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Oldtimer aus Südafrika

Star, Light, Express - Oldies vom Kap

Mercedes R107 vor Sonnenuntergang Foto: Peter Kemnitzer, Susanne Moll 13 Bilder

Südafrika bietet Oldie-Käufern eine Auswahl so groß wie der Kontinent – zu Preisen, die bei vielen Typen deutlich unter den deutschen liegen. Noch gibt es genügend Vorkriegsmodelle, aber auch Freunde europäischer Klassiker der 50er bis 80er Jahre können am Kap im Rekordtempo ihr Traumauto finden.

12.03.2007 Peter Kemnitzer Powered by

Oldtimer zum Schnäppchenpreise in Südafrika

"Ich kann’s nicht glauben" Wolfgang, der Tourist aus Deutschland, ist eigentlich auf der Suche nach der Oyster Company. Im südafrikanischen Küstenort Knysna soll es die besten Austern des Landes geben. Aber die Austern sind vergessen. Direkt an der Hauptstraße öffnet sich für den Oldtimerfreund ein Paradies. Dutzende von Oldies stehen entweder am Straßenrand oder in dem großen Verkaufsraum der Frost Brothers direkt dahinter. Darunter ein MGB GT von 1972, knallrot, kaum Patina und unrestaurierter Originalzustand. Der hat es dem Besucher angetan. Den Taschenrechner in der Hand, gibt Wolfgang die Zahlen ein: 160.000 Rand soll der MGB kosten - "das sind gerade mal 18.000 Euro für einen V8."

Concours condition steht auf dem Verkaufsschild. Damit gehen die Südafrikaner großzügig um, aber einen echten 2er-Zustand bietet der MGB GT V8 schon. Wen Rechtslenker nicht stören, der findet in Südafrika, was das Herz begehrt. Zwar sind die Zeiten vorbei, wo man fast automatisch über Scheunenfunde zum Schnäppchenpreis gestolpert ist, aber mit einiger Suche lassen sich gute Oldtimer zu einem günstigen Preis auftreiben.

Durch das milde Klima sind in Südafrika die meisten Oldtimer hervorragend erhalten

Attraktiv macht die Klassiker am Kap vor allem ihr Zustand. Oft sind sie unrestauriert und liebevoll über Jahrzehnte gepflegt. Das mediterrane Küstenklima und die trockene Wüstenluft im Landesinneren konservieren sie geradezu. So wie bei dem olivgrünen Ford von 1930. 40 Jahre stand das Model A bei seinem Besitzer. Leicht verblichen mit der Patina der Jahrzehnte, aber in exzellentem Zustand. Für 15.000 Euro wechselt er in neue Hände.
Zu achten ist auf den Zustand aller beweglichen Teile – der feine Sandstaub schmirgelt gerne die Lager blank. Zudem sorgt die Sonne in Kunststoff und Leder für Risse. Die Blechteile hingegen sind meist in hervorragendem Zustand. Extreme Unterschiede gibt es bei Restaurierungen - von fast perfekt bis hin zu bester afrikanischer Improvisation. Das Tückische: Auf den ersten Blick wirken sie fast gleich. Daher genau hinschauen, frisch lackierte Autos sind tabu.

Ein ganzer Geschäftszweig hat sich im Land inzwischen auf den Export und das Aufpeppen von Klassikern vornehmlich für Europa spezialisiert. So wie die Frost Brothers in Knysna. Norman sucht Klassiker aus dem ganzen Land zusammen. Seine Fahrzeuge sind beileibe keine Schnäppchen; er profitiert nur davon, dass er der bekannteste Händler ist. Weit preiswerter kommt die Suche vor Ort über Oldtimerclubs und deren Internetseiten, über Autohändler oder Anzeigen in den lokalen Zeitungen.

Südafrika - das Paradies für top ausgestattete Limousinen

Da der Klassikerbestand riesig ist, findet sich selbst in einem 14-tägigen Urlaub der richtige Oldie. Zudem sitzen auch deutschsprachige Fachleute vor Ort, die im Auftrag suchen und den Interessenten begleiten. Ulli Walter in Kapstadt ist so eine Adresse. Im Hauptberuf Finanzberater, im Nebenjob Oldtimerexperte und -verleiher. "Südafrika ist ein Paradies, vor allem für große, top ausgestattete Limousinen in gutem Zustand. Aber im Grund gibt es hier alles", skizziert er die Bandbreite.
Walter sucht für seine Oldievermietung Motor Classic Kapstadt ständig interessante Klassiker, für die sich entweder Filmcrews interessieren - oder Touristen. Zudem verfügt er über ein landesweites Netzwerk an Experten. Schon eine Fahrt durch Kapstadt und Umgebung bietet zahlreiche Möglichkeiten, um sich Appetit auf Oldies zu holen. Auch auf solche, die nur am Kap entstanden.

