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Stil-Ikone Audi TT

Desinger erklären das Erfolgsrezept

Audi TT Foto: Audi 30 Bilder

Vor 15 Jahren stellte Audi den TT vor und erklärte ihn zum  "Botschafter einer Audi-typischen Formensprache". Heute erklären zwei Audi-Designer, warum Gestalt und Details des TT über Generationen hinweg funktionieren.

24.10.2013 Michael Orth

Werden wir mal ein bisschen pathetisch: Er ist modern, aber nicht modisch. Weder setzt er auf Effekte noch auf Sensation. So konnte er selbst eine werden. Er definiert klare Regeln und bringt diese Regeln selbst zum Ausdruck. So bezieht er gestalterisch Stellung. Denn das allein Gefällige läuft Gefahr, ins Beliebige und Uninteressante abzurutschen. Es sind die Dinge, die anfangs Begeisterung auslösen können und nach kurzer Zeit überzogen wirken, bemüht oder misslungen.

Der Audi TT nicht. Seine Linien folgen nicht dem Geschmack, sondern den Prinzipien einer klaren Design-Idee. Das gefällt nicht jedem. "Der TT polarisierte von Anfang an", sagt Audi-Designer Ulrich Beierlein. "50 Prozent mochten ihn. 50 Prozent mochten ihn nicht. Aber alle haben hingesehen."

Gary Telaak nimmt Maß

Das ist heute, 15 Jahre später, nicht anders. Wieso? Einige Meter schmales Klebeband helfen, die Frage zu beantworten. Gary Telaak kniet sich neben den roten Audi TT der ersten Generation, nimmt kurz Maß und setzt dann den silbernen Streifen exakt dort an, wo die Funktionsfuge zwischen Motorhaube und Kotflügel endet. Nicht aber die Linie. Sie zieht Telaak mit dem Klebeband an der Tür entlang, über den Griff hinweg gerade zum hinteren Radhaus. Dort läuft sie in einem Bogen bis in den Stoßfänger – ähnlich der gedachten Flucht, die sich von den Sicken auf der Haube über das Dach bis an die Funktionsfugen entlang des Kofferraumdeckels verlängert.

Mit jedem weiteren Stück Tape bringt der Designer ein Gitternetz zum Vorschein, das die Gestalt des Audi TT definiert, ohne dass man dessen Körperlichkeit vor Augen haben müsste. Um die strenge Systematik der Audi TT-Form zu definieren und zu erfassen, reicht, was Gary Telaak als "Wireframe" bezeichnet. In dessen logischer Ordnung ließe sich auf keine Fuge verzichten, und schon eine Zierleiste wäre zu viel. "Es gibt keinen Zufall in der Gestaltung des TT. Man kann nichts weglassen, und gerade deshalb kommt die Grundidee seines Designs so stark zum Tragen." Die gern bemühte Reduktion aufs Wesentliche also.

"Der TT hat für Audi eine gestalterische Grammatik begründet", sagt Ulrich Beierlein. "Was mich noch immer fasziniert, ist, wie der TT über den Umweg dieses strengen Regelwerks die Emotionen anspricht."

Audi TT folgt additivem Gestaltungsprinzip

Der Wagen sei so absolut einem klaren und einfachen Gedanken verpflichtet, dass man darauf unterbewusst reagiere, ergänzt Telaak. Und demonstriert das Gesagte anhand eines Beispiels. Mit ausgespreizten Fingern umfasst er das Rücklicht des Audi TT und überträgt die Form auf die Wagenschulter und von dort auf die Schalttafel im Innern. Überall derselbe Bogen, dieselbe Wölbung.

