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Smart

Die Rettung der Vergangenheit

Foto: Foto: Reinhard Schmid 14 Bilder

Ob die kultige Kleinwagenmarke Smart eine Zukunft haben wird, entscheidet sich mit dem neuen Fortwo, der am Donnerstag (9.11) im Parkhaus eines Stuttgarter Kaufhauses enthüllt wird; wenigstens ist nun aber die Vergangenheit der kleinen Marke gesichert.

07.11.2006

Dem Engagement einiger Mitarbeiter ist zu verdanken, dass wichtige Smart-Prototypen nicht in der Schrottpresse landeten.

Das Parkhaus auf dem Areal des Smart-Hauptquartiers sieht aus wie Parkhäuser nun mal aussehen. Schlicht, schmucklos, funktional. Es ist kalt und zieht und ist vollgestellt mit allen möglichen Varianten des Autowinzlings: Smart in der Feuerwehrausführung, Smart als Flughafenmobil, Smart in Polizeiuniform. Es parken Mitarbeiter hier. Aber nicht auf der vierten Etage. Die ist so etwas wie eine Sperrzone. Versammelt ist hier in einem Teilbereich auf etwa 400 Quadratmetern die junge Geschichte der kleinen Marke, die für so großen Gesprächsstoff sorgt in der Autowelt. Hinter eine Pfeiler spitzt das Gerippe eines Kleinstwagens hervor, so einer Art Golf-Caddy ohne Motorabdeckung. Nur wenn man es weiß, erkennt man in dem Autofragment ein Konzeptfahrzeug, mit dem 1994 erste Versuche zum Fahrverhalten des von einem Heckmotor getriebenen Smart angestellt wurde, gegenüber leuchtet gelb im dusteren Licht des Parkdecks ein eindeutig als Smart identifizierbares Gefährt.

Es ist ein ziemlicher Zufall, dass das Auto noch existiert: 1996 war es im Rahmen der olympischen Spiele in Atlanta präsentiert worden. Als Vorhut, wie wohl die Amerikaner auf ein Fahrzeug reagieren würden, von dem man befürchten musste, dass des durch die Kühlerschlitze der großen Ami-SUV aufgeschnupft werden könnte. Dabei wäre das Autochen beinahe einer Bombe zum Opfer gefallen, die arabische Attentäter unweit des Ausstellungsortes zündeten.

Fast den Controllern zum Opfer gefallen

Allerdings ist es bei fast allen der hier versammelten Smart-Prototypen ein Zufall, dass sie noch existieren. Ihre Feinde saßen aber nicht im Lager arabischer Fundamentalisten, sondern in den Reihen der Konzern-Controller. Als 2005 das ganze Ausmaß des finanziellen Debakels offenbar wurde, das Smart seiner Konzernmutter Daimler-Chrysler eingehandelt hatte, wurde die ganz dicke Sparkeule geschwungen. Alles was Kosten verursachte, kam auf den großen Prüfstand. Dabei war man drauf gekommen, dass der Fuhrpark und die daran hängenden Folgekosten viel zu hoch waren. Also, Kosten runter, Autos weg. So weit, so normal für ein Unternehmen unter hohem Spardruck. Wohin aber mit den Fahrzeugen, unter ihnen viele Prototypen und für die Marke Smart einzigartige Modelle? "Wahrscheinlich wären die meisten verschrottet worden“, sagt ein hochrangiger Mercedes-Mann.

Das es nicht so weit kam, war dem Engagement einer Handvoll Mitarbeiter zu danken, unter ihnen Reiner Imdahl, Leiter der Entwicklungsabteilung, Fuhrparkchef Klaus Koerver und Andreas Wölke aus der Entwicklungsabteilung. Wölke, der am liebsten aus seinem Einsatz für die Marke überhaupt kein Aufheben machen würde, räumt ein, dass für ihn Smart weit mehr ist, als nur ein Arbeitgeber. Und so hatte er schon einige Zeit vor der großen Krise und mit dem Segen seiner Chefs damit begonnen, in seiner Freizeit Standplätze von Protoypen zu eruieren, diese zu katalogisieren und ihre Geschichte aufzuschreiben. Schließlich wurden die Fahrzeuge am Standort in Böblingen untergebracht, Parkhaus, Deck vier. Versammelt sind dort etwa 90 Autos, darunter 60 Fortwo.

Der "großartige Einsatz“ der Mitarbeiter hat dann auch Pressechef Heinz Gottwick bewogen, sich intensiv um das Thema zu kümmern. Er erarbeitete eine Art Nutzungs- und Bewahrungskonzept. Dazu wurden die Smarties nach ihrer Bedeutung für die Marke eingestuft. Inzwischen wurden 22 Modelle offiziell in den Museumsbestand aufgenommen, etwa weitere 30 Modelle sollen als Leihgaben für Museen zur Verfügung gestellt werden, was mit den restlichen passiert ist noch ungewiß. "Natürlich“, sagt Gottwick, "ist der erste Rechtslenker-Smart nichts für das Museum“, aber vielleicht finde sich ja ein Interessent für eine Ausstellung als Leihgabe oder eine Schule. Ein Smart wurde inzwischen an die Stadt Böblingen vermittelt. Interessenten können sich übrigens gerne an Smart wenden.

Museen als neue Heimat gesucht

Versammelt ist so im Schummer-Licht der Parkgarage alles, was für Smart wichtig war und ist: Das Ur-Swatch-Mobil von Nicolas Hayek, das er noch zusammen mit VW realisieren wollte, die berühmte "Weihnachtskugel!“, jener Smart, der für den Pariser Automobilsalon im Gedenken an den Sonnenkönig mit Blattgold belegt und Samtbrokat ausstaffiert wurde. Da sind die Spielereien mit Form und Farbe der frühen Modelle, die lebhaft von der Inspiration erzählen, mit der bei Smart am Auto der Zukunft gewerkelt wurde.

Aber damit ist es erst einmal vorbei. Eingestellt wurden Smart Forfour und Roadster, von den vielen Farben des Fortwo sind im Alltag fast nur schwarz und silber geblieben. Die Marke ist mit dem neuen Fortwo zurück geworfen auf ihren Kern. Wirtschafts-Prosa zählt für die zweite Generation, nicht Auto-Poesie. Aber vielleicht gelingt mit ihm und dem Markteintritt in den USA 2008 tatsächlich auch die wirtschaftliche Wende für die kultige Kiste. Man kann sich danach dann ja im Parkhaus, Ebene 4, nach Ideen für die Zukunft umschauen.

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