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Skoda

Wittig will Rendite auf 20 Prozent steigern

Foto: VW

Skoda-Chef Detlef Wittig über Rendite, Absatzziele sowie neue Produkte. www.auto-motor-und-sport.de sprach mit ihm am Rande des Automotive News-Kongresses in Prag.

29.06.2007 Harald Hamprecht

Herr Wittig, Sie stehen seit Oktober 2004 als erster Deutscher an der Spitze von Skoda und haben den tschechischen Restrukturierungsfall zur zweit profitabelsten Marke des VW-Konzerns gemausert. Zufrieden?
Wittig: Wenn ich mich jemals mit etwas zufrieden gegeben hätte, wären wir heute nicht dort, wo wir stehen. Und wir werden sicherlich nicht in Selbstgefälligkeit verfallen, sondern uns in allen Bereichen weiter verbessern, denn der Wettbewerbsdruck nimmt ständig zu.

Sehen Sie bei Ihrer Umsatzrendite von 8,5 Prozent noch Luft nach oben - oder sind einem Volumenherstellern wie Skoda damit natürliche Grenzen gesetzt?
Wittig: Die 8,5 Prozent Umsatzrendite wollen wir nachhaltig halten, das heißt keinesfalls darunter fallen. Das ist die größte Aufgabe der nächsten Jahre.

Wann sind die zehn Prozent erreichbar?
Wittig: Das ist von vielen Faktoren abhängig. Wichtiger ist mir aber noch die Kennziffer der Kapitalrendite, das heißt die Verzinsung des eingesetzten Kapitals. Hier konnten wir 2006 den Wert von 17,5 Prozent verbuchen. Und hier wollen wir uns noch deutlich steigern.

Auf welchen Wert?
Wittig: In den nächsten drei Jahren sollten die 20 Prozent drin sein.

Wo sehen Sie noch Möglichkeiten, Ertragspotenziale zu heben?
Wittig: Wir werden weiter an den Kosten arbeiten - vor allem an den Produkt- und Prozesskosten.

Wie stark können Sie sich hier noch verbessern?
Wittig: In den vergangenen drei Jahren verbuchten wir Kostensenkungen von fünf bis zehn Prozent. Das wird zwar nicht auf alle Ewigkeit so weiter gehen können, aber fünf Prozent sehe ich in den kommenden fünf Jahren als Minimal-Leistung an.

Wie sieht’s mit Produktivitätssteigerungen aus?
Wittig: In den vergangenen Jahren konnten wir bis zu zehn Prozent pro Jahr erzielen - bei einem Branchendurchschnitt von vier bis fünf Prozent. Und diese Größenordnung wollen wir zumindest in den kommenden zwei bis drei Jahren beibehalten.

Wie sieht es mit neuen Produkten aus? Noch ist Ihre Portfolio mit nur vier Modelllinien durchaus ausbaufähig.
Wittig: Neben Kostensenkungen streben wir natürlich auch Umsatzsteigerungen an, die sich nur durch zusätzliche Produkte realisieren lassen. Und hier geht es uns keinesfalls nur um Nischenprodukte. Wir haben unsere Hausaufgaben auch im Volumenbereich noch nicht vollständig gemacht.

Konkret?
Wittig: Das größte Volumen erwarte ich von einem Modell unterhalb des Fabia, mit dem wir vor allem in Schwellenländern wie Indien, China und Russland punkten wollen.

Und das nicht mehr als sechs- bis siebentausend Euro kosten soll. Wann dürfen wir mit dem Marktstart rechnen?
Wittig: Noch sind wir in der Projektphase. Und danach braucht man ungefähr drei Jahre.

Das heißt, wir frühestens zum Ende der Dekade damit rechnen?
Wittig: Gehen Sie eher von Anfang kommenden Jahrzehnts aus. In 2009 kommt dafür der kompakte Geländewagen Yeti auf den Markt.

