Jetzt auch für: iPhone, iPad, Android und Windows
Marken
Themen
Artikel
Videos
Baureihen
Alle Treffer mit anzeigen

Smart car2go

Hayeks Vermächtnis

Foto: Mercedes 26 Bilder

Wenn Mercedes mit dem Projekt car2go ein neues Mobilitätskonzept auf die Räder stellt, wird dies im Züricher Büro von Nicolas Hayek mit später Genugtuung zur Kenntnis genommen worden sein. Car2go lässt die Idee des Swatch-Autos wieder aufleben.

21.10.2008

Manche Ideen brauchen eben etwas Zeit, um sich durchzusetzen. Das wird sich auch der Schweizer Unternehmer Nicolas Hayek in diesen Tagen denken, wenn ihm die Nachricht vom neuen Mercedes-Konzept car2go zu Ohren kommt. Denn wenn in Ulm ab Ende des Monats rund 500 Daimler-Mitarbeiter die Möglichkeit haben, das Carsharing-Engagement von Mercedes zu testen, so ist dies nur eine konsequente Weiterführung der ehemaligen Hayek-Idee. "Der Abschied vom Statusdenken war eine Zutat im Erfolgsrezept von Swatch, und diese Idee hatten wir damals auch schon für den Smart, leider ein paar Jahre zu früh", so Smart-Erfinder Nicolas Hayek heute.

Modellversuch in Ulm

Auch innerhalb der Mercedes Car Group waren die Vorbehalte groß, ob man ein Projekt, in dem Fahrzeuge ähnlich den silber-roten Call-a-Bike-Fahrrädern an jeder Straßenecke gemietet werden können, auf die Rampe schieben kann. Passt das überhaupt zu einem Automobilkonzern wie Mercedes-Benz oder gräbt man sich damit eigene Kunden ab? Letztlich klopften ein paar internationale Großstädte an, um sich über das Cityprojekt zu informieren und beschleunigten die positive Entscheidung. Auf der anderen Seite bekommt man einen netten Nebeneffekt: Schlägt car2go zunächst im Ulmer Modellversuch ein und geht dann auf (internationale) Städtetour, so bedeutet dies Rückenwind, Präsenz und wohl auch nennenswerte Mehrverkäufe für die Marke Smart. Denn auch wenn es im Hause Smart nach zehn Jahren Produktionszeit im Werk Hambach und mehr als einer Million produzierter Cityflitzer nunmehr besser läuft - ein Erfolg ist die ehemalige Idee von Johann Tomforde und Nicolas Hayek noch lange nicht. Mehr Geld wurde nur durch die Liason mit Chrysler verbrannt.

Chipkarte und los geht es

Doch es scheint aufwärts zu gehen mit dem Smart. Zahlreiche Cityprojekte sind europaweit im Gespräch. Car2go mit Startpunkt in Ulm könnte dabei zum Pioniermodell werden. Zunächst werden es hier 50 Smarts sein, die an zentralen Plätzen in der Innenstadt bereit stehen. Einfach den mit einem Sensor versehenen Führerschein an die Windschutzscheibe halten, einsteigen und losfahren. Dass man den car2go-Smart überall im Stadtgebiet wieder abstellen kann, wird für das Organisationsteam spätestens dann zum Problem, wenn man im Frühjahr auf 200 Miet-Smarts aufstockt und allen Ulmer Bürgern die Nutzung erlaubt. Ganz so hatte sich Nicolas Hayek das Alt-Projekt des Swatch-Mobils nicht vorgestellt. Doch die Parallelen zum Swatch-Projekt des Schweizer Visionärs sind überdeutlich. Kleine, bunte Zweisitzer für die Innenstadt - mobil sein unter dem Motto: ein Auto, zwei Personen, eine Kiste Bier. Für längere Strecken gibt es die Bahn oder größere Zweitwagen. Mercedes geht beim car2go-Projekt noch eine Stufe weiter und gibt die Cityflitzer dem Carsharing-Modell nach zur öffentlichen Nutzung frei. Das eigene Auto sollen sich viele Bürger zumindest in überfüllten Großstädten sparen können.

