Jetzt auch für: iPhone, iPad, Android und Windows
Marken
Themen
Artikel
Videos
Baureihen
Alle Treffer mit anzeigen

Silvretta Classic Rallye Montafon 2013

Erstklassig Reisen in der S-Klasse

Mercedes Benz S-Klassen W109, W116, W222. Foto: Ingolf Pompe 15 Bilder

In jedem Jahrzehnt mit jeder S-Klasse das Beste geben: Sonderklasse bedeutet bei Mercedes stets Weltspitze. Der neue W222 führt die Tradition der Überflieger 6.3 und 6.9 würdig fort.

01.07.2013 Alf Cremers Powered by

Ein Wagen der S-Klasse gilt als Inkarnation des geräumigen, schnellen und komfortablen Reisewagens. Es sind allesamt hochkarätige Autos von repräsentativer Größe und faszinierender Ästhetik. Leistung, Komfort und Status drücken sich auf selbsterklärende Weise im Design aus. Drei Luxuslimousinen im typischen Erscheinungsbild ihrer Epoche und doch von  zeitloser  Eleganz.

Ausflug in die Vergangenheit: Drei S-Klassen

Ein dunkeloliver Mercedes 300 SEL 6.3 von 1970 und ein 450 SEL 6.9 im sehr zeitgeistigen Goldton Champagner treffen auf einen brandneuen S 500 in Iridiumsilber. Schon das Wort "S-Klasse" ist ein Versprechen auf Reisen ohne Anstrengung, nervenschonend, der Fahrer sorglos und nur aufs Verkehrsgeschehen konzentriert, dank müheloser Bedienung und einer perfektionierten, detailverliebten Mercedes-Technik. Der altehrwürdige Slogan "Ihr guter Stern auf allen Straßen" drückt dieses typische Mercedes-Ambiente am besten aus: Geborgenheit, das sichere Gefühl des großen Wagens, keine Angst vorm Liegenbleiben schon  wegen der sprichwörtlichen Zuverlässigkeit.

Maximaler Komfort

Die beiden Alten Mercedes-Benz 300 SEL 6.3 und 450 SEL 6.9 verkörpern den traditionellen Mercedes-Geist der S-Klasse mit nostalgischer Verklärtheit. Es ist eine Welt aus plüschigem Velours und bambusfarbenem knisternden Leder, man genießt sie bei ausgeklappter Mittelarmlehne  und dem säuselnden Wohlklang eines Becker Mexico Stereo.

In der Konsole zwischen den Sesseln liegen Cassetten von Miles Davis, Ray Charles oder den Crusaders. Klimaanlage, Radiogerät, Zentralverriegelung, Schiebedach und Automatik gehören schon seit den Tagen des Heckflossen-Nachfolgers W 108 zu den gefragtesten Extras, um den Komfort einer S-Klasse noch weiter zu steigern. Die Langversionen SEL gelten sowieso als Nonplusultra des Erster-Klasse-Autobahnabteils. Leistungsfähige Sechszylinder-Motoren, vorzugsweise mit Einspritzung, später auch souveräne Achtzylinder-Triebwerke sorgen für sanfte Kraftentfaltung und hohe Autobahngeschwindigkeiten.

2013 ist das Jahr der neuen S-Klasse (W 222). Hier ein kurzes Promo-Video:

Mercedes-Benz S 500 als ultimatives Reisegefährt 1. Klasse

Der neue S 500 führt die S-Klasse-Philosophie des ultimativen Reisewagens mit maximalem Verwöhnaroma zum finalen Höhepunkt. Der lange Radstand von 3.165 mm wird zur verschwenderischen Basis für höchsten Raumkomfort. Der Fond mutiert zur handschuhweichen Leder-Lounge mit obligatem Rear-Seat-Entertainment. Die Frontpassagiere sitzen in einer duftenden Wellness-Oase mit Massagesitzen. Ein ganzes Paket von Fahrassistenz-Systemen vom Abstandsradar über Bremsassistent, Spurwechselwächter und Nachtsichtgerät bis hin zum autonomen Fahren im Stau ist eine Machtdemonstration des technisch Machbaren. Bei dieser sichtbaren, gefühlten und imaginären Pracht im S-Klasse W 222 werden wir den Maybach so schnell nicht vermissen. Aber auch jenseits des Sechs-Sterne-Komforts im mobilen Appartement imponiert die  reine  Ingenieursleistung.

Vorne unter der Haube arbeitet ein flüsterleiser 4,7-Liter-Biturbo-V8 mit je zwei obenliegenden Nockenwellen pro Zylinderbank und insgesamt 32 Ventilen, 455 PS und dem maximalen Drehmoment von 700 Nm schon bei 1.800/min. Eine Siebengang-Automatik sorgt für optimale Ganganpassung ohne spürbaren Wechsel der Fahrstufen.