Das gab's nur in Südafrika: Ford Capri mit V8 - serienmäßig

So wie der vor uns. Piranha V8 steht auf dem Heck. Das ist nur kurz zu sehen, bevor der knallgelbe Ford Capri mit dem typischen Donnergrollen einen furiosen Start an der grünen Ampel hinlegt. Der Piranha ist nicht etwa der Fantasie eines Tuners entsprungen, sondern wurde offiziell in den 70er und 80er Jahren von Ford Südafrika vertrieben. Dem damaligen Importeur waren die Sechszylinder zu schlapp. Auf der Suche nach kraftvollerem Vortrieb blieb sein Blick an einem konzerneigenen 5-Liter-V8 hängen, den er im Mustang entdeckte. Eine für Südafrika typische Mehrleistungsmaßnahme.

Das Land ist geprägt von endlosen, schnurgeraden Straßen im Landesinneren und gut ausgebauten, kurvigen Küstenstrecken. Das Inland liegt auf gut 1.500 Meter Höhe, was den Motor rund 20 Prozent seiner Leistung kostet. Dazu kommen extrem niedrige Spritpreise - früher einige Cent, heute umgerechnet rund 40 Cent je Liter. Da lassen sich auch Autos unterhalten, die hier zu Lande an chronischer Spritunterernährung leiden würden: VW bot den Bus Typ 3 dort auch als 2,8-Liter-Benziner an, BMW hat dem 745i gleich das Herz des M1 implantiert, und Alfa schickte den GT V6 nur mit dem Drei-Liter ans Kap.

Viele europäische Autohersteller produzieren zudem direkt in Südafrika. Dies nicht nur für den dortigen Markt, sondern für alle Länder, in denen rechts gelenkt wird. So zum Beispiel den in Uitenhage gebauten Golf 1. Äußerlich unverändert, innen aber inzwischen Golf 3, kostet der brandneue Verkaufsrenner heute weniger als umgerechnet 7.000 Euro. Unter dem Namen CitiGolf tut er in Südafrika auch Dienst als beliebter und billiger Mietwagen.

Auch das ist Südafrika: Noble Karossen hinter gesicherten Toren

Dennoch gibt es am Kap auch viele links gelenkte Oldies, direkt aus Europa oder den USA eingeführt. Sie entdeckt man oft eher zufällig. Ein gutes Jagdrevier bilden die Autohändler auf dem flachen Land und die Weingegenden um Kapstadt mit ihren riesigen Weingütern. Sie beherbergen herrschaftliche Gutshäuser im typischen, kapholländischen Stil. Dazu passt auch der Rolls-Royce, der gerade in eines der Weingüter einbiegt. Stehen in den Winzereien die Tore der Nebengebäude wegen der Sommerhitze einen Spalt offen, geben sie den Blick frei auf feinste Automobile vornehmlich britischer Abstammung.

Aber auch Produkte aus Stuttgart werden in südafrikanischen Gutshäusern geschätzt. Gern zeigen die Besitzer dem zufälligen Besucher auch ihre Schätze – nur fragen sollte man zuvor unbedingt. Denn wegen der hohen Kriminalitätsrate sind selbst Scheunen perfekt gesichert. "Klar könnt ihr den anschauen."

Jan hat nicht nur das Weingut bei Stellenbosch von seinem Vater übernommen, sondern auch die S-Klasse aus den 60er Jahren. Unrestauriert, cremeweiß; das hellbraune Leder verströmt noch immer den typischen Couchgarnitur-Geruch dieser Zeit. "Irgendwann hatte mein Vater einen Neuen. Doch den Alten wollte er nicht verkaufen, und da haben wir ihn hinten in die Scheune gestellt und schlicht vergessen." Ein typisches Oldtimerschicksal im südlichen Afrika.

Oldtimer-Kaufverhandlungen können sich in Südafrika schwierig gestalten

Platz ist genug da - manchmal allerdings auch der Wille, sich nach einiger Überredungskunst von dem einen oder anderen Erbstück zu trennen. Allerdings verlangt das Feilschen mit Südafrikanern detaillierte Kenntnisse der Mentalität am Kap. Sie sind zu Recht berühmt für ihre Offenheit und Freundlichkeit - ein Südafrikaner würde nie direkt "nein" sagen. Aber er besitzt nahezu unbegrenzt Varianten, nicht "ja" zu sagen.