Konsequent wird das Projekt jedoch nur, wenn man auf Elektro- oder zumindest Hybrid-Smarts setzt. Die erste Generation der car2go-Smarts wird jedoch von einem sparsamen Dieselmotor angetrieben. "Schließlich haben wir vom ersten Tag an auf Elektroautos gesetzt", so Hayek, "jetzt läuft das Projekt wieder nur - hoffentlich nur vorläufig - mit konventionellen Verbrennern." Doch nach Ansicht von Projektleiter Robert Henrich soll der Smart Fortwo CDI nur der erste Schritt sein: "Natürlich eignet sich unser Projekt car2go hervorragend für den Einsatz neuer Antriebskonzepte, wie z. B. den Elektroantrieb. Wir haben uns im Rahmen des Pilotprojekts in Ulm für den Smart Fortwo CDI entschieden - denn er ist von allen heute erhältlichen Fahrzeugen das mit dem niedrigsten Verbrauch." Mit dem car2go-Projekt macht der Cityflitzer seinem Namen Smart - als Kurzzeichen der Worte S-watch, M-ercedes und Art alle Ehre. Das weiß auch Swatch-Kreateur Nicolas Hayek zu würdigen: "Dann ist der Smart endlich dort, wo wir ihn schon von Anfang an gesehen haben: an jeder Straßenecke. Bravo Zetsche - mieux vaut tard que jamais!" Denn besser 2008 als nie.

Ur-Smart war kleiner Mercedes

Auch Johann Tomforde, Ideengeber im Hause Mercedes-Benz dürfte die jüngsten Entwicklungen bei den Stuttgarter Autobauern mit einem Kopfnicken begleiten. Tomforde als Zögling der renommierten Pforzheimer Designschule hatte den Ur-Smart noch mit einem Stern auf der Haube bei Mercedes entwickelt. Der gerade einmal 2,50 Meter lange Zweisitzer wurde Anfang der 80er Jahre erstmals vorgestellt, verfügte über große Schiebetüren und viel Platz auf kleinstem Raum. Die realen Vorläufer des Smart stammen aus dem Mercedes-Designcenter in Irvine, südlich von Los Angeles. Unter der Führung von Tomforde war im Jahre 1993 schließlich das Winzlings-Doppel Mercedes Eco Sprinter und der offene Eco Speedster entstanden, die fusioniert mit der Hayek-Idee im späteren Smart Fortwo zusammenliefen, der 1998 vorgestellt wurde.

Kalifornische Wurzeln

"Wir haben unsere Arbeit hier im Mercedes-Designstudio im Jahre 1991 aufgenommen", erzählt Benjamin Dimson, Chef-Designer im Advanced Design Center in Irvine, "unser erstes Projekt war der Vorläufer des Smart." Abseits des etablierten Mercedes-Designcenters in Sindelfingen sollten Entwickler frei sein für neue Ideen. Die gab es am einfachsten in Kalifornien. Was heraus kam, kann sich gerade mit Blick auf die heutige Zeit und mittelbare Umsetzungsprojekte wie car2go in Ulm sehen lassen: Das Konzept des praktischen Zweisitzers mit kompakten Abmessungen, Platz für zwei Personen, wenig Kofferraum und der Möglichkeit, quer parken zu können, wurden zukunftsweisend und sehenswert mit dem schwarzen Eco Sprinter umgesetzt. Der ebenfalls in Irvine entwickelte gelbe Zwillingsbruder Mercedes Eco Sprinter trug kalifornisches Lebensgefühl in sich; ließ er sich durch Demontage der beiden Dachhälften zum Kleinwagen-Cabriolet umbauen. Darauf kann man auch im Frühjahr 2009 hoffen, wenn die Smart-Flotte aufgestockt werden soll. Denn mit Smart Fortwo Cabriolets hätte das car2go-Projekt vielleicht noch sonnigere Erfolgsaussichten.


Mehr über:
Smart| Smart Fortwo

Kommentar schreiben

Es ist noch kein Kommentar vorhanden. Seien Sie der Erste und sagen Sie und Ihre Meinung.

Neues Heft
Empfehlungen aus dem Netzwerk
Gebrauchtwagen Angebote
Whatsapp
Immer auf dem neuesten Stand mit unserem WhatsApp-NewsletterJetzt kostenlos anmelden
Autokredit berechnen
Anzeige