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Präsentation Sonderausstellung Prototyp

Foto: Heinz-Ulrich Wieselmann

Sonderausstellung Prototyp, Foto: Heinz-Ulrich Wieselmann, © Prototyp Automuseum 30 Bilder

Der Automobil-Journalist Heinz-Ulrich Wieselmann leitete von 1950 bis 1970 das Fachmagazin auto motor und sport. Er schrieb - und er fotografierte. Das Hamburger Automuseum Prototyp zeigt jetzt bis zum Jahresende eine große Sonderschau seiner Aufnahmen.

17.06.2009 Powered by

In Hamburg trat vor einem Jahr die Sammlung Prototyp mit dem Untertitel "Personen. Kraft. Wagen." als Museum an die Öffentlichkeit. Die beiden Initiatoren und Betreiber des Museums, Thomas König und Oliver Schmidt, sehen ihre Aufgabe unter anderem darin, den Besuchern jene Personen nahezubringen, die den Rennsport nach dem Zweiten Weltkrieg in Deutschland kraft ihrer Energie, ihres Könnens und ihrer Konstruktionen wieder zum Leben erweckt haben. Dazu gehört außer der Fahrzeugsammlung auch das seit Jahren im Aufbau befindliche Prototyp-Archiv. Mit dem von H.-U. Wieselmanns Töchtern als Dauerleihgabe zur Verfügung gestellten fotografischen Nachlass stellt Prototyp sicher, dass dieses bisher weitgehend unbekannte OEuvre als Einheit erhalten bleibt.

Sonderausstellung mit 109 Arbeiten
 
Prototyp zeigt mit der aktuellen Sonderausstellung bis zum Jahresende eine Auswahl von 109 Arbeiten. Als es bei Prototyp hieß, wir könnten das Wieselmann-Foto-Archiv leihweise übernehmen, zeigte ich zunächst wenig Begeisterung. Für mich war H.U.W., wie der bereits 1970 Verstorbene zeit seines Lebens genannt wurde, bisher nur ein Doyen des schreibenden Automobil-Journalismus. Er war es zum Beispiel, der für getarnte Automobil-Prototypen den Ausdruck "Erlkönig" einführte.
 
"Mehr als ein Jahrzehnt ist vergangen, und die Menschen vergessen Namen und Leistungen schnell. Aber gelegentlich, im Lärm der Motoren auf den Rennstrecken der Welt, sollte man sich daran erinnern, dass Rudolf Caracciola, Herzog von Roccarainola, unerreicht geblieben ist - er war der Größte." Das ist der letzte Satz aus H.U.W.s Nachruf auf Caracciola, geschrieben Anfang 1970, veröffentlicht in auto motor und sport, Heft 2/1970. Kurze Zeit später, während der Niederschrift des Berichts vom Genfer Salon 1970, erlitt der 1913 geborene H.U.W. einen Herzinfarkt.

Anerkannter Journalist mit 25

Er selbst maß dem keine große Bedeutung bei, doch am 7. Mai erlag er den Folgen. Der gebürtige Berliner Heinz-Ulrich Wieselmann war bereits mit 25 Jahren ein in Fachkreisen anerkannter Journalist bei der AAZ (Allgemeine Automobil Zeitung). In einem Pressestreit der Auto Union mit der Stuttgarter Zeitung wird er als Experte für Fragen des Rennsports zitiert. Sein Verleger Paul Pietsch, selber aktiver Grand-Prix-Pilot der Vorkriegs- und frühen Nachkriegsjahre, schrieb in seinem Nachruf: "Er wollte in seinen letzten Lebensmonaten noch einmal mithelfen, einen deutschen Fahrer zu finden, der eine große Tradition fortsetzte. Eine Tradition, die für ihn in Rudolf Caracciola ihren Höhepunkt erlebte. Jenem Caracciola, über den er das Beste geschrieben hat, was über den Sport je aus seiner Feder kam."
 
Aus meiner eigenen Erinnerung kann ich eine kleine Begebenheit hinzufügen: Wir alle kennen das Phänomen, sich an Tage, an denen Einschneidendes geschehen ist, ganz genau erinnern zu können. So weiß ich noch, als wäre es erst gestern gewesen, an welcher Tankstelle ich - damals als Taxifahrer - die auto motor und sport-Ausgabe kaufte, um dann den Nachruf regelrecht zu verschlingen. Von Fotos oder vom Fotografieren war allerdings auch im Nachruf nicht die Rede, nicht einmal in einem Nebensatz.
 
So ist meine "Nicht-Begeisterung" zu verstehen, als vom Wieselmann-Foto-Archiv die Rede war. Ich ging davon aus, dass H.U.W. nur für sich selbst oder als optische Notiz für den späteren Text fotografiert hat. Umso größer mein Erstaunen, als ich die von den Leica-Negativen eingescannten Fotos nach und nach am Bildschirm zu sehen bekam. Die Fotos umspannen die Jahre 1949 bis 1955 und wurden von einem Journalisten gestaltet, der als Fotograf ein Autodidakt war, der aber einen über das Journalistische hinausgehenden fotografischen Blick hatte. H.U.W.s zweite Frau war eine am Lette-Institut in Berlin ausgebildete Fotografin, die unter ihrem Mädchennamen Renate Schaffrath hin und wieder ebenfalls Fotos in auto motor und sport veröffentlichte.

Fotos von vergessenen Rennwagen und Piloten
 
Das klassische Pressefoto zeigt ja den berühmten Rennfahrer in seinem Wagen, sodass zwei bekannte Namen in der Bildzeile erscheinen, mit denen der Leser etwas anfangen kann, etwa: Paul Pietsch in seinem Maserati beim Großen Preis von Deutschland. Solche Fotos hat H.U.W natürlich auch gemacht. Auf der abgebildeten Doppelseite aus auto motor und sport Heft 12 vom 7. Juni 1952 sehen wir jedoch darüber hinaus Fotos von vergessenen Rennwagen und Rennfahrern, die das Prototyp-Motto Personen. Kraft.Wagen. sehr schön illustrieren.
 
Wenn wir uns das große Foto des Ferrari- Motors ansehen, dann erkennen wir den Fotokünstler H.U.W., der Bilder von großer Suggestion komponiert. Andere Bilder vermitteln die Einsamkeit des Rennfahrers in seinem Wagen. Wieder andere zeigen die Schönheit der Rennwagen, von der vor 100 Jahren schon Marinetti in seinem Futuristischen Manifest geschwärmt hat. Prototyp ist mit der Entdeckung des fotografischen Nachlasses um eine spannende Erfahrung reicher geworden. Die Ausstellung dient dazu, diese Begeisterung für Heinz-Ulrich Wieselmann, den Fotografen, weiterzutragen.

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Dieser Artikel stammt aus diesem Heft
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