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Skoda-Chef Reinhard Jung im Interview

Erwartungen für 2010 zurückhaltend

Foto: VW 18 Bilder

Skoda-Chef Reinhard Jung spricht mit auto motor und sport-Redakteur Harald Hamprecht über die Zukunft der Marke, die Absatzentwicklung, die Positionierung der Marke im VW-Konzern sowie die Ausweitung der Modellpalette.

05.12.2009 Harald Hamprecht

Herr Jung, die erfolgsverwöhnte Marke Skoda scheint sich der Krise nicht entziehen zu können: Per September lag das Minus beim Absatz bei 19 Prozent und beim Umsatz bei 13 Prozent, das operative Ergebnis hat sich im Vergleich zum Vorjahreszeitraum fast halbiert. Wie geht es weiter? Werden sie noch einen Jahresendspurt hinlegen?
Reinhard Jung: Die weltweite Auto- und Finanzkrise geht auch an Skoda nicht vorbei. Wir sind jedoch in der glücklichen Situation, dass wir im Gegensatz zu vielen Wettbewerbern im Jahr 2008 noch ein Wachstum von sieben Prozent bei den Auslieferungen verbuchen konnten. Auch im Jahr 2009  werden wir unsere Erfolgsstory weiter fortschreiben und aller Voraussicht nach erneut einen Auslieferungsrekord erreichen. Dies wäre dann der Siebte in Folge.

Wie weit werden Sie über Vorjahr liegen?
Reinhard Jung: Mit Ende des dritten Quartals lagen wir bei den Auslieferungen noch bei rund minus fünf Prozent. Aktuell im November werden wir das  Niveau des Vorjahreszeitraums erreichen. Wie viel Prozentpunkte es für das Gesamtjahr werden, vermag ich heute noch nicht genau vorauszusagen. Aber wir  sind zuversichtlich, dass wir die 675.000 Auslieferungen des Vorjahres überschreiten.

Und 2011 dann die Marke von einer Million Auslieferungen knacken?

Reinhard Jung: Nein, sehr wahrscheinlich noch nicht. Wir halten an diesem Langfristziel von einer Million Auslieferungen pro Jahr zwar fest, aber aufgrund der weltweiten Krise werden wir dieses Ziel frühestens mit einer Verzögerung von drei bis vier Jahren erreichen.

Volumen allein ist bekanntlich nicht alles. Wie sieht es mit dem Gewinn aus?

Reinhard Jung: Unser Ergebnis wird 2009 in Vergleich zum Vorjahr geringer ausfallen, wenngleich wir immer noch einen Gewinn im dreistelligen Millionenbereich verzeichnen werden. Zu verdanken haben wir das nicht zuletzt unserem ambitionierten Sparprogramm "Scout": Für dieses Jahr rechne ich insgesamt mit einem Paket an Einsparungen von 150 Millionen Euro. Dabei steht alles auf dem Prüfstand - auch unser Sponsoring. Aber die wesentlichen Dinge - Radsport, Eishockey - werden wir konsequent weiterführen.

Aber die hervorragende Kapitalrendite von zuletzt 15 Prozent werden Sie damit trotzdem nicht halten?
Reinhard Jung: Wir rechnen auf Jahresbasis mit einer Kapitalrendite im einstelligen Bereich.

Was sind die Gründe für die niedrigere Ergebniserwartung?
Reinhard Jung: Selbstverständlich treffen auch uns die Rabattschlacht und ein geändertes Käuferverhalten. Darüber hinaus belastet uns im Wesentlichen die Schwäche der Währungen wie britisches Pfund, russischer Rubel und polnischer Zloty.

Wie entwickelt sich der chinesische Markt für Sie?

Reinhard Jung: China ist neben den weit verbreiteten nationalen Abwrackprämien der zweite große Lichtblick für Skoda. Der Markt boomt und boomt. Unsere Ursprungsprognose lag für den Gesamtmarkt Anfang des Jahres noch bei 5,2 Millionen Pkw, jetzt sehen wir mehr als acht Millionen. Wir konnten uns aufgrund neu eingeführter Fahrzeuge noch besser entwickeln als der Gesamtmarkt und werden unser Volumen mehr als verdoppeln - auf rund 120.000 Verkäufe.

