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Roewe RX5 - Erstes Smartcar aus China

Betriebssystem vom Internet-Konzern Alibaba

Roewe RX5 5 Bilder

China macht sein eigenes Ding – sowohl bei Autos als auch in der IT, selbst wenn sich die chinesischen Ingenieure gerne auch von westlichen Technik-Entwicklungen inspirieren lassen. Jetzt proklamieren der chinesische Internet-Riese Alibaba und die größte chinesische Autohersteller-Gruppe SAIC Motor (Shanghai Automotive Industry Corporation) für sich, mit dem Kompakt-SUV Roewe RX5 das erste Serien-Smartcar der Welt auf die Räder gestellt zu haben.

12.07.2016 Gregor Hebermehl

Alibaba wurde 1999 vom chinesischen Englischlehrer Jack Ma gegründet. Inzwischen ist das Unternehmen die größte IT-Gruppe Chinas und legt sich direkt mit Google und Apple an. Beim immer konkreter werdenden Internet der Dinge (IoT: Internet of Things) will Alibaba jetzt im Rennen mit seinen beiden US-Konkurrenten die Nase vorn haben: Den Roewe RX5 rüstet das IT-Unternehmen zum Smartcar um. Die serienreife Version eines solchen Fahrzeugs können weder Apple noch Google vorweisen. Google hat nach seiner im Mai 2016 bekanntgegebenen Kooperation mit Fiat Chrysler Automobiles (FCA) einen Maserati Ghibli als Prototyp mit einem Android-Betriebssystem ausgerüstet.

Der jetzt vorgestellte Roewe RX5 arbeitet mit dem Linux-Betriebssystem YunOS, das die Alibaba-Tochter AliCloud für Smartphones, Tablets und Smart Homes entwickelt hat. YunOS enthält auch Android-Komponenten, Google sieht YunOS allerdings als inkompatible Android-Abspaltung an, nicht alle Android-Apps laufen auf YunOS. Alibaba will YunOS beim Roewe RX5 als offene Plattform gestalten, an der Fremdanbieter mitarbeiten können, um mehr Apps und eine ständig verbesserte Funktionalität zur Verfügung zu haben.

Roewe RX5
Der Roewe RX5 soll als Smartcar Teil des Internets der Dinge sein.

Alibaba Roewe RX5: Das Auto als ID

Per YunOS wird dem Auto eine eigene Internet-ID zugewiesen. Über diese ID lässt sich das Fahrzeug identifizieren und kann so beispielsweise Zahlungen automatisiert vornehmen. Das Bezahlen von Tankrechnungen, Park- und Mautgebühren sowie der Waschanlage könnte so deutlich komfortabler ablaufen – schließlich betreibt Alibaba auch den Online-Bezahldienst AliPay, der nach eigenen Angaben über 300 Millionen registrierte Nutzer hat.

Der Bezahldienst funktioniert nicht per App, sondern ist im Betriebssystem integriert. Zudem sollen das Betriebssystem den Zugriff auf viele Dienste erlauben, die bisher Smartphone-Apps bereitstellen: Entertainment, das Buchen von Veranstaltungen und natürlich auch Navigation. Über Navi-Daten verfügt Alibaba, seit das IT-Unternehmen 2014 mit AutoNavi einen chinesischen Anbieter von Geo-Daten aufgekauft hat. AutoNavi ist wiederum der chinesische Joint-Venture-Partner des niederländischen Navigationsspezialisten TomTom.

YunOS soll im Roewe RX5 verschiedene Fahrer erkennen und deren bevorzugte Einstellungen für Klimatisierung und Musik speichern sowie anhand früherer Fahrten nahegelegene Restaurants empfehlen. Sichtbare Hardware des Smartcars ist nicht nur der vertikal ausgerichtete große Bildschirm in der Mittelkonsole, ein Konzept, wie es Tesla im Model S schon seit Jahren anbietet, sondern sind auch vier 360-Grad-Kameras. Diese filmen die Umgebung oder für Selfie-Fans auch den Fahrzeug-Innenraum. Zudem sollen die Kamerabilder, soweit vor Gericht als Beweismittel zugelassen, bei der Aufklärung von Unfallhergängen helfen. Die Ausrüstung mit die Umgebung aufzeichnenden Kameras ab Werk scheint ein Trend zu sein: Sportwagen-Hersteller McLaren hält für seine Modelle das Track-Telemetrie-Paket (beispielsweise in der Karbon-Variante des LT675 Spider) mit drei Kameras bereit, Citroën bietet den neuen C3 ab Anfang 2017 optional mit einer nach vorne ausgerichteten permanent filmenden Kamera an.

Roewe RX5
Alibaba liefert das Betriebssystem für das Serienauto. Google und Apple haben noch keine Serienfahrzeuge mit ihren Betriebssystemen ausgestattet.

Alibaba Roewe RX5: Ab August zu haben

In einem Promotion-Video fahren Wang Jian, Chairman of Technology Steering Committee bei Alibaba, Daniel Zhang, CEO bei Alibaba, Alibaba-Gründer Jack Ma und SAIC-Chairman Chen Hong mit dem Roewe RX5. Als sich eine Drohne nähert, übernimmt der RX5 die Kontrolle über das unbemannte Fluggerät. Ob die Drohnensteuerfähigkeit zum Serienumfang des Roewe RX5 mit YunOS gehören wird, ist noch nicht bekannt. Die rechtliche Zulässigkeit von Begleit-Drohnen dürfte je nach Einsatzland variieren. Rinspeed stellte bereits Anfang 2016 im Rahmen der CES (Consumer Electronics Show in Las Vegas) mit der Studie Etos ein Fahrzeug vor, das eine Helfer-Drohne auf seinem Heck mitführte.

Roewe RX5
Das Smartcar soll Bezahlvorgänge für beispielsweise Tanken, Parken oder Maut erledigen können, ohne das der Fahrer aussteigt.

Alibaba sieht sein neues Smartcar als Teil des Internets und als wichtigen Bestandteil einer Smart City. SAIC Motor, in China übrigens auch Kooperationspartner von Volkswagen und GM, bietet den von Alibaba ausgerüsteten Roewe RX5 ab August 2016 auf dem heimischen Markt für einen Preis ab umgerechnet zirka 20.200 Euro an.

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