Wird der Joyster, den Sie als Studie im vergangenen September präsentiert haben, auf der gleichen Architektur basieren wie das Schwellenland-Auto?
Wittig: Diese Frage stellen wir uns derzeit auch - und wir haben noch keine endgültige Entscheidung getroffen. Der Joyster ist ein Prototyp eines kostengünstigen Autos für junge Leute unterhalb des Fabia. Allerdings wird es ein völlig unterschiedliches Konzept sein als beim Einstiegsmodell für Schwellenländer, das vor allem viel Raum und eine Limousinen-Karosserie zum niedrigen Preis bieten muss. Wir werden hier im Rahmen eines Konzernbaukastens aber sicher die richtige Lösung finden.

Womit Sie dann über sieben Baureihen verfügen würden. Wie viele werden es mittelfristig sein?
Wittig: Das kann ich Ihnen heute noch nicht sagen. Wichtig ist mir jedenfalls, dass wir weder unsere Händler, noch unsere Kunden mit zu vielen neuen Modellen irritieren. Klarheit im Modellportfolio ist mir ein oberstes Gebot.

Vergangenes Jahr haben Sie 585.000 Skoda verkaufen können. Welche Ziele haben Sie 2007 und mittelfristig?
Wittig: Dieses Jahr werden wir rund 620.000 schaffen, nächstes Jahr sollten es 650.000 und in drei Jahren könnten es 800.000 sein.

Das heißt, den eine Million Einheiten steht bis 2015 nichts im Wege?
Wittig: Das ist eine Zahl, die ich selbst nie genannt habe, und die ich eher als Vision, denn als Ziel bezeichne. Einen Zeitrahmen wollte ich uns dafür nicht setzen.

Der Skoda-Anteil am VW-Konzernabsatz lag 2006 bei rund 15 Prozent. Wird sich die Bedeutung der tschechischen Marke weiter steigern?
Wittig: Das hängt im wesentlichen auch von der weiteren VW und Audi-Performance und vom Markt ab - und daher ist dies Prozent Zahl für mich im Vergleich zu anderen bereits erwähnten Kennziffern eher von nachrangiger Bedeutung. Wichtig ist, dass wir für den Konzern die Speerspitze in Ost- und Zentraleuropa und anderen Schwellenländern bleiben.

Dabei schlagen Sie sich auch im hart umkämpften deutschen Markt beachtlich. Per Mai konnten Sie Ihren Absatz im rückläufigen Markt als eine von wenigen Marken um 7,5 Prozent ausbauen. Wohin geht die Reise hier?
Wittig: Dass Ziel, bundesweit mehr als 100.000 Fahrzeuge zu verkaufen, haben wir bereits erzielt. Unser zweites Ziel, im Gesamtjahr einen Marktanteil von drei Prozent zu verbuchen, werden wir 2005 zum ersten Mal in unserer Geschichte einstellen. Diese Marke wollen wir nicht nur nachhaltig sicher stellen. Ich sehe keinen Grund, warum wir nicht Renault und Toyota in Deutschland überflügeln sollten.

Kommen wir zum Thema Produktion. Derzeit betrieben Sie drei Werke in Tschechien, einen in Indien - und daneben ein Gemeinschaftswerk mit VW im russischen Kaluga. Sind weitere Werke geplant?
Wittig: Nein. Das absorbiert nur weitere nicht vorhandene Management-Ressourcen. Eine Ausnahme könnte der Iran sein. Hier haben wir allerdings Gespräche vorläufig auf Eis gelegt, um auf eine positivere politische Entwicklung zu warten.

Wie sehen Ihre Produktionspläne in China aus?
Wittig: Der Octavia ist im Mai angelaufen, Mitte 2008 wird der Superb folgen. Noch nicht abgesegnet sind weitere Ergänzungen wie der Yeti.

Wie sieht esmit Händlernetz im Reich der Mitte aus?
Wittig:Ende dieses Jahres werden wir unser Netz auf 80 exklusive Stützpunkte ausbauen. Mittelfristig werden es aber rund 150 und bis Ende der Dekade sicherlich noch einige mehr.

