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Silvretta Classic 08

Wasserschaden am DKW

Foto: kkl 7 Bilder

„Der ist für die Rennstrecke gemacht und nicht für die Berge“ - es klingt ein wenig nach einer Entschuldigung, was Oliver Nickel sagt. Er steht neben dem DKW Drews Spyder, dessen Motorhaube weit aufgeklappt ist. Im Kühlwasser-Behälter steckt eine große Wasserflasche und entlässt die letzten Tropfen in den Wassertank.

04.07.2008 Kai Klauder Powered by

Vor drei Tagen neu geTÜVt - nach 30 Jahren Standzeit

Der Fahrer Ingo Buschmann ist schon unterwegs, rennt zum nahegelegenen Teich und kommt mit zwei gefüllten Flaschen zurück. Dabei hatte es doch bisher so gut geklappt: "Erst vor drei Tagen hat der  Spyder die Hauptuntersuchung geschafft, die technische Prüfung vor dem Start war dann nur noch die Kür", erklärt Co-Pilot Nickel - "Und das nach 30 Jahren Standzeit".

Derweil entleert Fahrer Buschmann die beiden Flaschen in den Tank. In den letzten Wochen wurde die Technik überholt, seine schöne Patina durfte der DKW zum Glück behalten. Doch jetzt hat der Zweitakter Probleme - die Zylinderkopfdichtung ist durchgebrannt. Das Wasser drückt in den Brennraum und kommt seiner eigentlichen Kühlaufgabe nicht mehr nach – der Motor überhitzt und verliert Leistung. Im schlimmsten Fall reißt der Schmierfilm ab und es gibt einen Kolbenklemmer. Solze 70 PS produziert der Rennmotor normalerweise.


Das Wasser fließt überall hin, wo es nichts zu suchen hat

Nickel ist ein Zweitakt-Experte, er erzählt von seiner auf 12 PS gebrachten Kreidler, mit der er noch bis 110 km/h mit einer Suzuki GT250 mithalten konnte. Im Fall des DKW muss jetzt aber schwereres Geschütz aufgefahren werden. In Form eines Abschleppwagens kommt es um die Ecke. Der Mechaniker sagt zwar noch: "Den Zylinderkopf hab ich in zehn Minuten runter." Doch die Dichtung fehlt.

Ein letzter Versuch: Der Wassertank ist voll, Buschmann sitzt hinter dem Steuer und dreht den Zündschlüssel. Langsam setzen sich die drei Kolben in Bewegung. Saugende Geräusche sind zu hören. Der Motor will aber nicht anspringen. Stattdessen rinnt das Wasser zwischen Motorblock und Zylinderkopf heraus. Ein letzter Test ist das Herausschrauben der Zündkerzen. Oliver Nickel hält sie in der Hand - nass, vom Wasser, nicht vom Gemisch. Jetzt heißt es aufladen und die Etappe mangels Sitzplätzen im Abschleppwagen im Cockpit des DKW beenden. "Vielleicht können wir morgen wieder mitfahren", sagt Nickel, der erst am Morgen angereist war. Da heißt es feste Daumen drücken, dass der rare DKW mit seinem Rängtäntäng aus 896 Kubikzentimetern wieder das Starterfeld bereichert. Auch wenn die Dichtung von Hand geschnitzt werden muss.

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