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Simca 1000 Rallye 2 Restaurierung

Alte Liebe in neuem Glanz

Simca 1000 Rallye 2, Michael Kuhrs, Frontansicht Foto: Fact 16 Bilder

Ein Simca 1000 Rallye 2 sorgte für prickelnde Momente in Michael Kuhrs Studentenzeit. Exakt dieses Auto ließ der heutige Mediziner wieder auferstehen.

20.10.2013 Bernd Woytal Powered by

Das Schrauben und Tüfteln bereitet ihm offensichtlich Freude. Zudem beschreibt sich Michael Kuhr als Werkzeugfetischist, was seine gut bestückte kleine Hobbywerkstatt erklärt, zu der sogar eine kleine Drehbank gehört. Diese nutzt er zum Beispiel beim Bau von Modelleisenbahnen der Spur 1. Aber auch andere kleine, sozusagen unter Dampf stehende Fahrzeuge, liegen ihm am Herzen. Wie jener potente Simca 1000 Rallye 2, den er sich 1985 als Student gekauft hat.

Motorwechsel unter freiem Himmel

Der kleine Flitzer stammte aus der Konkursmasse eines Reifenhändlers, der ihn bei Rallyes eingesetzt hatte. "Ich musste mir damals 1.000 Mark von meiner Freundin leihen, um die geforderten 1.400 Mark zahlen zu können", erinnert sich Kuhr, der von dem zu diesem Zeitpunkt nur 34.000 Kilometer gelaufenen Simca Rallye 2 total begeistert war.
Allerdings ließ schon bald der Öldruck des kleinen, im Heck montierten Vierzylinders zu wünschen übrig. Doch Kuhr hatte Glück und konnte sich den letzten Austauschmotor jenes Simca-Händlers sichern, bei dem er den Wagen gekauft hatte.

"Den Motorwechsel wie auch alle Wartungsarbeiten habe ich damals selbst durchgeführt, meist unter freiem Himmel", berichtet der Simca-Fan aus seinen wilden Zeiten. Wild ging es damals tatsächlich zu. Die Stoßstangen und die schmalen Serienfelgen warf er auf den Schrott, Front- und Heckspoiler sowie eine breitere Bereifung und ein Devil-Auspuff machten aus dem Simca einen grimmigen Giftzwerg.

Umbau zum Slalom-Renner

Wie giftig so ein Auto wirklich sein konnte, hatte die lebendige Tuner-Szene in den 70er Jahren vorexerziert, und der bastelfreudige Student fühlte sich dadurch animiert. 1990 meldete er den Simca Rallye 2 ab und baute ihn mit viel Aufwand zum Slalom-Renner um.

In der Scheune eines Bekannten zerlegte er den Simca Rallye 2 komplett in alle Einzelteile. Er entlackte von Hand die gesamte Karosse, beseitigte die vorhandenen Rost- und durch den einstigen Rallyeeinsatz hervorgerufenen Belastungsschäden wie lose Schweißpunkte - und rüstete die Technik auf.

Letzten Endes kam es aber weder zu einem Renneinsatz noch zu einer Wiederzulassung zum Straßenverkehr, was wohl angesichts der zahlreichen Modifikationen schwierig gewesen wäre. 1993 verschwand der Kleine in einer Garage in Hannover, und Michael Kuhr setzte andere Schwerpunkte.

Nachwuchs bremst den restaurierungs-Eifer

Familie und Beruf waren auch 2011 die Gründe, weshalb das wiederentdeckte Projekt Simca Rallye 2 nicht ganz so in Schwung kam, wie sich Kuhr das vorgestellt hatte. Ihm war die Idee gekommen, seinen Simca aus dem Dornröschenschlaf zu wecken, entsprechend holte er ihn auf dem Hänger zu seinem aktuellen Wohnort Rotenburg an der Fulda.

Tatendurstig schlich er um das einstige Traumauto, doch seine Gattin bremste seinen Eifer. Mit Recht, schließlich stand Nachwuchs an, und außerdem eignete sich ein Carport kaum als Restaurierungswerkstatt. Dennoch ließ sich der stolze Simca-Besitzer nicht davon abhalten, mit der gebotenen Vorsicht seine alte Liebe zum Leben zu erwecken und mit dem lautstark röhrenden Floh eine kleine Runde zu drehen. Kuhr war aber klar: Er musste die Restaurierung des Simca Rallye 2 weitgehend in andere Hände geben.

Hilfe durch eine BMW-Werkstatt

Ein in der Szene bekannter Simca-Experte hatte keine Kapazitäten frei, aber ein bei Krah & Enders in Bad Hersfeld als Prokurist tätiger Freund bot ihm Unterstützung an. Denn in der Karosserieabteilung der eigentlich auf BMW spezialisierten Firma arbeitet Meister Oliver Lampersbach, der sich auch mit Oldtimern beschäftigt.

Kuhr nahm das Angebot dankend an. "Ich stand anfangs jedoch auf dem Gaspedal, weil ich die Restaurierung schnell realisieren wollte." Doch alles braucht eben seine Zeit. Nach der kompletten Demontage wurde die Karosse des Simca Rallye 2 chemisch entlackt und entrostet. "Ich hatte es mir schlimmer vorgestellt", erinnert sich Lampersbach an die folgende Begutachtung der vorhanden Durchrostungen, denen er mit Hilfe diverser selbstgefertigter Blech zu Leibe rückte. Auf das Einschweißen der von Kuhr beschafften neuen und etwas kräftiger dimensionierten Schweller verzichtete er, weil die Alten noch recht gesund waren.

Das Beschaffen von Teilen für den Simca Rallye 2 dank geduldiger allabendlicher Internetrecherche war übrigens nur eine der Aufgaben, die Kuhr selbst übernahm. Zuhause arbeitete er viele Technik- und Anbauteile neu auf, überholte alle Teile der Bremsanlage und fertigte einen neuen Kabelbaum.

Das Getriebe für seinen Simca Rallye 2 besorgte er als Neuteil über die Simca Heckmotor IG, und IG-Mitglied Frank Breidenstein baute ihm einen neuen, getunten, dennoch standfesten Motor auf. Den Einbau überließ er Krah & Enders, doch einiges an Arbeit bleibt noch für ihn selbst. Etwa der Umbau der zu breiten Hinterachse. Seinerzeit hatte er wegen Teileproblemen die Naben zur Aufnahme von Fiat-Bremsscheiben modifiziert.

Als ganz abgeschlossen sieht er die Restaurierung vorerst eh nicht: "Der Simca Rallye 2 soll ein Auto sein, an dem ich immer mal wieder etwas machen kann."

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Dieser Artikel stammt aus diesem Heft
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