Jetzt auch für: iPhone, iPad, Android und Windows
Marken
Themen
Artikel
Videos
Baureihen
Alle Treffer mit anzeigen

Silvretta-Reise im Käfer

Die Pässe bitte

Foto: fact 14 Bilder

Sie heißen Flexenpass, Flüela, Silvretta und Hochtannbergpass, schwingen sich in luftige Höhen und sind immer eine Reise wert - eine Tour auf der Route der Silvretta Classic Rallye Montafon.

03.07.2008 Yörn Pugmeister

In jenem Jahr, in dem sie in der Holzfällerhütte wohnten mit dem großen, viereckigen Kachelofen und wo sie auf Matratzen schliefen, die mit Buchenblättern gefüllt waren ..." Ernest Hemingway lässt den delirierenden Jäger Harry in seiner Kurzgeschichte „Schnee auf dem Kilimandscharo" zurückreisen in eine Vergangenheit, die seine eigene war. In eine Gegend, die der Dichter liebte, in der er zwei Winter verbrachte, Ski fuhr, pokerte, soff und an seinem Roman "Fiesta" schrieb: das Montafon und seine Berge.

Käfer auf Berg- und Talfahrt

Hemingway fuhr vor 84 Jahren mit dem Zug. Ein gut 30 Jahre altes Käfer Cabriolet, sympathische Leihgabe der VW-Autostadt in Wolfsburg, ist heute gerade recht, die Vergangenheit in der Gegenwart zu erleben. Die Berge in Vorarlberg stehen noch wie zu jenen Zeiten, als Rätoromanen und Walser Rodungen in die großen Wälder schlugen. Ihre Siedlungen waren klein, zerstreut an den Hängen, in den Flusstälern. Heute sind die Orte im Tal viel größer und konzentrierter, während die Menschen am Berg oft noch ebenso abgeschieden wie früher leben.

Aber durchaus nicht einsam, denn gut ausgebaute Straßen verbinden inzwischen die kleinsten Weiler. Plankengesicherte Pässe führen über viele Höhen, wobei das schönste Panorama auf Berge und Almen zweifellos die Silvretta-Hochalpenstraße bietet, gebaut 30 Jahre nach Hemingways Holidays. Sie windet sich in zahllosen Serpentinen 22 Kilometer bergauf und endet am Silvretta-See, auf dem Kapitän Stefan Schindelecker in der Sommersaison mit seinem holländischen Grachtenboot kreuzt.

Verkehrsarme Hochetappen

Reizvoll ist es, von Partenen aus dem Kurs der Silvretta Classic Rallye zu folgen. Als Stärkung vor dem Start empfiehlt sich eine Gerstensuppe mit Liebstöckel oder ein Cordon Bleu mit Sura Kees - saurem Käse, einer Spezialität des Montafons. Von der Passhöhe am Silvretta-See geht es hinunter bis Galtür, weiter durch das Paznaun-Tal nach Landeck. Von dort über Pfunds in die Schweiz und zu den romantischen alten Dörfern Sent, Scuol und Guarda im Unterengadin, in denen heute noch rätoromanisch gesprochen wird.

Es folgt der leicht zu befahrende Flüelapass, der über 28 Kilometer ins Pratigau und nach Davos führt. Auf diesem Pass herrscht meist wenig Verkehr, denn nach Eröffnung des Vereina-Tunnels verkehren dort fast nur mehr Postbusse sowie im Sommer eine Postkutsche von Davos zum Hospiz auf der Gipfelhöhe. Von dort ist es nicht mehr weit bis Vaduz, seit 1719 Hauptstadt des kleinen Fürstentums Liechtenstein mit nicht mehr als 5.000 Staatsbürgern - im ganzen, 17 Quadratkilometer großen Land, wohlverstanden.

Nach wenigen Kilometern geht es, wie schon bei der Einreise in die Schweiz ohne aufwendige Pass- oder Grenzkontrollen, bei Ruggell erneut hinein ins Österreichische, wobei man die Stadt Feldkirch tunlichst auf Nebenstraßen umfahren sollte: Die Verkehrsführung im Ort ist ein Albtraum, die Altstadt hingegen sehenswert.

