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Skoda Designchef im Gespräch

"Der Superb ist das Flaggschiff"

Skoda Designchef Foto: Ivo Heric 4 Bilder

Jozef Kaban ist mehr als ein Designchef. Er ist mit Skoda aufgewachsen, spricht die Sprache und versteht Tradition, Leute und Autos dieses Landstrichs – ein Gespräch im Museum.

23.06.2015 Heinrich Lingner

Dass Jozef Kaban ein etwas anderer Automobildesigner sei, erzählen viele in der Branche. Um zu verstehen, was sie meinen, hilft es ein wenig, mit ihm durch das Werksmuseum in Mladá Boleslav zu schlendern. Er macht nicht viel Aufhebens davon, dass er maßgeblich in Konzeption und Ausführung der neu gestalteten Räumlichkeiten involviert war, erwähnt es eher der Vollständigkeit halber und um zu erklären, warum es ihm so vertraut ist. "Hier im Museum bin ich oft, schon allein weil ich im Kuratorium bin", erklärt er, während wir durch die Halle zum Ausstellungsraum gehen.

Der Skoda Konzern ist eine große Familie

Dann ist schon die erste Unterbrechung angesagt. Eine Besuchergruppe, Skoda-Händler aus Belgien, wie sich herausstellt, steht neben uns. Einer aus der Gruppe erkennt Kaban, spricht ihn an, erklärt seinen Kollegen, wen sie da gerade treffen. Bereitwillig lässt sich der Designchef mit den Besuchern fotografieren, so viel Zeit muss sein, Skoda ist eine große Familie. Das sagt er nicht, es spricht aus seinen Gesten und der selbstverständlichen Freundlichkeit, mit der er mit den Besuchern umgeht.

Der Popstar unter den Autodesignern

Wenn Schulklassen hier seien, dauere es noch länger, weil auch tschechische Schulkinder ihn erkennen. Der Designer als Popstar? Kaban winkt ab. "Wir dürfen uns als Designer nicht zu wichtig nehmen, wir müssen keine Designpreise gewinnen", sagt er und erklärt, worauf es ihm ankommt: "Viel wichtiger ist es, mit dem Auto ein komplexes Package aus Technik und Design kompetent darzustellen, und dieses Auto muss zur Marke passen." Zwischen den Exponaten des Museums fühlt er sich so zu Hause wie im Designzentrum ein paar Straßen weiter.

Mladá Boleslav ist ja eine Stadt, deren Zauber sich vor allem denjenigen erschließt, die ein Faible für traditionelle Autostädte haben, sie erinnert an Wolfsburg, Rüsselsheim, Ingolstadt, Dearborn oder Mirafiori: geprägt von einem Automobilwerk, dessen Gebäude und Grundstücke das Stadtbild bestimmen. Hier schlägt das Herz von Skoda, und Jozef Kaban, geboren 1973 in der Tschechoslowakei, jedoch im slowakischen Landesteil, ist einer, der diesen Herzschlag versteht. "Wir bei Skoda sind stolz auf unsere böhmischen Wurzeln, so sind etwa der Schnitt, das Zusammenspiel von Formen und der Schliff von Scheinwerfern und Heckleuchten eine Hommage an die tschechische Kristallglaskunst." Der Skoda Superb sei, so sagt er, das wichtigste Auto, das er bisher bei Skoda gezeichnet habe, und bedauert, dass die Studie VisionD nicht hier im Museum steht.

Neues Superb-Design ohne Kompromisse

Die Vorgängerstudie VisionC ist jedoch gerade zu Gast, an ihr erklärt der Designer, worum es ihm bei der neuen Limousine ging. "Mit dem Superb-Design, das letztlich auf der Studie VisionC basiert, machen wir mit der Marke Skoda einen weiteren Schritt in die emotionale Richtung, ohne dabei Kompromisse bei Funktionalität und Raumangebot einzugehen."

Doch auch hier müsse sich der Designer zurücknehmen, und damit meint er nicht nur sich, sondern sein gesamtes Team von 70 Designern aus 20 Ländern. Das Auto und die Kunden, die dann damit fahren, seien wichtiger: "Für uns hat der Skoda Superb zwei Funktionen: Er soll natürlich in erster Linie den Fahrer glücklich machen, doch er ist auch unser Flaggschiff, das die Marke repräsentiert."

Die Traditionen werden hochgehalten

Während er das sagt, stehen wir vor einem Achtzylinder-Superb aus den frühen 40er-Jahren, dahinter parkt eine Octavia-Limousine der Baureihe 440 aus den 60ern. Einen eigenen Oldtimer habe er nicht, auch da ist Jozef Kaban anders als andere Designer. Was jedoch nicht bedeutet, dass ihm nichts an den Klassikern läge: "Die Geschichte und Tradition der Marke sind wertvoll, es ist sehr wichtig, darüber zu erzählen."

Doch auch darauf legt er Wert: "In meiner Welt gibt es nicht nur Autos, ich interessiere mich für Architektur, für Kunst und viele andere Dinge." Kein typischer Autodesigner, nein, wirklich nicht. Über all das andere sprechen wir nachher im Museumsrestaurant bei exzellentem Gulasch mit böhmischen Knödeln. Nebenan sitzen die Belgier, auch sie essen Gulasch und Knödel.

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