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Sitzprobe Fennek auf der Essen Motor Show

Der Ferrari unter den Panzern

12/2013, Sitzprobe Spähpanzer Fennek Markus Stier Essen Motor Show Foto: SB-Medien 25 Bilder

Auf der Essen Motor Show wirbt die Bundeswehr regelmäßig um neue Mitglieder. Wir wollen nicht kämpfen, nur spielen, aber das müssen wir dem Heer beim Einsteigen ins rasanteste Gefährt der Truppe ja nicht auf die Nase binden.

02.12.2013

Um ein Haar hätte diese Sitzprobe nie stattgefunden, denn beim Verlassen des Fahrersitzes bleibt der Fotograf stecken. "Rückwärts raus ist einfacher", sagt Steve Siegmund. Er muss es wissen, er ist für eine Woche der Held, denn er ist der Fahrer. Ständig bestürmen ihn vor allem die Kinder auf der Motorshow mit aufgeregten Fragen.
 

Zustieg nur für Schlangenmenschen

Dabei wiegt sein Gefährt mindestens 9,8 Tonnen und ist rund zweieinhalb Meter breit und knapp 5,6 Meter lang. Das sind eher Wohnmobildimensionen als die eines Sportwagens. Zu allem Überfluss liegt die reguläre Höchstgeschwindigkeit bei läppischen 92 km/h. Auf der anderen Seite protzt das Gefährt mit technischen Daten, denen auch Tuner mit Respekt begegnen. Ein Sechszylinder-Turbodiesel von Deutz im Heck kreiert zwar moderate 240 Pferdestärken, aber ein bäriges Drehmoment von 819 Newtonmetern. Und die Heranwachsenden fragen Siegmund mit leuchtenden Augen: "Ist der kugelsicher?"
 
Ist er, und das ist gerade Stefans Problem. Der auto-motor-und-sport-Fotograf könnte nicht mal die Scheibe einschlagen, um sich aus seiner Lage zu befreien. Schließlich gelingt es ihm nach einigen schlangenmenschgleichen Bewegungen, sich zwischen Feuerleitstand und rechtem, vorderen Radhaus durchzuquetschen. Aus dem Schaden des Lichtbildners klüger geworden, wendet der Reporter auf dem Weg zum Fahrersitz daher die Technik des langen Ausfallschritts an, um an der stählernen Höhle für ein etwa 1,40 Meter hohes Rad vorbeizukommen.

Fennek bringt Spaß im schweren Gelände

Der Spähpanzer Fennek hat deren nur vier und ist trotzdem eines der geländegängigsten Fahrzeuge der Bundeswehr. Der Wüstenfuchs ist nur leicht gepanzert, vor allem für Aufklärungsaufgaben vorgesehen und kann durch einen Meter tiefe Wasserlöcher fahren. "Der macht im Gelände richtig Spaß" versichert Hauptmann Oliver Menting.
 
Das liegt nicht zuletzt am niedrigen Schwerpunkt. Mit seinen flachen Scheiben sieht das Gefährt aus dem Hause Krauss Maffei wie gechopt, quasi der Hotrod unter den Panzern. Die Dachhöhe liegt bei nur 1,79 Metern, dementsprechend ist die Sitzposition des Fahrers weniger erhaben als bei einem Camper. Dafür sitzt der Lenker des Dreisitzers vorn in der Mitte wie in einem Formel 1.
 
Die Sicht nach vorn ist nicht schlechter als bei einem Audi TT. Vor dem Lenkrad prangt eine Reihe von Kontrolllämpchen, dazu sind in Reichweite die Module für das aus dem Cockpit verstellbare Reifenluftdrucksystem angebracht und die Schalter für die Aktivierung der Differenzialsperren. Ein Bein links über den Kardantunnel des Allradantriebs geschwungen, das andere gibt Gas und bremst. Der Fennek hat Servolenkung und Automatik, so gesehen ein ganz normales Auto. Nur die Mittelsitzposition ist nicht jedermanns Sache. "Das ist erst mal ungewohnt. Du fährst anfangs immer ein bisschen zu weit links", sagt Stabsunteroffizier Siegmund. Zum Glück wiegt der Wüstenfuchs auch voll beladen nur knappe zwölf Tonnen. Bei einem Fahrfehler im Leopard wäre gleich die Bordsteinkante eingeebnet.

Wüstenfuchs wird künstlich eingebremst

Alles im Cockpit ist schmucklos und funktional, aber auch wenn es hier nicht um Schönheitspreise geht, die primitiven Schieberegler für die Lüftung waren schon in den Siebzigern total out. Bei der Militärtechnik gehen die Uhren anders. Der Fennek ist die jüngste Anschaffung in der Panzertruppe. Sieben Jahre nach der ersten Erprobung  wurde der erste 2004 ausgeliefert. "Das ist bei uns wirklich jung", versichert Hauptmann Menting.
 
Alt sah er nur vorgestern beim Waschen an der Tankstelle aus. Da sprang der Wüstenfuchs nicht an. "Irgendwo ist etwas feucht geworden, wo es trocken bleiben sollte", sagt Menting. Na ja, ist halt eher ein Wüstentier. Aber Spaß beiseite: Der Fennek ist gebaut, um auch Sümpfe zu durchqueren, und dann könnte man ihn mit einer Pipette lahmlegen? Nicht dass diese heiklen Informationen an den "Spiegel" gelangen.
 
Im Extremfall hat der Fennek auf dem Dach noch einen von der Rückbank per Periskop steuerbaren Argumentationsverstärker mit 40 Millimeter Kaliber an Bord, aber die Bewaffnung ließ man zu Hause – kostet ja auch nur zusätzliches Gewicht und erhöht unnötig den Schwerpunkt. Wenn es gilt, schnellstens die Biege zu machen, lässt sich der Wüstenfuchs auch blitzschnell frisieren. Die Höchstgeschwindigkeit ist künstlich limitiert, ist die Sicherung deaktiviert, rennt der Panzerwagen gleich 115 km/h schnell.
 
Zügig ist auch der Reporter wieder aus dem Cockpit. Anstatt mühsam den Rückweg durch den stählernen Engpass zu wählen, geht es nach oben aus der Luke wunderbar einfach ins Freie. Von hier fällt der Blick ans Ende der Halle, wo die Luftwaffe ein Tornado-Cockpit aufgebaut hat. Da müsste man auch mal probesitzen.

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