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Asphalt und Beton am Ende?

Die Straße der Zukunft besteht aus Plastik

PlasticRoad VolkerWessels Plastikstrasse Foto: VolkerWessels 5 Bilder

Nie wieder lebensgefährliche Blow-Ups oder nervtötende Spurrillen: Nicht nur zu unserer eigenen Sicherheit fahren wir vielleicht bald auf Plastik-Straßen. Denn nebenbei retten wir damit auch noch die Welt und ihre Ozeane.

20.07.2015 Roman Domes

Es klingt wie der Plan eines verträumten Weltverbesserers: Geht es nach dem niederländischen Unternehmen VolkerWessels, werden unsere Straßen in Zukunft nicht mehr geteert. Stattdessen wollen die Niederländer ihre eigene Kreation durchsetzen; die Straße aus Kunststoff, genannt "PlasticRoad".

Die Plastikstraße hat viele Vorteile

Die Kunststoff-Straße soll im Vergleich zur normalen, geteerten Straße viele Vorteile haben, unter anderem weniger Wetterempfindlichkeit. Sogenannte Blow-Ups, sprich das Aufplatzen der Beton-Fahrbahn bei hohen Temperaturen, sollen der Vergangenheit angehören. Nach Informationen von KWS Infra, dem zuständigen Tochterunternehmen von VolkerWessels, halten erste Prototypen der Plastikstraße Temperaturschwankungen zwischen -40° und +80° Celsius aus ohne Schäden davonzutragen. Das wäre ein enormer Gewinn für die Sicherheit der Autofahrer.

Ein weiterer Pluspunkt wäre die längere Haltbarkeit des Kunststoffs. VolkerWessels spricht von der dreifachen Lebensdauer einer asphaltierten Asphaltstraße. Nach Forschungen der Fraunhofer-Gesellschaft muss die Asphaltdecke bei normalen Straßen nach 12 Jahren erneuert werden. Die komplette Fahrbahn ist nach 30, maximal 35 Jahren fällig.

Auch eine Plastikstraße muss irgendwann erneuert werden, doch selbst, wenn eine Erneuerung schon nach 50 Jahren anstehen würde: Die Kosten wären geringer, und die verwendeten Materialien umweltschonender; und zwar, weil kein Teer oder Asphalt unter hohen CO2-Emissionen hergestellt werden muss. Das ist aber nur einer der Gründe.

Die Fahrbahn, die aus Müll besteht

Den anderen Teil zum besonderen Konzept trägt die Herkunft des verbauten Kunststoffs bei: Der soll nämlich unter anderem aus den Weltmeeren stammen. Dort treiben zigtausende Tonnen Plastik einfach herum und zerstören die Lebenswelten von unzähligen Meeresbewohnern. Das ehrgeizige Projekt "The Ocean Cleanup" des 20-jährigen Niederländers Boyan Slat hat sich zum Ziel gesetzt, dieses prinzipiell wertlose, für das Projekt aber gleichzeitig wertvolle Treibgut aus dem Wasser zu fischen. Damit würde "The Ocean Cleanup“ zum Partner von "PlasticRoad". Das wäre eine potenzielle holländische Traumhochzeit - und die größte Recycling-Aktion aller Zeiten.

Die Plastikstraße selbst braucht kein extrem stabiles und schweres Fundament, wie es bei Asphaltstraßen der Fall ist. Die Tatsache, dass der verbaute Kunststoff um einiges leichter ist als Asphalt, soll weiterhin die Bauzeit der Straßen kürzer gestalten. Beim Bau kann in der Kunststoff-Straße ein Hohlraum gelassen werden (siehe Bilder), durch den Kabel oder Abwasserrohre verlegt werden können. Die fertige Straße soll deutlich weniger Lärm verursachen als eine asphaltierte Straße. "Flüsterplastik“ statt "Flüsterasphalt“.

Ist die Plastikstraße umsetzbar?

Noch gibt es keine Plastikstraße auf der Welt. Das Unternehmen suche noch nach Investoren und Partnern, heißt es. Die Stadt Rotterdam will bereits Interesse an einer Teststrecke angemeldet haben. Und betrachtet man hierzulande den Investitionsbedarf für die marode Infrastruktur und kombiniert diesen mit der wachsenden Anzahl ewig währender Baustellen auf unseren Straßen und Autobahnen, wünscht man sich nichts sehnlicher als eine praktikable, günstige Lösung. Vielleicht ist die Plastikstraße ja das Wundermittel, auf das wir alle hoffen.

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