Smart & AMG: VIP-Verkäufer in Beverly Hills

Bis Anfang 2008 war Vinnie Mandzak als Chefverkäufer bei Mercedes-Benz of Beverly Hills für die Luxuskarossen der Schönen und Reichen verantwortlich. Jetzt verkauft er den VIPs coole Smarts.

Vinnie Mandzak kennt in Beverly Hills fast jeder - zumindest wenn er sich für deutsche Luxuskarossen begeistert. Und das sind zwischen Santa Monica Boulevard und dem legendären Mullholland Drive fast alle. 

Jahrelang gab es für den grauhaarigen Beau und passierten Magier nur eine Aufgabe: Der Stuttgarter Mercedes-Benz-Firmenzentrale so viele Luxuskarossen wie möglich aus den Rippen zu leiern. SL 65 AMG, S 63 AMG, S 550 und Mercedes SLR sind in Beverly Hills so gefragt wie kaum irgend anders auf der Welt. Vinnie verkaufte was das mobile Edelgeschmeide am laufenden Band und die Promis liebten ihn.

Wenn Sandra Bullock einen Benz sucht

Für seine Kontakte, seine Autos und die persönliche Betreuung. Wenn Sandra Bullock oder Pierce Brosnan einen neuen Benz suchen, ist er der richtige Mann. "Wenn ich dazu kam, verkaufte ich pro Monat rund 25 bis 30 Autos", erzählt Vinnie, "jeder dritte Wagen davon war ein AMG."

Miles per Gallon statt Horse Power

Gerne erzählt er nach wie vor von den Motorradtouren mit Gouverneur Arnold Schwarzenegger und dass die Ausritte auf der Honda Gold Wing seit dessen Unfall seltener geworden sind. Doch insbesondere durch die Finanzkrise in den USA hat sich innerhalb des letzten Jahres viel geändert. Seit Anfang des Jahres ist Vinnie Mandzak der Smart-Mann in Beverly Hills. Miles per Gallone statt allein Horse Power and AMG. In dem westlichen Teil des Gebäudes, dort wo einst die glamourösen Maybach-Modelle standen, hat sich seit einem dreiviertel Jahr die Marke Smart breit gemacht. Maybach und SLR sind auf dem Weg in den smarten Verkaufsraum nicht mehr als Nebendarsteller. Stattdessen gibt es in den finanzkräftigen Hallen peppige Farben mit viel gelb und weiß, dazu fünf bunte Smarts mit breiten Pellen und exklusiver Komplettausstattung.

Einige haben sich verzockt und können sich keinen AMG leisten

"Die Unsicherheit der Kunden ist riesengroß. Viele Firmen kaufen sich erst einmal keine neuen Autos und warten die Trends an den Finanzmärkten ab", erzählt Vinnie Mandzak, "das trifft hier alle. Einige haben sich auch verzockt und können sich eine AMG S-Klasse für 150.000 Dollar auch nicht mehr erlauben." Aber, so schränkt er ein, seien das die wenigsten. "Doch der Smart ist derzeit genau richtig. Die Leute lieben ihn und finden ihn einfach cool und praktisch", erzählt Vinnie, während er in eines der rot-schwarz lackierten Ausstellungsstücke steigt. Wenn dem Smart Fortwo derzeit überhaupt etwas zu schaffen macht, ist es der unglaublich günstige Benzinpreis. Vor einem halben Jahr kostete die Gallone (3,8 Liter) Super in Kalifornien noch fast fünf Dollar. Mittlerweile bezahlt der Kunde an der Zapfsäule gerade einmal die Hälfte. Kaum ein Grund, sich einen sparsamen Wagen zu kaufen.

559 Smart verkauft

"Doch für viele ist es allein das Statement, was zählt", so Vinnie Mandzak, "in diesem Jahr haben wir bei Mercedes-Benz of Beverly Hills bisher 559 Smart Fortwo verkauft. Im gleichen Zeitraum waren es knapp 2.200 Mercedes-Modelle. Gerade S, SL und die C-Klasse laufen gut." Dabei ist es natürlich nicht so, dass sich die Promis in den Bergen nördlich von Los Angeles allein mit einem Winzling wie dem Smart Fortwo begnügen würden. "Die Leute haben natürlich nach wie vor mehrere ihrer PS-starken Autos und so verkauft man einem Smart auch öfter einmal zusammen mit einem SL oder einem CLS - bevorzugt als AMG."

Die Leute wollen Customized-Smarts

Mit einem müden Smart von der Stange kann man in Beverly Hills oder Downtown L.A. jedoch keinen Kunden hinter dem Ofen hervorlocken. "Die Leute wollen echte Customized-Cars mit extravaganter Lackierung, individueller Lederausstattung, breiten Reifen und anderen Sound", so der grauhaarige Autoverkäufer, "wir bräuchten für unsere Kunden zudem dringend mehr Leistung für dem Smart. Über 100 PS müssten schon sein - oder zumindest die Brabus-Version von Bodo Buschmann."

Smart so trendig wie ein iPod

In den USA wird der Smart Fortwo bisher nur mit einem 71 PS starken Benziner angeboten. Die Brabus-Variante gibt es ab Ende des Jahres nur mit einem sportlich-extravaganten Karosserie-Kit. Daher lassen viele Kunden ihren trendigen Winzling tunen. So wie der Fortwo, den Mandzak als eigenes Dienstfahrzeug bewegt. Der coole Zweisitzer in schwarz-grüner Karo-Lackierung hat nicht nur eine 6.000 Dollar teure Soundanlage und Fledermaustüren, sondern auch speziell angefertigte Ledersitze und alle erdenklichen Extras, die das Leben in Los Angeles angenehmer machen. Neben dem Kennzeichen "SMRT4U" am Heck dreht sich aus Gag ein überdimensionaler Aufziehschlüssel. Ganz nebenbei schafft Vinnie’s Power-Smart rund 200 km/h Spitze und macht Krach wie ein ganz großer.

Trotzdem halten viele Passanten auf der Straße die Smart-Modelle für Elektroautos. Seit Marktstart im Januar hat Mercedes in ganz Kalifornien rund 2.500 Fahrzeuge verkauft; in ganz Amerika sind es mehr als 20.000. Während BMW in Kalifornien gerade eine 150 kW starke Elektroversion des Mini E präsentierte, sind die besonders sparsamen Diesel- oder gar Elektro-Smarts für Kalifornien erst einmal kein Thema. Vinnie Mandzak: "Wie beim Toyota Prius geht es den Leuten nicht um dem Verbrauch, sondern darum aufzufallen. Zudem ist der Smart so trendig wie ein neuer iPod." So ist es dann auch keine Überraschung, das viele der Smarts zwischen 25.000 und 30.000 Dollar kosten. Und eines hat sich ebenfalls nicht geändert. Mit Wartezeiten muss Starverkäufer Vinnie seinen treuen Kunden - egal ob Mercedes SL 63 AMG, Smart Fortwo oder Maybach 57 S - gar nicht kommen. "Sie wollen ihr Auto sofort - und wer fragt bekommt das bei mir eben - auch einen Smart", erzählt Vinnie mit einem Lachen.

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Stefan Grundhoff; press-inform

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