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Smart US-Absatz

Harte Zeiten für Smart in den USA

Smart Fortwo in USA Foto: Grundhoff 13 Bilder

Wie Phönix aus der Asche ist Smart vor zwei Jahren in den USA gestartet. Doch nach 24.000 verkauften Fahrzeugen im Premierenjahr fuhr der Mercedes-Ableger 2009 mit Vollgas ins Abseits. Jetzt geht es fast bei null wieder los.

11.06.2010

"Wir haben im Monat Mai in den USA 695 Smarts verkauft", erklärt Smart-Markenchef Marc Langenbrinck, "das ist natürlich viel zu wenig. Zwar steigern wir uns langsam von Monat zu Monat, aber nur auf niedrigem Niveau." Wie auch andere Hersteller hat die Autokrise Smart in den Vereinigten Staaten voll erwischt.

Smart startete 2008 in den USA erfolgreich

In 2008 wie eine Rakete gestartet, schien der geneigte Pick-Up- und Limousinenmarkt zumindest in den großen Zentren bereit für eine neue Form des Automobils – den kleinen Smart Fortwo. Mit überschaubarem Aufwand hatte die Daimler AG zusammen mit dem nationalen Distributor Roger Penske getrommelt, aus dem Stand getreue Händler aquiriert und 24.000 Fahrzeuge verkauft. Stuttgart jubelte.

2009 dann der jähe Absturz – gerade einmal 15.000 Fahrzeuge verließen im Krisenjahr der amerikanischen Wirtschaft die arg gebeutelten Autohäuser zwischen New York, Miami, Seattle und San Diego. "Als Smart hier in den USA startete, kostete die Gallone Benzin 4,50 Dollar", erläutert die amerikanische Smart-Chefin Jill Lajdziak, "doch die Krise hat den amerikanischen Automarkt besonders hart getroffen. Viele Leute haben weniger Geld und die, die Geld haben, geben es nicht aus. Sie stecken die Hände lieber in die eigenen Taschen."

Noch 2008er Modelle auf Lager

Präsidentin Lajdziak musste in diesem Jahr erst einmal Altlasten abarbeiten. "Als ich Anfang des Jahres anfing, hatte ich sogar noch 2008er-Modelle im Bestand und es kamen immer mehr Fahrzeuge aus Europa nach. Nach dem Sommer kommen bereits die neuen Fahrzeuge aus dem Modelljahr 2011. Da gibt es viel zu tun", hofft Lajdziak auf bessere Zeiten. Jill Lajdziak weiß, wovon sie redet. Sie gilt als Urgestein in der amerikanischen Autowirtschaft, baute die GM-Marke Saturn von Anfang an mit auf und sah sie im vergangenen Jahr als Chefin untergehen. Roger Penske holte sie Anfang 2010 in sein Team, um die müden Smart-Verkäufe auf Vordermann zu bringen. Nicht nur innerhalb der amerikanischen Landesgrenzen wurden die Rufe lauter, dass Verkaufsprofi Penske nicht genug unternehme, um Smart nachhaltig in die Köpfe der zurückhaltenden Autokäufer zu bringen. Seit einem halben Jahr trommelt und recherchiert die amerikanische Smart-Führung engagierter denn je. Der Druck aus Stuttgart wird zunehmend größer und nicht nur Jill Lajdziak weiß, dass "nicht einmal zehn verkaufte Smarts pro Monat und Händler einfach zu wenig sind."