Ihr weltweit größter Einzelmarkt bleibt aber Deutschland?

Reinhard Jung: Ja, dieses Jahr rechne ich mit rund 190.000 Zulassungen. Das wäre im Vergleich zu 2008 eine Steigerung von rund 60 Prozent. Wir haben hier stark von der Abwrackprämie profitiert.

Wie entwickeln Sie Ihre übrigen Hauptmärkte dieses Jahr?

Reinhard Jung: Die Gesamtmärkte in Westeuropa zeigen für 2009 noch einen Rückgang von 1%. Da wir unseren Marktanteil um 12 % auf 2,6 % steigern konnten, erwarten wir Verkäufe auf Vorjahresniveau. Deutliche Rückgänge haben wir dagegen in Zentral- und Osteuropa, vor allem Russland, Ukraine, Rumänien und Ungarn zu verbuchen. China habe ich bereits erwähnt: der Gesamtmarkt wird um 50 Prozent wachsen, wir um 105 Prozent.

Was erwarten Sie für 2010?
Reinhard Jung: Unsere Erwartungen für nächstes Jahr sind sehr zurückhaltend - vor allem aufgrund der wegfallenden Abwrackprämien. In Westeuropa sehen wir 2010 bestenfalls zögerliche Zuwachsraten, in Deutschland indes einen Rückgang des Marktes auf ein Jahresniveau vor der Abwrackprämie. Entscheidend sind auch die zukünftigen Entwicklungen der Währungsparitäten. Und fast unbemerkt von der Öffentlichkeit - werden in Europa hinter den Kulissen hitzige Debatten über die Wirtschaftsbeziehungen mit Korea geführt: Die Währungsrelation begünstigt derzeit massiv Exporte aus Südkorea gen Europa. Das tut uns sehr weh. Nicht zuletzt appellieren wir an Banken, die Möglichkeit zur Autofinanzierung wieder zu verbessern. Von Vorteil wird es aber für uns auf jeden Fall sein, dass wir über ein sehr ausgereiftes Produktportfolio verfügen. Vor allem die neuen Modelle Yeti und Superb Combi werden uns in vielen Ländern neue Kunden und Aufträge bringen.

Wie steht es um die Auslastung Ihrer Werke?
Reinhard Jung: Gleich zu Beginn dieses Jahres hatten wir in Tschechien, wo drei unserer weltweit acht Werke stehen, eine schwierige Situation. So war die Wochenarbeitszeit auf 37,5 Stunden festgeschrieben und das Arbeitsrecht ließ kein gleitendes Arbeitszeitkonto zu. Das hat dazu geführt, dass wir Anfang 2009 rund 2.500 Leute entlassen mussten - das war der härteste Einschnitt in den vergangenen zehn Jahren. Drei Monate später haben wir jedoch in wesentlichem Umfang wieder Agenturmitarbeiter eingestellt. Für die Familien ist das natürlich trotzdem frustrierend. Doch dieses Beispiel hat die tschechische Regierung überzeugt: Anfang 2010 werden wir eine gleitende Arbeitszeit bei Skoda einführen. Das ist immens wichtig für die Zukunft, um auf den Konjunkturverlauf flexibel zu reagieren.

Das heißt, keine Einschnitte beim Personal im Jahr 2010?

Reinhard Jung: Doch, ganz vermeiden werden wir Kürzungen des Agenturpersonals 2010 angesichts der Marktprognose nicht, aber sie werden in wesentlich geringerem Umfang ausfallen als im Vorjahr.

Wie sieht es mit Kurzarbeit aus?
Reinhard Jung: Statt Kurzarbeit werden wir die Arbeitszeitkonten nutzen. Die geben uns nicht nur in der schwächeren saisonalen Schwankungen die notwendige Flexibilität auf Marktbedürfnisse reagieren zu können und dabei unser Personalstamm nicht stark belasten zu müssen.

Wie steht es um Ihre übrigen Werke? Reichen sie für Ihr langfristiges Absatzwachstum aus?