Dieses Jahr starten Sie auch Ihre Produktion in Russland. Wie sehen die Anlaufdaten hier aus?
Wittig:Die SKD-, das heißt semi-knocked-down-, Montage unseres Octavia startet noch diesen Oktober. Zusammen mit  dem VW Polo und Jetta werden hier vorerst rund 30.000 SKD Einheiten pro Jahr laufen. Ab Mitte 2009, wenn der neue Karosseriebau und einen eigene Lackiererei aufgebaut sind, startet dann die vollständigen Fertigung von jährlich ca.145.000 VW und Skoda.  Das Verkaufsvolumen wird aber deutlich höher sein, denn zusätzlich zu den 145.000 lokal produzierten Modellen werden wir ein weiteres Drittel importierten.

Und das Händlernetz?
Wittig: Das heutige Netz von Škoda 45 Händlern werden wir bis 2010 auf über 80 Stützpunkte ausbauen. Wir sind hier aber nicht limitiert, sondern lassen das Netz mit dem Absatz wachsen. Eine "Over-dealerization" ist nicht in unserem Sinne.

Kommen wir zum dritten wichtigen Schwellenmarkt Indien.
Wittig: Hier werden wir noch dieses Jahr 20.000 Octavia und Superb produzieren und über unser Netz von derzeit 55 Händlernvertreiben. Zum Jahresende fügen wir in der Produktion den Fabia hinzu. Sollteder zum erhofften Volumensprung auf rund 30 bis 40.000 Einheiten im Jahr führen,werden wir etwa zehn bis 20 Händler ans Netz nehmen.

Wann werden Sie den vierten BRIC-Markt, Brasilien, eintreten - und daneben in den Rest von Süd- und Nordamerika?
Wittig: Hier gibt es keinerlei Pläne.Ichhabe überhaupt kein Problem damit, weiße Flecken auf der Skoda-Landkarte weiß zu lassen - und dafür die anderen Märkte umso konzentrierter auszuschöpfen. 

Was investieren Sie in Ihre Expansionsstrategie?
Wittig: Wir werden wie in den vergangenen Jahren - zwischen 400 und 450 Millionen Euro investieren. Wie sich das auf Produkte und die weltweite Produktion verteilt, wird von Jahr zu Jahr marginal fluktuieren. Da wir derzeit zu hundert Prozent ausgelastet sind, wird der Schwerpunkt vorerst auf neuen Fertigungskapazitäten liegen.

Warum nutzen Sie nicht die unterausgelasteten Kapazitäten der Schwestermarken Volkswagen und Seat?
Wittig: Diese technisch realisierbare Flexibilität käme für uns nur dann in Frage, wenn sie wirtschaftlich sinnvoll ist. Leider habe ich westlich von Tschechien noch keine Produktionsstätte gefunden, in der wir Skodas kostengünstigen produzieren könnten. In Schwellenländern, wie Russland, dagegen, zeigen wir ja schon, dass wir das durchaus können. 

Werden Sie bei Ihrer Wachstumsstrategie auch den Personalbestand aufbauen?
Wittig: Wir haben heute 26.600 Mitarbeiter- und dabei soll es weitgehend bleiben. Unser explizites Ziel ist es, den Volumenzuwachs mit den beschriebenen Produktivitätszuwächsen zu stemmen- und damit jeden bestehenden Arbeitsplatz noch sicherer zu machen.

Kommen wir zum Schluss zu Ihrem Arbeitsplatz. Am 2. Juni haben Sie Ihren 65. Geburtstag gefeiert. Wer wird Ihr Nachfolger?
Wittig: Das kann ich Ihnen nicht sagen.

Haben Sie einen Wunschnachfolger?
Wittig: Denn gibt es in der Tat, aber die Entscheidung, ob er es wird, muss unserer Gesellschafter treffen - die Volkswagen AG. 

Wie gedenken Sie Ihren Ruhestand zu verbringen?
Wittig:  Im Unruhestand.

Als Berater oder Aufsichtsratmitglied im Konzern?
Wittig: Ich bin ein sehr konzernloyaler Mitarbeiter und würde mich dagegen nicht wehren, wenn ich gefragt würde.

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