Bei dieser Effizienz und einem Rekord-cW-Wert von 0,24 fällt es der S-Klasse nicht schwer, selbst bei Tempo 160 km/h weniger als neun Liter zu verbrauchen, trotz eines respektablen Gewichts des S 500 von knapp über zwei Tonnen. Das Fahrwerk, vorn Vierlenkerachse, hinten Raumlenkerachse, schwebt luftgefedert auf 18-Zoll-Reifen selbst über grobe Unebenheiten.

Der Mercedes-Benz 450 SEL 6.9 lässt die Muskeln spielen

Dieser Superlativstil über jede neue S-Klasse war schon beim Mercedes 300 SEL 6.3 und erst recht beim Mercedes-Benz 450 SEL 6.9 unvermeidbar. Die beiden Alten zeigen sich gegenüber dem Neuen durchaus selbstbewusst. Vor allem der Sechsneun, erst spät, nämlich 1992 vom Zwölfzylinder 600 SEL der Baureihe W 140 wirklich entthront, will sich mit dem Neuen messen.

Ein verzweifelter Versuch - bis auf den nie wieder erreichten Hubraum sprechen die Katalogwerte klar gegen ihn. Lediglich 286 PS, nur spärliche 560 Nm, in 7,8 statt in 4,8 von null auf Hundert. Von der archaischen Dreigang-Automatik mal ganz abgesehen, Verbrauch bei Dauertempo 160 km/h: 17 Liter. Doch der Mercedes-Benz 450 SEL 6.9 war ein ganz großer Held der Siebziger, er ist bis heute der Elder Statesman aller S-Klassen. Es scheint unmöglich "Sechsneun" ohne ein Raunen auszusprechen. Er beeindruckte durch schiere Größe, die betont wurde, wo es nur ging. Riesige Scheinwerfer und Rückleuchten, üppige Stoßstangenpracht und gegen Aufpreis barocke Leichtmetallräder. Die immens aufwendige Hydropneumatik revolutionierte den Fahrkomfort, ABS entschärfte Notbremsungen, der Tempomat machte Touren von Düsseldorf nach Sylt frühmorgens um fünf in der S-Klasse noch entspannter.

Nie war der Türenklang eines Mercedes satter und das Fahrgefühl behaglicher. Alles sitzt an seinem Platz, wer als Lottogewinner vom 200 D auf den Mercedes-Benz 450 SEL 6.9 umsteigt, fühlt sich umarmt und nicht verstoßen.

Klassischer Stil im Mercedes-Benz 300 SEL 6.3

Sein Vorgänger, der Mercedes-Benz 300 SEL 6.3, zelebriert noch den klassischen Mercedes-Stil der sechziger Jahre. Die S-Klasse W 109 ist innen wie außen mit feinerem Stift gezeichnet als der Sechsneun. Filigrane Chrom-Intarsien an Front- und Heckpartie, dunkles Teakholz um fein geränderte Instrumente, ein dünnes Bakelitlenkrad mit verchromtem Hupring - ein antiker Salon auf Rädern, eher auf Schönheit bedacht, denn auf Funktionalität. Beim Fahren ändert sich dieser Antiquitätencharakter gewaltig. Der große V8 aus dem 600 verwandelt die karosserieseitige Harmlosigkeit eines 250 S in eine Furie, die Viergang-Automatik katapultiert den relativ leichten Mercedes 300 SEL 6.3 in 7,3 Sekunden auf Hundert. Bei schnellem Kurvenfahren hält die niveauregulierende Luftfederung, die sonst in den Disziplinen Spur und Sturz arg wankelmütige Pendelachse gut im Zaum.

Doch wer will die Alten noch treiben?  Man sollte zügig, aber nicht zu schnell mit ihnen fahren, denn schöne Erlebnisse sollte man so lange wie möglich auskosten.

Fazit zu 3 Generationen der Mercedes S-Klasse

Wie früher Mercedes selbst, bin ich bei der S-Klasse immer in Rufweite hinter der Mode, aber nie ganz vorn. Langsam beginne ich die vorletzte S-Klasse, den herrlich unprätentiösen W 220 (1998 bis 2005) gut zu finden, der aktuelle W 222 ist für mich noch von einem anderen Stern. Aber der Neue schreibt die Rolle des  Technologieträgers in zeitlos-elegantem Design würdig fort. Eine Luxus-Lounge auf Rädern, der Fahrer wird entlastet, aber nicht entmündigt.

Die beiden Alten fordern den Piloten, vor allem der brachiale Mercedes-Benz 300 SEL 6.3, dessen harmlos gediegene Eleganz täuscht. Bei vollem Leistungseinsatz wird er zum Tier, dann zieht er schwarze Striche auf die Bahn. Meine Wahl wäre klar der Mercedes-Benz 450 SEL 6.9, außen gold, innen Velours, heute noch zeitgemäße Technik - ein Held der Siebziger.

Kommentar schreiben

Es ist noch kein Kommentar vorhanden. Seien Sie der Erste und sagen Sie und Ihre Meinung.

Dieser Artikel stammt aus diesem Heft
Empfehlungen aus dem Netzwerk