Reinhard Jung: Allein die Kapazität in unseren drei eigenen Werken in Tschechien liegt bei 700.000 Einheiten, womit wir für die Bedürfnisse in West- und Osteuropa sehr gut aufgestellt sind. In Bratislava produzieren wir derzeit 20.000 Einheiten. Russland - mit einer Gesamtkapazität  für VW und Skoda  von 150.000 Fahrzeugen - und  das neue Werk in Indien mit gleicher Kapazität bei VW und Skoda gehen erst ans Netz. Unsere Kapazität im chinesischen Gemeinschaftswerk mit VW wurde von zuletzt 50.000 bis 60.000 Fahrzeugen auf 120.000 ausgebaut.

Wie viele Mitarbeiter beschäftigt Skoda weltweit?

Reinhard Jung: Ende 2008 waren es 26.700; Ende dieses Jahres werden es rund 26.000 sein. Und ich möchte betonen, dass wir das gesamte Jahr über neue Mitarbeiter eingestellt haben. Allerdings ist die natürliche Fluktuation in Tschechien ausreichend, um auch ohne Entlassungen einen deutlichen Produktivitätsfortschritt zu erreichen.

Welche Impulse wollen Sie mit neuen Produkten setzen?
Reinhard Jung: Schon heute sind wir mit unseren fünf Baureihen mit insgesamt acht Karosserie-Varianten gut aufgestellt. Unsere wichtigste Neuheit ist der Yeti, den wir in einem unserer drei Werke in Tschechien, genauer gesagt in Kvasiny, bauen und seit Ende August in Deutschland auf dem Markt haben. Und Anfang 2010 folgt die Markteinführung des Superb Combi und 2012 zeigen wir den Ableger des VW Up. Parallel dazu werden wir uns weiter kontinuierlich mit dem Thema GreenLine befassen und Schritt für Schritt weitere umweltfreundliche Technologien in unseren Fahrzeugen einsetzen.

Wie entwickelt sich die Nachfrage bei Ihrem jüngsten Spross?
Reinhard Jung: Der Yeti ist ein sehr erfreuliches Thema; seit Abschluss der Hochlaufkurve in der Produktion Ende September fahren wir Spitzenstückzahlen von  200 Fahrzeugen pro Tag. Damit liegen wir 20 Prozent über der ursprünglich geplanten Kapazität. Und dabei sind wir noch mitten in der Einführungsphase; in Märkten wie Russland sind wir mit unserem Kompakt-SUV noch nicht einmal präsent. Der Produktionsanlauf des Yeti in Kaluga ist für Januar 2010 geplant.

Welche Volumina erwarten Sie im Gesamtjahr? Nach Aussagen Ihres Vorgängers werden das 50.000 Einheiten im Jahr?
Reinhard Jung: Wir wollen mal die Währungsentwicklung abwarten vor allem in Russland, Indien und in der Ukraine. Wir haben unsere Kapazitäten hier jedenfalls erheblich ausgebaut - und können Superb, Superb Combi, Roomster und Yeti im gleichen Werk fertigen und damit Nachfrageschwankungen sehr flexibel ausgleichen. Wichtig ist, ans untere Ende der Modellpalette zu schauen, denn die Sensibilität der Käufer hat sich in den vergangenen Monaten noch mal in puncto Preis und CO2-Emission verstärkt. Spritsparende, emissionsoptimierte Fahrzeuge mit einem ausgezeichneten Preis-/Wert-Verhältnis werden immer wichtiger. Da sind wir mit unserer Modellpalette schon jetzt sehr gut aufgestellt, wollen aber auch in Zukunft dem Kunden weitere attraktive Angebote machen.

Und daneben planen Sie noch ein vollwertiges Familienfahrzeug, das bereits in zwei bis drei Jahren zu Preisen um 12.000 Euro angeboten werden kann?
Reinhard Jung: Wir verstärken unsere Entwicklungsaktivitäten in Richtung Familienauto. Denn unsere Käufer - vor allem in Zentral- und Osteuropa - fragen nach einem günstigen fünfsitzigen Familienauto. In der Vergangenheit haben wir das durch den Octavia Tour in vielen Fällen befriedigt, das Modell läuft aber aufgrund von technischen Maßgaben und Abgasvorschriften aus. Zwischen dem Fabia und Octavia wollen wir deshalb ein neues Modell positionieren.

