahrenden Lancia Flaminia im Rückspiegel bleiben. Das ist tatsächlich kein Problem. "Den Sechszylinder-Falminia überholen wir regelmäßig" - so Waldura.

"Und bergab stehen uns viele ältere Fahrer mit ihren Autos im Weg ’rum. Die rühren dann in den Gängen und bremsen vor jedem Kürvchen". Sagt’s und gibt dem Motor die Sporen. Der Wagen liegt wirklich sehr gut auf der Straße - dank des guten Fahrwerks, wie Nickel betont. Auch die vier Trommelbremsen reichen aus. Nur selten geben sie klagende Geräusche von sich und werden von der Kraft der Motorbremse unterstützt.

"Da hat man sich schon lieb bei mehr als acht Stunden im Cockpit"

"Ich hab meiner Frau schon gesagt, dass ich meinem Kollegen öfteres ans Knie gefasst habe, als ihr", beschreibt Waldura den Millimeter-Abstand zwischen Schaltknüppel und Beifahrer-Knie. Wir fahren auf die kurze Autobahn-Etappe auf - Vierter Gang und Gaspedal aufs Bodenblech. Jetzt darf der Boxer noch einmal zeigen, dass Porschegene in ihm stecken.

Der Tacho geht bis 100 und reicht bei weitem nicht aus. Die Nadel nähert sich der Null-Markierung- es dürften so um die 130 km/h sein, die dem zuverlässigen Boxer gut tun. Die Öltemperatur senkt sich auf rund 100 Grad ab. In den Bergen steigt sie dann wieder manchmal bis an den Anschlag bei 150 Grad. Bei einem kurzen Halt öffnet Oliver Nickel die Motorklappe. "Das bringt einiges, so kommen wir wieder in den gesunden Bereich um 120 Grad", sagt er, springt auf den Beifahrersitz und manövriert uns durch die letzte Wertungsprüfung.

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