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Sportwagen-Schnäppchen

Traumwagen für kleines Geld

Maserati Gransport, Ferrari 355 GTS, Ferrari 612 Scaglietti F1 Foto: Ingolf Pompe 5 Bilder

Welches Angebot ist günstig und welches grenzt an Betrug? Oft liegen beide Varianten eng zusammen. Also Augen auf und trotz Jagdfieber nichts überstürzen! Die fixe Idee vom schicken Roadster, edlen Cabrio oder schnellen Sportwagen muss kein Traum bleiben. Die Einkaufstour von Michael Orth beweist, dass gerade diese Modelle gebraucht durchaus erreichbar sind.

20.02.2015 Michael Orth Powered by

Er stand mal ganz oben in Ferraris Preisliste. Dort war er weit weg, für die allermeisten jenseits des Erreichbaren. Jetzt ist er uns deutlich näher, dabei hat er sich kaum verändert. Nur sieben Jahre ist er alt und so gepflegt, als sei er aus der Fabrik direkt in den Showroom von Junge Mobile gefahren. Immer noch mit der Aura des Entrückten: 12 Zylinder, 540 PS, 321 km/h schnell. Man könnte ihn einen Gebrauchtwagen nennen, und das entspräche auch der Realität.

Nur gerecht wird man diesem Wagen damit nicht, denn auch gebraucht bleibt er ein Traum – wenngleich nicht mehr ganz so weit entfernt. Am Innenspiegel des Ferrari 612 Scaglietti hängt ein Zettel mit der Aufschrift "Hammerpreis: 61.990 Euro", weniger als ein Viertel des einstigen Neupreises. So betrachtet ist der italienische GT geradezu ein Vernunftkauf.

Supersportler eine gute Investition

"Ich würde wetten, dass der Ferrari im Wert wieder steigt", sagt Olaf Röhm von Junge Mobile in Reutlingen und Metzingen. "Natürlich musst du in den Unterhalt investieren, aber jede Investition bekommst du wieder. Wenn nicht finanziell, dann zumindest, was den Fahrspaß angeht."

Ist das die eigentlich vernünftigere Rechnung, die – freilich beträchtlichen – Unterhaltskosten eines solchen Autos gegen seinen Unterhaltungswert zu stellen? In dieser Hinsicht lohnen sich gebrauchte Supersportler gleich doppelt: Erstens haben sie meist einen dramatischen Preisverlust hinter sich. Und zweitens bieten sie mit nobler Ausstattung, schöner Karosserie und viel Leistung immer noch einen immens hohen Gegenwert. "Aber", sagt Röhms Kollege Patrick Sellaro, "diese Autos taugen nicht für jeden." Er spricht auch vom gelben Ferrari 355 GTS und dem Maserati Gransport in Bianco Fuji. "Der 355 kostet rund 46.000, der Maserati keine 34.000 Euro. Das bringt viele in Versuchung.

"Vielmehr reine Freude, als reine Ware"

Aber es ist nicht allein das Budget, das bei einem Ferrari oder Maserati den Ausschlag geben sollte." Man müsse, hatte Röhm erklärt, diese Autos mit ihren speziellen Eigenheiten akzeptieren. Es gehe nicht "ohne eine emotionale Bindung zum Fahrzeug. Ein solches Auto ist weniger reine Ware, sondern vielmehr reine Freude.

"Günstig oder billig? Genau darum ging es: luxuriöse GTs, Coupés oder Roadster, neu nur wenigen vorbehalten, aber gebraucht zumindest teilweise erreichbar und vielleicht eine Alternative zum immer gleichen Limousinen- oder Kombi-Einerlei. Das Angebot ist tatsächlich größer und bunter als gedacht. Was es eint, sind ein paar wenige Fakten: Günstig ist nicht das Auto, das heute wenig kostet. Günstig ist das Auto, das auch morgen nicht groß an Wert verlieren oder Unsummen an Reparaturen verschlingen wird.

An der Schwelle zum Youngtimer

Das relativiert vieles. Etwa den Preis für einen neun Jahre alten Maserati Spyder – nur 14.490 Euro. Aber auch den Satz ganz am Ende der Beschreibung: "Es müssten paar Arbeiten gemacht werden. Kriegt den Gang nicht rein." Das unterscheidet die Wahnsinnsgelegenheit vom Wahnsinn. Mit 9.950 Euro ist auch der Porsche von DLS Automobile in Fellbach nicht der billigste 924 S auf dem Markt, wohl aber ein sehr günstiger. In nicht mal zwei Jahren wartet das H-Kennzeichen.

