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Skoda-Vorstand Jung

"Skoda go east"

Foto: VW

Skoda-Vorstand Reinhard Jung über Absatzrekorde, neue Autos, und das Radsport-Engagement der tschechischen VW-Tochter.

02.01.2008 Eberhard Kittler

Skoda schließt 2007 mit der Rekordabsatzzahl von 630.000 Fahrzeugen ab. Wann erreichen Sie die Million?
Jung: Vermutlich schon zwischen 2010 und 2012 - natürlich immer in Abhängigkeit von der wirtschaftlichen Gesamtentwicklung.

Für diesen Wachstum brauchen Sie neue Produkte zusätzlich zu den bekannten Baureihen - beispielsweise den neuen Superb, den es künftig zusätzlich auch als Combi geben wird. Welche Stückzahlerwartung haben Sie für den Superb - und welche neuen Autos haben Sie in der Planung?
Jung: Vom Superb werden wir mindestens eine Verdoppelung des Absatzes gegenüber dem heutigen Modell erreichen. Auf diese Zahl können wir aber nur kommen, weil wir neue Märkte erschließen werden. Natürlich haben wir weitere Modelle in der Vorbereitung - beispielsweise den Crossover namens Yeti, den wir 2009 vorstellen werden.

Von welchen Stückzahlen gehen Sie beim Yeti aus? Sind 50.000 zu hoch gegriffen?
Jung: Schauen wir mal - aber so in die Richtung dürfte es gehen.

Ein Minivan würde gleichermaßen gut zur Marke passen - welche Pläne haben Sie für so ein raumorientiertes Konzept?
Jung: Ausschließen möchte ich so etwas nicht, aber das ist momentan noch kein Thema.

Skoda hat sich dafür beworben, künftig im Werk Vrchlabi sowohl den neuen Lupo, als auch das Skoda-Schwestermodell zu bauen. Vorausgesetzt, Sie bekommen den Auftrag - wann kommen diese Autos auf den Markt?
Jung: Wir sprechen vom VW Up, den die Wolfsburger Kollegen in Richtung Serie entwickeln. Wie dieses Auto letztlich aussieht, ist noch völlig offen. Aber wir würden es tatsächlich gern fertigen, zusammen mit einer differenzierten Skoda-Version. Beide wären fuer die europäischen Märkte bestimmt - der Bedarf dafür ist vorhanden. Wann es so weit ist, kann ich noch nicht sagen. Die Zulassungszahlen der Wettbewerber lassen vermuten, dass zwischen 150.000 und 300.000 Einheiten machbar sind.

Und wie steht es um eine Up-Version für neue Märkte wie Russland, Indien oder China?
Jung: Natürlich denken wir im Konzern an solche Autos, aber da sind wir noch ganz am Anfang. Klar ist nur: Wir müssen und werden in diesen Ländern unterhalb von Fabia etwas anbieten. Skoda ist dafür prädestiniert, Angriffe der Wettbewerber von unten auf den Konzern abzuwehren. Momentan arbeiten wir an einer Version des Fabia, die speziell für die Bedürfnisse dieser Länder im Preis gesenkt werden kann. Der Entwicklungsauftrag dafür ist bereits erteilt.

Wird es sich um eine Stufenheck-Version des Fabia handeln?
Jung:  Nein, wir glauben, dass das Platzangebot der Steilheckversion überzeugen wird. Und dann haben wir ja noch den Octavia Tour, der viel besser läuft als je geplant war. Auf bestimmten Märkten wie Russland wird er auch nach 2010 noch im Programm sein.

Sehen Sie noch andere neue Märkte, wollen Sie langfristig nicht doch nach Amerika?
Jung: Wir haben mittlerweile 100 Märkte für uns erschlossen. Da sehen wir keinen Grund, als Marke Skoda unbedingt nach Nordamerika zu gehen. Wenn überhaupt, dann könnte Südamerika ein Thema werden. Dort sind wir momentan erst in fünf Ländern aktiv. Aber generell gilt unser Motto: Skoda Go East!

Skoda ist so erfolgreich, dass VW um seine Kunden bangen muss. Kann das im Sinne des Konzerns und seines neuen Mehrheitaktionärs Porsche sein?
Jung: Wir stehen nicht im Wettbewerb mit VW und streben dies nicht an. Unsere Aufgabe ist es, genau wie auf den neuen Einstiegsmaerkten, das Umfeld unten genau zu analysieren und entsprechend zu reagieren. Dazu gehört natürlich eine entsprechende günstige Einpreisung unserer Autos, um beispielsweise Kia und Hyundai Paroli bieten zu können. Es kommen aber nicht mehr Kunden von VW zu Skoda als umgekehrt.

Wird Porsche Einfluss auf die Modellplanung bei Skoda nehmen?
Jung: Das kann ich mir - schon wegen unserer guten Kapitalrendite - nicht vorstellen.

Sie stocken Ihre Entwicklungskapazitäten auf - werden Sie künftig verstärkt auch für die anderen Konzernmarken arbeiten?
Jung: Wir bauen tatsächlich aus, nächstes Jahr geht unser neues Entwicklungszentrum in Betrieb. Und wir stocken die Zahl der Entwickler von heute 1.100 auf rund 1.500 auf. Aber es geht darum, unsere eigenen Aufgaben zu bewältigen. Dienstleistungen für die anderen Konzernmarken machen unter zehn Prozent der Gesamtkapazität aus.

Skoda investiert viel in sein Image, auch auf sportlichem Gebiet - und hier sowohl aktiv im Motorsport als auch im Sponsoring.
Jung: Ja, wir machen weiter im Motorsport und werden ein neues Rallye-Auto in 2008. Wir unterstützen neben vielen anderen Sportarten vor allem Eishocky und den Radsport - Sport ist die Hauptausrichtung unserer intentionalen Sponsoringaktivitäten.

Aber der Radsport ist ins Gerede gekommen - werden Sie weiterhin als Sponsor bei der Tour de France dabei sein?
Jung: Wir haben soeben einen Vertrag für die nächsten vier Jahre abgeschlossen. Wir glauben an radikale Veränderungen, hinsichtlich Doping, im Radsport und unterstützen die Schritte der Radsportassoziation. Sollte es aber nochmals so eskalieren wie 2007, haben wir in den Vertrag eine sofortige Ausstiegsklausel.

VW ist stolz auf die zahlreichen Kunden, die ihre Fahrzeuge in der Autostadt abholen. Planen Sie so etwas auch in Mlada Boleslav?
Jung: Wir haben heute bereits ein erfolgreiches Kundencenter, in dem Fahrzeuge zur Abholung stehen. Nachdem die Tschechische Republik nun zu den Schengen-Staaten gehört, könnten künftig auch deutsche Kunden, die das Ganze mit einem Besuch in Prag verbinden wollen, ihr Auto bei uns abholen. Warum eigentlich nicht? Eine gute Anregung, die wir prüfen werden.

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