Verraten Sie uns Details?
Reinhard Jung: Das wird ein eigenständiges Auto, wir greifen hier nicht auf einen bestimmten Baukasten zurück, sondern wählen einen individuellen Mix aus verschiedenen Konzernmodulen.

Wird das ein Auto nur für Ost- und Zentraleuropa?
Reinhard Jung: Nein, solche Stufenhecklimousinen sind dort zwar besonders beliebt, aber wir werden es überall, auch in Deutschland anbieten.

Ab wann?
Die Zeit für Entwicklung und Industrialisierung beläuft sich auf etwa zweieinhalb Jahre.

Und der Entwicklungsaufwand liegt bei den üblichen eine Milliarde Euro?
Reinhard Jung: Nein, wir werden deutlich günstiger liegen - dank der Synergien, die wir im Konzern nutzen können. Die wichtige Botschaft ist trotzdem, dass wir bei Skoda dank unserer Verkaufserfolge und der stabilen Ergebnissituation sogar unsere Investitionen in Produkte noch steigern .

Wie hoch sind Ihre Investitionen insgesamt?
Reinhard Jung: In den kommenden fünf Jahren planen wir mit zirka zwei Milliarden Euro, inklusive aller neuen Produktanläufe.

Was können Sie uns zum VW Up-Ableger bei Skoda erzählen?
Reinhard Jung: Skoda hat immer das Bestreben, vorhandene Module nicht starr zu nutzen, sondern flexibel und kreativ zu mixen. Unser "New Small" wird ein Musterbeispiel dafür. Gebaut wird unser Einstiegsmodell - samt aller Schwestermodelle - im VW-Werk Bratislava. Deswegen werden wir dort 2010 die Octavia-Produktion einstellen und zu uns nach Tschechien verlegen.

Mit dem Superb - auch in der Kombi-Variante - hat sich Skoda immer weiter nach oben positioniert. Ist da inzwischen noch Platz im Portfolio für eine neue Billigmarke unterhalb von Skoda?
Reinhard Jung: Es war und ist in besonderem Maße aktuell unser Ziel, als Einstiegsmarke des VW-Konzerns eine preiswerte Produktpalette zu bieten. Nachdem wir unser Portfolio mit dem Superb Combi nach oben abgerundet haben, steht jetzt mit dem New Small eine Abrundung nach unten bevor. Ich denke, unser Konzern ist mit zehn Marken gut aufgestellt.

Gleichwohl könnte der VW-Konzern sich schon bald Suzuki einverleiben und damit in Indien ins absolute Niedrigpreissegment einsteigen.
Reinhard Jung: Ob der Konzern sein Portfolio ausweitet, werden die Diskussionen zeigen. Wir bei Skoda haben jedenfalls keinerlei Sorge um unsere Position innerhalb des VW-Konzerns.

Wie stellt sich Skoda künftig beim Thema alternative Antriebe auf? Wann kommt Skoda mit erstem Elektroauto?
Reinhard Jung: Wir bewegen uns in einem Segment von bezahlbarer Mobilität. Die oberste Priorität ist für uns damit eine Verbrauchsreduzierung beim Benziner und Diesel. Hier werden wir konsequent eine Downsizing-Strategie bis Ende 2010 durchsetzen und etwa kleine 1,6 Liter-Diesel-Aggregate über die komplette Modellpalette hinweg einführen. Zusätzlich bieten wir eine Flüssiggas-Variante im Octavia an, vor allem für LPG-affine Märkte wie Deutschland und Italien. Die Entwicklungsaktivitäten unseres Konzerns in Sachen Elektroantrieb behalten wir zwar im Auge, aber in den kommenden drei, vier Jahren werden wir hier sicher nicht mit Großserien aktiv.

Wo liegt denn momentan Ihr durchschnittlicher Flottenverbrauch und CO2-Ausstoß – und wie stark werden sie diese Werte reduzieren können?
Reinhard Jung: Die Werte für den CO2-Ausstoß beim Fabia liegen im Moment zwischen 109 g/km  und 180 g/km und beim Octavia zwischen 114 g/km und 188 g/km. Beim Octavia haben wir durch die Einführung einer modernen Motorenpalette eine deutliche Reduzierung der Verbräuche erreicht. 2010 werden wir entsprechende Maßnahmen für den Fabia folgen lassen.

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