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Skateboard-Papst Titus Dittmann

Viele Autos, aber kein Sammler

Titus Dittmann, Autosammlung Foto: Ingolf Pompe 9 Bilder

Titus Dittmann ist Skateboard-Papst, Rennfahrer, Unternehmer und Weltverbesserer – und er besitzt zahlreiche Autos, die er auch fährt.

25.10.2014 Luca Leicht

Als sich der Schlüssel mit dem blauen Eldorado-Anhänger im Zündschloss des 59er Cadillac dreht, beginnt rund vier Meter entfernt, bei den schmalen Endrohren, ein sanft blubberndes Konzert aus acht Zylindern. Das große weiße Cabrio mit seinen roten Sitzen zählt zu den ältesten "Karren", die bei Titus Dittmann auf dem Hof stehen. Wie viele Fahrzeuge im Moment in seiner Sammlung — pardon — in Benutzung sind, weiß Dittmann nicht, es interessiert den 65-jährigen Skateboard-Papst aus dem kleinen Dorf bei Münster aber auch nicht.

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Reportage Titus Dittmann im Porträt
auto motor und sport 21/2014
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"Es sind sicher über zehn Autos, aber das ist mir eigentlich völlig egal", erklärt er. Denn mit dem Begriff "Sammlung" kann Titus Dittmann nicht viel anfangen. "Ich stehe auf Autos, und da ich gern fahre, brauche ich eben welche. So einfach ist das." Für Außenstehende, räumt er ein, könne das dann schon einmal so aussehen, als ob er sammelte. "Dabei fahre ich doch bloß", erklärt er weiter, während er sich auf den alten, abgewetzten Sitzen des Cadillac fläzt und die Freude am Fahren kaum verbergen kann.

Mitte der 80er Jahre rettete er den Caddy aus einem kalifornischen Hühnerstall und schaffte ihn nach Deutschland. "Damals war er schon 25 Jahre alt, ein Haufen Hühner pickte auf den Sitzen herum, und er lief nur noch auf vier Zylindern — aber ich musste den 59er mit seinen riesigen Heckflossen einfach haben. Jetzt hat er schon mehr als die Hälfte seines Lebens bei mir verbracht."

Mit den 70ern kam das Skateboard

Noch während seines Lehramtsstudiums schraubte Dittmann an Enten und hatte sich dem Mythos 2CV und der Marke Citroën ganz und gar verschrieben. "Ich hatte richtig Mitleid mit den Mercedes-Fahrern und dachte mir: Was sind die blöde, die wissen gar nicht, wie geil das ist, so langsam mit 80 Stundenkilometern in einer Ente über die Autobahn zu zuckeln." Er gesteht allerdings auch, dass seine Liebe zur Ente vermutlich viel mit seinen finanziellen Möglichkeiten zu tun hatte. "Ich bin richtig gut darin, mich selbst über den Tisch zu ziehen und mir einzureden, das sprichwörtliche Glas Wasser sei dreiviertelvoll, auch wenn gerade mal ein Viertel drin ist."

Doch auch heute, ein paar Jahre später, sind die Autos aus Stuttgart noch immer nicht sein Fall. "Mercedes und Co. bauen gute Autos, keine Frage, aber die sind nichts für mich. Die sind mir viel zu langweilig, zu sehr Mainstream", erklärt er, streichelt seinem schwarzen 66er Ford Mustang über die beiden weißen Rallyestreifen und zeichnet mit den Fingern die rote 66 auf der Motorhaube nach.

"Als ich den Mitte der 80er gekauft habe, war er noch weinrot", erinnert er sich. Das war schon ein paar Jahrzehnte nach der Zeit, als Dittmann damit begann, Skateboards, Rollen, Achsen und Zubehör aus den USA zu importieren. "Diese Jugendkultur hat mich so begeistert und bewegt. Das war irre. In ganz Europa gab es damals gefühlt fünf Skateboarder, und ich habe meinen sicheren Job als Studienrat samt Beamtenstatus an den Nagel gehängt. Alle erklärten mich für verrückt – vor allem, weil mein Sohn Julius gerade zur Welt kam", erzählt der ehemalige Sport- und Erdkundelehrer.