Öko-Autos liegen im Trend - Sprit sparen ist Nebensache

Doch die Trauben hängen hoch und die Situation hat sich in den letzten Monaten kaum gebessert. Öko-Autos liegen gerade in Saubermann-Staaten wie Kalifornien voll im Trend. Doch die Marke Smart profitiert davon einfach nicht. Die Kraftstoffpreise liegen im Land der unbegrenzten Möglichkeiten zumeist unter drei Dollar pro Gallone (3,8 Liter). Das Thema Kraftstoffersparnis steht daher bei den meisten Amerikanern hinten an. Neue Werbekampagnen und eine Erhöhung des mehr als dürftigen Marketingbudgets sollen dafür sorgen, dass Smart in den USA wieder auf die Beine kommt. Selbst 20.000 Fahrzeuge pro Jahr dürften mittelfristig jedoch deutlich zu wenig sein. Damit das Projekt läuft, kalkuliert die Daimler-Führung intern mit mindestens 30.000 Fahrzeugen. "Natürlich sind wie über die groß angelegte Kooperation mit Renault-Nissan sehr froh", sagt Jill Lajdziak, "wir brauchen hier in den USA weitere Smart-Modelle; insbesondere solche mit mehr als zwei Sitzplätzen. Dann können wir völlig andere Kundengruppen ansprechen."

Große Hoffnungen ruhen auf dem neuen Fortwo und dem kommenden Forfour

Doch die nächsten dreieinhalb Jahre werden für alle Beteiligten nicht leicht. In diesem Sommer folgt für die aktuelle Generation des Smart Fortwo eine dezente Modellpflege. Die ist jedoch so dünn, dass die Kunden weder in Europa noch in die USA in die smarten Verkaufsräume stürzen dürften. Große Schritte in die richtige Richtung dürfte es so frühestens Ende 2013 geben, wenn die neuen Modelle Fortwo und Forfour vorgestellt werden. Damit die Verkaufszahlen in den USA wieder auf das Niveau von 2008 kommen, hat sich Penske daher alter Tugenden besonnen. Die groß angelegten Werbeaktionen, bei der Trucks mit Werbeteams zum Beispiel Einkaufszentren besuchten und mit Probefahrten für die smarten Zweisitzer trommelten, soll wieder aufgelegt werden. "Zudem wird es landesweit in großen Städten drei Teams mit jeweils vier bis fünf Personen und Autos geben, die die Kunden direkt ansprechen", so Jill Lajdziak weiter. Doch allein in Megacities wie New York oder Los Angeles bräuchte man an einem einzigen Wochenende ganze Hundertschaften, um werbewirksam für die Smart-Idee zu trommeln. Mit einer handvoll Leute besteht die Gefahr, dass die Werbeaktion zu einer Lachnummer verkommt.

E-Smarts sollen zusätzlichen Rückenwind bringen

Zusätzlichen Rückenwind soll eine erste Flotte von 250 Elektro-Smarts bringen, die ab Sommer in die USA geliefert werden. "Hier ist wichtig, dass die Fahrzeuge in den großen zehn, zwölf Zentren sichtbar wahrgenommen werden", setzt Smart-Chef Marc Langenbrinck auf eine Sogwirkung für die gesamte Marke.
 
Jill Lajdziak: "Das Problem ist jedoch nach wie vor, dass die Leute kein Geld für Autos ausgeben. Ein Smart ist in den meisten Haushalten das Auto Nummer drei oder vier." Nach Aussagen von Smart USA würde es helfen, wenn der kleine Hersteller aus Hambach kein Einzelkämpfer auf dem amerikanischen Markt bleiben würde. Nach wie vor gibt es keinen anderen Hersteller, der hier Microcars anbietet – weder Scion noch Mini. Wenn man der einzige ist, hat man es bekanntlich besonders schwer. Zudem stößt der geringe finanzielle Marketingaufwand, mit dem der nationale Distributor Roger Penske um Kunden wirbt, auch in der Daimler-Firmenzentrale immer unangenehmer auf. Zumindest sind die wenigen weißen Flecken im amerikanischen Händlernetz in den letzten Monaten geschlossen worden. Jüngst wurde in Hawaii Smart-Standort Nummer 78 eröffnet. Damit ist die Automarke, die 1998 in Europa startete, in den relevanten Regionen der großen Städte vertreten.

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