Europäer, die diese Nuancen nicht kennen, sind mit den Nerven zügig am Ende. Zudem verursacht die deutsche Art, direkt aufs Ziel zuzusteuern, am Kap Irritationen. Ohne ein paar gemeinsame Grillabende - "Braai" genannt, geht gar nichts. Einladungen dazu sollte man auch ohne Kaufabsichten nie ausschlagen, sie bringen einem Land und Leuten näher.
Internet - der beste Weg, Kontakte zu knüpfen

Ein anderer Weg sind die Oldtimergemeinschaften. Die Südafrikaner sind in vielen Clubs gut organisiert, mit allerdings etwas anderem Vereinsleben als hier zu Lande. Bei rund 300 Sonnentagen pro Jahr reduziert sich das Organisatorische auf ein Minimum, und darüber hinaus sind Südafrikaner anerkannte Meister des Improvisierens.

Kontakt ist relativ leicht übers Internet herzustellen - gern laden die gastfreundlichen Südafrikaner Fremde auch zu sich ein. Dort läuft fast alles über das Internet, kaum etwas über den Postweg. Ewige Laufzeiten, hohe Verluste und chronische Unzuverlässigkeit vermiesen in Südafrika den Briefwechsel.

Wer sich dort nun einen Oldtimer kaufen will, muss zuvor Kontakt mit seiner Hausbank aufnehmen, um die Auslandsüberweisung zu organisieren. Eine ganz schlechte Idee: In einem Dritte-Welt-Land, wie Südafrika es nun mal ist, mit großen Bargeldbeträgen unterwegs zu sein. Außer der Bank ist kein Platz wirklich sicher.

Überschaubarer Papierkrieg beim Export

Wer das erste Mal am Kap ist, sollte sich unbedingt mit einem kundigen Fachmann vor Ort zusammentun. Der Papierkrieg wirkt überschaubar, aber auch hier ist die Bürokratie unberechenbar. An sich reichen ein Export Permit vom Department of Trade and Industry und eine Police Clearance. Darin wird bestätigt, dass das Fahrzeug nicht als gestohlen gemeldet ist. Kommt der Wagen von einem Händler, gibt es die Mehrwertsteuer bei Verlassen des Landes wieder zurück.

Ein Tipp: Südafrika sieht es gern, wenn man sich den Umsatzsteuer-Rückerstattungsscheck, der bei der Ausreise ausgehändigt wird, an der Flughafenbank bar auszahlen lässt. Da langen dann Staat und Bank bei den Gebühren noch ein letztes Mal richtig hin. Weit kostengünstiger für den Käufer ist es, sich die Steuer auf das Kreditkartenkonto gutschreiben zu lassen. Das geht kostenlos auf der Bank am Flughafen, wird aber nur gemacht, wenn der Tourist nachhaltig darauf besteht.

Für den Export braucht der Käufer eine Spedition, die sich um den Klassiker mit Sachverstand kümmert. "Not a problem", wird jeder Spediteur angesichts des 1.500-Euro-Auftrages sagen. Afrikakenner wissen: Mit diesem kurzen Satz fangen in der Regel die Probleme oft erst richtig an. Wichtig ist vor dem Kauf auch, sicherzustellen, dass der ausgewählte Klassiker nicht auf der Liste des "National Heritage" steht. Damit will die Regierung verhindern, dass seltene Klassiker das Land verlassen - für sie gilt ein Exportverbot. Das trifft aber nur wenige.

Von Südafrika nach Deutschland: Relativ günstige Speditionskosten für die Oldtimerverschiffung

Die Kosten für den Oldie-Transfer nach Deutschland betragen einheitlich 1.500 Euro für den Container von jedem südafrikanischen Hafen, 250 Euro kommen obendrauf, wenn das Auto etwa von Johannesburg per Zug zur Küste reist. Dabei böten die 1.500 Kilometer auf guten Straßen die Gelegenheit, die Neuerwerbung kennenzulernen.

Die preiswerte Alternative: auf der Autofähre von Durban nach Hamburg. Das kostet alles in allem um die 500 Euro. Jedoch muss das Fahrzeug auf eigene Kosten bis nach Durban, auf Achse von Kapstadt aus ist das eine Zwei-Tages-Tour. Von Durban aus dauert es mindestens einen Monat, bis der Oldie in Hamburg anlandet. Das hat aber auch einen Vorteil: Wenn der Klassiker im südafrikanischen Sommer gekauft wurde, steht er pünktlich zum europäischen Frühling vor der Haustür. Und man kann am Stammtisch nachhaltig Eindruck schinden - denn wer war schon mit seinem eigenen Oldtimer in Afrika Löwen gucken?

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