Doch die Erfolge können sich sehen lassen. Zusammen mit seiner Frau Brigitta gründete er einen der ersten Skateshops in Europa, eröffnete einen der ersten deutschen Skateparks und richtete über viele Jahre die Skateboard-Weltmeisterschaft aus. Mit diesem Engagement und dem stetig wachsenden Skateboard-Imperium, dem Titus-Business, wie Dittmann es gerne nennt, machte er Münster und somit Deutschland zur Keimzelle dieser Jugendkultur in Europa und gilt hierzulande als Urvater der Skateboard-Szene.

Skate-aid-Stiftung zur Unterstützung von Kindern in Kriegs- und Krisengebieten

"Seit fünf Jahren schmeißt mein Sohn den Laden, und ich habe etwas Zeit, mich um andere Dinge zu kümmern", sagt Dittmann und zeigt auf den Aufdruck seines T-Shirts. "Mein Job ist jetzt bei Skate-aid, der Stiftung, die ich gegründet habe, um Kindern in Kriegs- und Krisengebieten, aber auch in Deutschland zu helfen. Wir bauen zum Beispiel Skateparks und bringen die Welt mithilfe des Bretts für die Kids ins Rollen."

Neben all den Wohltaten und Erfolgen sorgt Titus Dittmann aber auch immer wieder als Rennfahrer für Schlagzeilen. Erst Mitte dieses Jahres beispielsweise, als sein Teamkollege trotz gelber Flagge beim 24-Stunden-Rennen auf dem Nürburgring in einen vorausfahrenden Mini krachte und die gasbetriebene Dodge Viper in einen Totalschaden verwandelte. "Das war richtig scheiße, den Klassensieg hatten wir so gut wie in der Tasche. Sich jetzt aber noch darüber aufzuregen, hilft niemandem", beruhigt er sich selbst.

Pony-Fieber im 65er Renn-Mustang

Zurzeit konzentriere er sich lieber darauf, ein neues Fahrzeug für das nächste Jahr zu finden. Was kommen wird, steht aber noch nicht fest. "Momentan gehe ich mit dem Gedanken schwanger, eine Kooperation mit einem Kleinserienhersteller einzugehen. Dann hätte ich fast ein Unikat. Das wäre ziemlich geil!" Bis das entschieden ist, bleibt ihm aber noch sein 65er Renn-Mustang, mit dem Dittmann seit einigen Jahren bei historischen Rennen antritt. "Seit ich mit ihm mein erstes Rennen gefahren bin, hat mich das Pony-Fieber erwischt", sagt er mit einem verstohlenen Lächeln.

"Ich habe aber auch noch genug andere Projekte auf dem Hof. Beispielsweise den Ford GT40, den ich so original wie möglich wieder aufzubauen versuche und deshalb schon drei- oder viermal wieder zerlegt habe." Zum Etappenziel für dieses Jahr habe er sich gesetzt, dass der Wagen zumindest lackiert werde. "Leider ist es nicht so einfach, jemanden zu finden, der das so macht, wie ich es möchte."

"Meinen Neuesten, den weißen 69er Ford Mustang Grande, fahre ich zurzeit aber am liebsten. Eine saugeile Karre mit Schaltgetriebe." Zu Beginn habe er ihn aber gehasst, gibt Dittmann zu: "Ich habe schon so viele vergammelte und kaputte Mustangs zusammengeflickt, dass ich endlich einen wollte, der topfit ist." Leider hatte der Händler zu viel versprochen, und wegen der langen Standzeit musste Dittmann den Motor revidieren und sämtliche Dichtungen tauschen. "Das hat mich fast zwei Jahre gekostet, in denen der Wagen nur rumstand – beinahe so, als würde ich Autos sammeln."

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Dieser Artikel stammt aus diesem Heft
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