"Außerdem ziehen anständige Transaxle-Porsche ohne Wartungsstau mittlerweile deutlich im Preis an. Die Zeiten, in denen 924, 944 oder 968 nichts galten, sind vorbei", sagt Harry Utesch. Momentan seien sehr gute Vierzylinder-Porsche noch für relativ kleines Geld zu bekommen. Dasselbe gilt Andreas Demmer zufolge für die Mercedes SL der Baureihe R129. "Die sind noch komplett unterbewertet. Sie stehen an der Schwelle vom Gebrauchten zum Youngtimer und werden mit guter Substanz auch gesuchte Klassiker sein." Bestes Beispiel: Der tannengrüne 1993er SL 600 von DLS bietet scheckheftgepflegten Zwölfzylinder-Luxus zum Kompaktwagentarif: 19.500 Euro. "Rost ist kein Thema, Ersatzteile problemlos zu bekommen, und wenn Fahrwerk und Elektrik in Ordnung sind, kann man auch mit dem Topmodell nichts falsch machen."

Corvette für 28.490 Euro

Es sei denn, man bevorzugt sechs Liter Hubraum auf nur acht Zylinder verteilt. Dazu Kunststoff-Karosse, Head-up-Display, Targa-Dach, Kultfaktor und einen Alu-Motor mit zentraler Nockenwelle und Stößelstangen. "Die Corvette ist der etwas andere Sportwagen", sagt Oliver Stieber vom Autohaus Stieber in Stuttgart-Stammheim. "Und dass sie schon als Neuwagen vergleichsweise günstig ist, wirkt sich auch auf die Gebrauchtpreise aus."

Die silberne 2005er Corvette C6 neben ihm bestätigt das: makellose Optik und mit 44.000 Kilometern gerade erst eingefahrene Technik für 28.490 Euro. Günstiger sind über 400 PS starke Autos kaum zu haben. Aber dezenter. "Ich wollte etwas, das herausragt gegenüber dem Normalen, etwas für mich, das mir Freude macht. Diese Art von Emotion ist etwas anderes als bei anderen Autos", sagt der Besitzer des Aston Martin DB9.

Er verkauft ihn über D + S Automobile in Asperg nur aus einem Grund: "Ich möchte ein Cabrio, und der Aston soll nicht in der Garage verkümmern." Michael Schubert von D + S sieht das Zwölfzylinder-Coupé als idealen Zweitwagen für Leute, die eher einen Genuss- als einen Gebrauchsgegenstand wollen. "Den Wertverlust hat der Aston hinter sich, die Historie ist gut und transparent, er ist sorgsam gepflegt worden, technisch und optisch."

Darauf sollten Sie bei der Schnäppchensuche achten

Welches Angebot ist günstig und welches grenzt an Betrug? Oft liegen beide Varianten eng zusammen. Also Augen auf und trotz Jagdfieber nichts überstürzen!

  • Wo wurde das Auto zuerst, wo zuletzt zugelassen? Hat es deutsche Papiere? Nein? Klären (nicht unbedingt mit dem Verkäufer), ob sie mit geringem Aufwand zu bekommen sind.
  • Wie viele Vorbesitzer wechselten in wie kurzer Zeit? Wurde das Auto auffällig schnell durchgereicht? Ja? Finger weg.
  • Gibt es ein Scheckheft oder andere Dokumente, die die Servicehistorie belegen? Nein? Bleiben lassen. Ja? Genaue Kontrolle: Taucht ein Problem (z. B. Elektrik) gerade zum Ende hin wiederholt auf?
  • Wie ist der Preis vergleichbarer Modelle? Vorsicht bei kaum erklärlichen Differenzen oder extrem "einleuchtenden" Erklärungen des Verkäufers wie "Meiner Oma gefiel die Farbe nicht mehr."
  • Wie ist der Zustand des Wagens? Völlig neu aufpoliert, gestern noch Motorwäsche? Wieso denn, was zu vertuschen? Nachfragen. Nachsehen.
  • Ist vielleicht das teurere Auto das günstigere? Zum Beispiel, weil kostenintensive Servicearbeiten kürzlich durchgeführt wurden (mit Beleg).
  • Wie hoch sind die Folgekosten? Informieren Sie sich vorher über Wartungsintervalle und Betriebskosten, um nicht schnell im Wartungsstau zu enden.
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