Spanien: Punkte-Führerschein mit harten Strafen

Spanien führt am Samstag (1.7.) den Punkteführerschein ein nach französischem Vorbild ein. Die spanischen Autofahrer starten mit einem Guthaben von zwölf Pluspunkten, Führerschein-Neulinge erhalten acht Punkte.

Je nach Verstoß werden zwei bis sechs Punkte abgezogen, dabei liegen die Geldbußen zwischen 90 und 600 Euro. Sind die Punkte aufgebraucht, muss der Fahrer seinen Führerschein zunächst für ein halbes Jahr abgeben, eine 320 Euro teure Verkehrsschulung besuchen und eine Theorie-Prüfung ablegen. Die Einführung dieser drastischen Maßnahmen soll den zuweilen anarchistischen Zustände auf Spaniens Straßen ein Ende bereiten und die weit über EU-Durchschnitt liegende Zahl von jährlich mehr als 4.000 Verkehrstoten reduzieren.

Die höchsten Abzüge gibt es für Alkohol-Vergehen (ab 0,25 Promille) und zu schnelles Fahren. Selbst ein aus dem Fenster geworfene Zigarettenkippe wird mit vier Punkten geahndet, das Telefonieren am Steuer kostet drei Punkte. Parallel zur Einführung des neuen Systems ist eine Reform des Strafgesetzbuches geplant. Wer in der Stadt das Tempolimit um 40 km/h und auf der Autobahn um 70 km/h überschreitet oder mit mehr als 1,2 Promille Blutalkohol unterwegs ist, kann ins Gefängnis kommen. Dies gilt auch für Touristen.

Die Regelung des Punkteführerscheins hat indes kaum Auswirkung auf Touristen. Allerdings kommen Urlauber bei einem Verkehrsvergehen nicht um das Bußgeld herum, sie müssen in der Regel vor Ort bezahlen, ansonsten kann das Auto stillgelegt werden. Punkte in Flensburg haben sie jedoch nicht zu befürchten. Anders sieht es bei Bundesbürgern mit Wohnsitz in Spanien und deutschem Führerschein aus. Im Falle eines Vergehens, auf das eine Punkte-Strafe steht, können sie gezwungen werden, ihre deutsche Fahrerlaubnis gegen einen spanischen Lappen einzutauschen.

Nach Ansicht des Automobilclubs AEA ist das neue System in Spanien das bislang strengste in Europa. "Die Punkte ist man ganz schnell los", sagt dessen Präsident Mario Arnaldo. Mit einem Journalisten der Zeitung "El Mundo" machte er die Probe aufs Exempel: Auf der 250 Kilometer langen Fahrt von Madrid nach Avila und zurück spielte Arnaldo Verkehrspolizist und notierte sämtliche Vergehen. Das Ergebnis: Der Reporter, der sich selbst als erfahrenen und verantwortungsvollen Autofahrer beschrieb, verlor satte 36 Punkte. Hinzu kamen Geldbußen von zusammen 3.000 Euro.

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hwi / dpa

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