Auch die direkte Talstraße an der Ill entlang ins Montafon ist verkehrsmäßig keine reine Freude, bietet aber mit der 4.000-stufigen Europa-Treppe bei Gaschurn einen sportlichen Höhepunkt: Beim Internationalen Treppencup 2007 rannte Benedict Bier aus Völklingen die 700 Höhenmeter der längsten Treppe Europas in 26 Minuten hoch. Für Nicht-Rekordsüchtige empfiehlt sich eine ruhige Fahrt in den Bregenzerwald.

Lohnende Reise

Über Bings, Dalaas und Stuben und den Flexenpass - mit einer Pause in Lech vielleicht - gelangt man von Warth aus zum Hochtannbergpass und auf die Bregenzer "Käsestraße". Dort riecht es keineswegs nach Milchprodukten - die werden in modernen Anlagen im Tal oder traditionell auf den Almen hoch am Berg produziert -, sondern nach Waldgrün und nach Wasserfällen. Im Wirtshaus zum Gämsle in Schoppernau kann man neben vielen Käsesorten auch alle anderen Spezialitäten der Region genießen.

Eine lohnende Reise, ohne Pass über viele Pässe, immer auf den Spuren der Silvretta Classic. Denn auch wenn die seltenen Old- und Youngtimer der Rallye wieder weitergezogen sind, trifft man stets auf ganz einzigartige Landschaften, in denen gastfreundliche Menschen heute noch ihre Traditionen leben. Obwohl sie längst nicht mehr auf mit Buchenblättern gefüllten Matratzen schlafen.

Anreise:
Von Deutschland auf der E43 nach Bregenz, durch den Pfänder-Tunnel und weiter auf der A14 nach Bludenz. Von da auf der Landstraße 188 zum Hauptquartier der Silvretta Classic nach Partenen. Dort findet an drei Tagen der jeweilige Rallye-Start statt.

Event des Jahres:
Silvretta Classic Rallye Montafon vom 3. bis 6. Juli 2008. Am Start: 186 Klassiker aus den Jahren von 1923 bis 1988. auto motor und sport präsentiert am 5. Juli zum Korso in Vandans die Stars des eigenen Fahrerkaders: Frank Biela, Ellen Lohr, Robert Lechner, Bernd Schneider, Joachim Stuck und Jockel Winkelhock. Natürlich in spektakulären Rennwagen wie dem Mercedes GP-Boliden von 1908 oder den Opel GP-Racer von 1913.Weitere Infos, Zeit- und Streckenpläne sowie das komplette Teilnehmerfeld gibt es im Internet unter www.silvretta-classic.de

Unterkunft:
Im Partener Hof, dem Startort jeder Etappe, dürfte es wohl kaum noch Zimmer geben, aber Boss und Chefkoch Lothar Bona findet immer einen Platz an einem seiner Tische für hungrige Gäste. Am besten vorher anmelden. Ähnlich schwierig dürfte es sein, im Löwen in Schruns oder in der Taube dort - dem einstigen Stammquartier von Ernest Hemingway - ein Zimmer zu erhalten. Am ehesten ist wohl etwas zu machen im Gämsle in Schoppernau. Hilfe bei Buchungen und Reservierungen an jedem Tag unter www.montafon.at. Neben den Hotels gibt es viele Pensionen und in fast jedem Privathaus ein Fremdenzimmer.

Souvenirs:
Holzschnitzereien jeder Art werden angeboten. Eine schöne Auswahl findet man bei Hansjörg Pfefferkorn in Gortipohl. Sehr aktiv sind überall Kunstschmiede. Othmar Netzer & Sohn schmieden und löten prächtig. Einen der besten selbst gebrannten Schnäpse gibt es - auch zum Wohle der Kirche - bei Pfarrer Joe im Pfarrhaus neben der Kirche in Gaschurn.

Kommentar schreiben

Es ist noch kein Kommentar vorhanden. Seien Sie der Erste und sagen Sie und Ihre Meinung.

Neues Heft
Empfehlungen aus dem Netzwerk
Gebrauchtwagen Angebote
Whatsapp
Immer auf dem neuesten Stand mit unserem WhatsApp-NewsletterJetzt kostenlos anmelden