Das Besondere am Design des Audi TT ist demnach nicht dieses oder jenes Detail, sondern wie in diesen Details Grammatik und Regelhaftigkeit einer strengen Formensprache zum Ausdruck kommen. Dabei folge der Audi TT durchgängig einem additiven Gestaltungsprinzip, das sich deutlich an geometrischen Grundformen, vornehmlich zirkularen, orientiere und, wo immer nötig, Prioritäten setze, anstatt die Idee einem Kompromiss zu opfern. So wie etwa dort, wo der an den Torso addierte vordere Radlauf die Funktionsfuge zwischen Haube und Kotflügel durchdringt. Der TT ist Auto. Auto heißt Bewegung. Bewegung heißt Rad. Dass der Radlauf funktional wichtiger ist als die Haube, drückt sich gestalterisch aus.

Wie aber lässt sich die Design-Idee, die den ersten Audi TT zu einem optisch her-ausragenden Produkt machte, auf die folgende Generation übertragen? Wie denkt man einen zu Ende gedachten Gedanken weiter, ohne dass Unsinn dabei herauskommt? Der zweite TT gibt die Antwort.

Stärkere Richtung des Audi TT 2

"Er trägt deutlichere Züge automotiven Designs, während der erste TT stärker dem Produktdesign verpflichtet ist", sagt Gary Telaak und bezieht sich zum Beispiel darauf, dass die Silhouette der zweiten Generation eine stärker betonte Richtung, eine stärker ausgeprägte Dynamik verkörpert – längere Haube, nach hinten ansteigende "Dynamic Line" im unteren Karosseriebereich.

Mit dem Vorgänger verbindet den aktuellen TT seine formale Konsequenz. Ulrich Beierlein deutet auf den inneren Türöffner des blauen TT, dann auf die von seinem Kollegen angesprochene "Dynamic Line"– dieselbe Richtung, dieselbe Neigung. So zitiert der zweite TT sich selbst, etwas, das auch der Vorgänger getan hatte. Beim ersten Audi TT genügt ein Blick auf Tankdeckel, Lüftungsdüsen, Türöffner, Schaltkulisse und die Bedienelemente der Sitzheizung. Diese Durchgängigkeit findet sich in subtiler Form auch im aktuellen TT. Dieselbe Form, dieselbe Materialästhetik, dieselben Vertiefungen. Und doch nicht nur Wiederholung eines Motivs.

"So ganz erklären lässt sich eine Ikone nie"

"Es sind Zitate und Interpretationen", sagt Ulrich Beierlein. "Die Schrauben beim ersten TT fixieren die Tankdeckelfassung, die Vertiefungen an den Lüftungsdüsen bieten den Fingern Halt, und die runden Schalter für die Sitzheizung integrieren kleine Anzeigepunkte." So durchdringen sich Form und Funktion, anstatt einander nur zu folgen. Macht auch das den Audi TT zu einem Auto, das weithin als "Design-Ikone" betrachtet wird?

Beide Designer kommentieren abschließend: "So ganz erklären lässt sich eine Ikone nie, denn zum Kalkül muss auch Magie kommen. Es ist ein besonderes Moment, aus dem eine Ikone entsteht. Man macht sie nicht. Sie wird."

Leichtbau sichtbar machen

Leichtbau fördert Effizienz. Im Design zum Ausdruck gebracht, kann dieser Vorteil als optischer Anreiz wirken. Das von Audi in Paris 2012 gezeigte Crosslane Coupé verkörpert diesen Ansatz. Die geschlitzte Motorhaube inszeniert den darunterliegenden Spaceframe als zentrales Leichtbau-Element. Die Schalttafel schrumpft auf minimales Volumen, und der Modulträger tritt an die Oberfläche. Der schlanke Aluminiumstrang, einer Wirbelsäule ähnlich geformt, steht laut Audi für Leichtigkeit und Belastbarkeit gleichermaßen. Kontraste in der Ästhetik verstärken die Wahrnehmung der jeweiligen Materialeigenschaften.

In Kombination sollen Carbon und Aluminium leichter wirken, Leder sogar behaglicher. Die Spiegel demonstrieren laut Audi Festigkeit nicht über die Masse des Materials, sondern über dessen Faltung, die in der Form sichtbar bleibt, ähnlich einer Origami-Figur.

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Dieser Artikel stammt aus diesem Heft