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Zetsche zieht Reißleine

Foto: Smart

Daimler-Chrysler-Chef Dieter Zetsche hat bei seinem Sorgenkind Smart die Reißleine gezogen. Um die Milliardenverluste bei der Kleinwagensparte zu stoppen, trennt sich der Autobauer von seinem Viersitzer Forfour.

27.03.2006

Rund 300 Stellen am Standort Böblingen sollen durch den Strategiewechsel wegfallen, teilte der Stuttgarter Autokonzern am Samstag (25.3.) mit. Die Kosten für den Schritt wurden auf rund eine Milliarde Euro beziffert. Im Gegenzug soll der Zweisitzer Smart Fortwo vollständig in die Mercedes-Organisation integriert und das Modell fester Bestandteil des Produktportfolios von Daimler-Chrysler werden. Mit dem zweiten milliardenschweren Sanierungsprogramm will das Unternehmen dem Ziel einen großen Schritt näher kommen, die defizitäre Kleinwagenmarke 2007 erstmals in die schwarzen Zahlen zu bringen. Vorstand und Aufsichtsrat müssen den Plänen noch zustimmen. Das Auto wird gemeinsam mit Mitsubishi in den Niederlanden gebaut.

Der Automobilwissenschaftler Ferdinand Dudenhöffer nannte die Entscheidung zwar überraschend, aber konsequent. "Der Viersitzer hatte keine Zukunft", sagte er. Die Integration in die Mercedes Car Group sei richtig, denn sie passe von der Kosten- wie auch von der Händlerseite. "Dadurch wird auch vieles vereinfacht", meinte der Wissenschaftler von der Fachhochschule Gelsenkirchen. Die Einführung des neuen Zweisitzermodells in den USA sei nun unabdingbar, sonst komme smart nicht auf die notwendigen Stückzahlen. Nach bisherigen Plänen soll das Auto 2007 auf den US-Markt kommen.

Daimler-Chrysler hatte bereits im Frühjahr 2005 Smart ein 1,1 Milliarden Euro teures Sanierungsprogramm verordnet, um die hohen Verluste auszugleichen. Jede dritte Stelle wurde abgebaut, wichtige Funktionen wie der Vertrieb stärker in die Mercedes-Gruppe integriert. Erst im Februar hatte Smart den angekündigten Abbau von 600 der 1.350 Stellen als nahezu vollzogen gemeldet. Nach den neuen Stellenstreichungen würde es noch 450 Stellen bei der 1998 eingeführten Marke geben.

Daimler-Chrysler-Betriebsratschef Erich Klemm forderte unterdessen, dass bei dem geplanten Personalabbau die gleichen Regeln gelten sollten wie bei den Stellenstreichungen in der Mercedes Car Group. In der "Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung" sagte Klemm: "Die Betroffenen bei Smart müssen gleich hohe Abfindungsangebote erhalten wie in den anderen Bereichen des Konzerns."

2005 verkaufte Smart weltweit 143.000 Fahrzeuge. Im Februar war der Absatz der Kleinwagenmarke um 25,9 Prozent auf 7700 Fahrzeuge zurückgegangen. Kurz vor der Hauptversammlung von Daimler-Chrysler am 12. April in Berlin hatte es bereits harte Kritik an der Smart-Sanierung gegeben. Ein Aktionär hatte juristisch durchgesetzt, dass zwei Anträge auf Sonderprüfungen der Smart-Geschäfte auf die Tagesordnung der Hauptversammlung genommen werden und darüber abgestimmt wird.

In den vergangenen Monaten waren immer wieder Interessenten für die Kleinwagenmarke ins Spiel gebracht worden. Der Stuttgarter Autokonzern hatte Berater von Goldman-Sachs beauftragt, Angebote dafür zu prüfen. Die Produktion des Smart-Roadsters war mangels Nachfrage bereits im Vorjahr gestoppt worden.

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