Nachdem der Volkswagen-Konzern aus Skoda in Europa eine feste Größe gemacht hat, sollen sich zukünftig auch Inder, Russen und Chinesen für die neuen Fahrzeuge der Marke mit dem geflügelten Pfeil entscheiden. Als wichtigsten Gegner hat Skoda-Chef Winfried Vahland Kia und Hyundai ausgemacht. Doch während die Koreaner auf eine breite Palette für die ganze Welt setzen, will Vahland das bestehende Programm nur um Baureihen erweitern, die in den vier anvisierten Märkten den Kundengeschmack treffen.
Kleinstwagen Skoda City ab 2012 in Deutschland
Als erstes neues Fahrzeug ergänzt der rund 3,50 Meter lange Skoda City, ein Ableger des VW Up, Ende 2011 das Portfolio – zunächst aber nur bei den tschechischen Händlern. Deutsche Kunden müssen sich bis Anfang 2012 gedulden. Motorenseitig steht zunächst wohl nur ein kleiner Dreizylinder mit rund 50 PS zur Verfügung.
Der Viersitzer verfügt über einen variablen Innenraum, umlegbare Sitze sollen Platz für sperrigere Ladung bieten. Der Einstiegspreis steht noch nicht endgültig fest, soll nach unseren Informationen aber bei gut 8.000 Euro liegen.
Neues Modell zwischen Fabia und Octavia
Viel Auto fürs Geld – dieses Image will Skoda weiter ausbauen. Vahland drückt es so aus: "Ein Skoda ist nicht billig, aber preiswert." In dieses Raster passt eine komplett neue, zusätzliche Baureihe, welche die Lücke zwischen Fabia und Octavia schließen soll. Diese füllte bislang der seit 1996 nahezu unverändert gebaute erste Octavia unter VW-Regie, der unter der Zusatzbezeichnung Tour von Kunden gekauft wurde, denen ein Fabia zu klein und ein Octavia zu groß und zu teuer war. Dass es das neue, rund 4,50 Meter lange Modell zunächst nur als Stufenheck-Limousine geben wird, ist mit der internationalen Strategie zu erklären. Außerhalb Europas spielt der Kombi eine Nischenrolle, vor allem in China, Osteuropa und Indien hat die Limousine mehr Prestige. Platz genug ist trotzdem da, denn der Kofferraum bietet mehr als 500 Liter Volumen.
Anders als bislang geplant werden wohl auch kleine aufgeladene TSI-Triebwerke und Common-Rail-Diesel angeboten. Im Gespräch sind allerdings nur Motoren mit einer Leistung ab 100 PS. Dafür soll das Auto hierzulande nur zwischen 13.000 und 15.000 Euro kosten.
Um die Kompakt-Limousine preislich so attraktiv zu positionieren, greifen die Skoda-Ingenieure auf eine verlängerte Fabia-Plattform zurück, wie sie in ähnlicher Form beim Roomster zum Einsatz kommt.
Neuer Octavia basiert auf Golf VII
Der nächste Octavia basiert hingegen erneut auf dem VW Golf – diesmal auf der siebten Generation. Damit verbreitert sich die Spur um sechs Zentimeter, der Radstand wächst um vier. Dimensionen und Platzangebot werden sich aber nur geringfügig ändern.
Auch die Karosserievarianten bleiben gleich: Geplant sind eine coupéhaft gezeichnete Limousine sowie ein Kombi, die beide 2013 auf den Markt kommen sollen. Voraussichtlich wird es wieder eine sportliche RS-Version sowie eine Offroad-Variante mit Allradantrieb geben.
Skoda verzichtet auf Schnickschnack
Optisch übernimmt der Octavia die neue Designsprache der Marke, die im März 2011 auf dem Genfer Autosalon mit der Studie VisionD vorgestellt wurde. Wichtigste Kennzeichen sind schärfere Kanten und klare Linien. Den etwas größeren Kühlergrill ziert eine die Motorhaube verlängernde Nase mit dem neuen Skoda-Logo. Das Emblem verzichtet künftig auf den Markennamen sowie die Farbe Grün. Stattdessen prangt der geflügelte Pfeil in Chrom auf schwarzem Grund.
Überhaupt haben die Tschechen mit Schnickschnack nichts am Hut. Das mittlerweile bei neuen Modellen vorgeschriebene Tagfahrlicht wird nicht mit aufwendigen LED-Lichterketten gestaltet, sondern in die Scheinwerfer integriert.
Motorenseitig beschränkt man sich auf Effizienzsteigerungen bekannter Triebwerke aus dem VW-Konzern, ein Hybrid-Antrieb ist nicht in Planung. Neben dem 1.4 TSI und dem 1.6 TDI mit Common-Rail-Einspritzung wird Skoda auch kleinere aufgeladene Motoren sowie eine Greenline-Version mit unter 100 g CO2/km ins Programm aufnehmen.
Darüber hinaus bekommt der Octavia bekannte Technik wie Start-Stopp-System und Einparkassistent sowie zusätzliche Features wie etwa Abstandsregeltempomat. Ein attraktives Gesamtpaket, das auch bei Indern, Chinesen und Russen Anklang finden dürfte.
Cabrio immer noch auf der Wunschliste
Ein Skoda Fabia Cabrio und ein Van auf VW Touran-Basis stehen bislang nur auf der Wunschliste. Beim Van hat man die Kosten noch nicht zufriedenstellend im Griff, und für ein kleines Cabrio gibt es außerhalb Europas keine nennenswerte Nachfrage. "Da kommen wir nicht auf eine ausreichend große Stückzahl", heißt es bei Skoda. Dabei kann die Marke durchaus eine Cabrio-Tradition vorweisen, und die technische Basis stünde mit dem künftigen Audi A1 Cabrio bereit. Doch darin besteht auch das Problem. Denn wenn Volkswagen eines nicht zulassen wird, dann das Wildern von Skoda in den Revieren von Audi und VW.
Wachstum in neuen MärktenSkoda-Chef Winfried Vahland will mit der Modelloffensive den Absatz seiner Marke bis 2018 verdoppeln. Die Millionengrenze soll bereits "in den kommenden zwei bis drei Jahren" geknackt werden. Die Pläne decken sich mit den Erwartungen der Marktbeobachter von IHS Automotive, die ab 2013 für Skoda einen Absatz von über einer Million Autos prognostizieren. Das Wachstum soll vor allem durch Mehrverkäufe in China, Russland und Indien, aber auch in Europa zustande kommen. IHS sieht das größte Potenzial in China. Schon jetzt ist das Land der wichtigste Absatzmarkt für Skoda.






