Tempo, Tempo: Auf deutschen Straßen wird wieder in die Hände gespuckt. Dank der gestiegenen Einnahmen aus der Lkw-Maut und vor allem wegen der zusätzlichen Mittel, die die Politik locker machte, kommt mehr Geld denn je dem Straßenbau zugute. Zugegeben, es hatte etwas von Alarmstart. Doch angesichts lahmender Konjunktur wollte die Regierung auch bei den Verkehrsinvestitionen aufs Gas drücken.
Drei Milliarden Euro für Straße, Schiene und Wasserwege
Bereits im November 2008 war ein Maßnahmenpaket "Beschäftigungssicherung durch Wachstumsstärkung“ geschnürt worden, das je eine Milliarde Euro in diesem und im nächsten Jahr für Straße, Schiene und Wasserwege zusätzlich bereitstellte. Das zweite Konjunkturprogramm, welches im Februar 2009 ins Rollen kam, legte noch weitere zwei Milliarden Euro nach.
Doch damit nicht genug. In diesem "Pakt für Wachstum und Stabilität", wie es in schönster Regierungs-Prosa hieß, wurden zudem 115 Millionen Euro für das Förderprogramm Elektromobilität des Verkehrsministeriums bereitgestellt. Damit sollen bis 2011 die Errichtung von Stromtankstellen, die Erprobung und die rasche Markteinführung von Elektrofahrzeugen in den Regionen Stuttgart, Berlin und Potsdam, Bremen und Oldenburg, im Rhein-Main- und Rhein-Ruhr-Gebiet sowie in Sachsen zügig vorangetrieben werden.
Deutsches Straßennetz profitierte am meisten
Das deutsche Straßennetz profitierte mit insgesamt 1,8 Milliarden Euro am meisten von der staatlichen Wirtschaftsförderung. Das erste Paket umfasst 44 Projekte. Dabei handelt es sich größtenteils um den Bau von Ortsumgehungen - etwa von Lehrberg im Zuge der bayerischen B 13, wo die Arbeitskolonnen bereits seit dem Frühsommer im Einsatz sind. Zudem hat der Ausbau von Bundesstraßen Vorrang. So werden beispielsweise die B 49 in Hessen und die B 173 in Bayern abschnittsweise auf vier Fahrspuren verbreitert.
Darüber hinaus sind vier Autobahnprojekte eingeplant. In Schleswig-Holstein wird die Lücke zwischen Itzehoe-Nord und -Süd im Verlauf der A 23 geschlossen, die A 1 von der Donau-Ems-Kanal-Brücke Richtung Kreuz Münster-Süd auf sechs Fahrspuren verbreitert. Auf der A 3 zwischen Helmstadt und Würzburg-West hat der sechsspurige Ausbau bereits begonnen.
Bauarbeiten auf Autobahnen jetzt auch an Hauptreisetagen zugelassen
Weil die Konjunkturhilfen die Wirtschaft schnell ankurbeln sollten und nicht erst nach der Krise, muss das Geld schnellstmöglich verbaut werden. Deshalb wurde auch mit dem Grundsatz gebrochen, an den Hauptreisetagen in den Ferienzeiten keine Bauarbeiten auf Autobahnen zuzulassen. Überall im Land sind jetzt die Bautrupps unterwegs. Das sorgt zwar derzeit für erhebliche Behinderungen, aber am Ende kommen alle schneller und sicherer ans Ziel.
Unter dem Strich können bis Ende 2010 mit Mitteln aus dem ersten Konjunkturprogramm Maßnahmen im Wert von 456,3 Millionen Euro zusätzlich neu begonnen werden. Weitere 243,7 Millionen Euro stehen für die schnellere Fertigstellung bereit, und 220 Millionen fließen in die Instandsetzung bestehender Straßen.
Sanierung des Straßennetzes hat zweithöchste Priorität
Der Sanierung des Straßennetzes räumt dagegen der Investitionsplan des zweiten Konjunkturpakets mit einem Volumen von 350 Millionen Euro nun zweithöchste Priorität ein. Unter anderem werden die Taubertalbrücke auf der A 81 in Baden-Württemberg, die hessischen A 45-Talbrücken Ambach und Windelbach sowie die Rheinbrücke Düsseldorf-Flehe im Verlauf der A 46 in Schuss gebracht. Vorfahrt hat aber nach wie vor, geplante Bauvorhaben vorzuziehen und begonnene zu beschleunigen.
400 Millionen Euro stehen für 19 neue Projekte bereit - fünf davon werden auf Autobahnen realisiert. So etwa der sechsspurige Ausbau der A 81 zwischen Böblingen und Gärtringen, ein gefürchtetes Nadelöhr am Südwest-Tor zu Stuttgart. Gleiches gilt für die A 10 zwischen Schwanebeck und Berlin-Weißensee. Und auch der Umbau des A 4-Autobahnkreuzes Aachen steht auf der Liste.
Auch die chronische Lkw-Parkplatznot soll kuriert werden
Mit insgesamt 130 Millionen Euro soll zudem ein Dauerübel auf deutschen Autobahnen kuriert werden - die chronische Lkw-Parkplatznot. Mindestens 14.000 Stellplätze fehlen entlang der Magistralen quer durch die Republik. In diesem Jahr werden 3.000 Lkw-Parkplätze neu angelegt - unter anderem auf den Autobahnen A1, A2, A7, A27 und A30.
Konjunkturpakete als Wunschkonzert des Straßenbaus? Nicht ganz, wie Skeptiker meinen. "Die Engpassbeseitigung und Lückenschlüsse im Autobahnnetz, deren Planung mehr Zeit beansprucht, kommen zu kurz", sagt ADAC-Verkehrsexperte Wolfgang Kugele. Doch das liege in der Natur der Sache, für alle Regionen konjunkturelle Belebung in absehbarer Zeit erreichen zu wollen.
Siegfried Brockmann, Chef der Unfallforschung der Versicherer, sieht gerade unter diesem Aspekt eine verpasste Chance: "Maßnahmen zur Erhöhung der Verkehrssicherheit sind völlig außen vor geblieben." Er hätte sich beispielsweise Mittel für mehr Schutzplanken an Bäumen oder für die bessere Absicherung von Kreuzungen und Einmündungen außerorts gewünscht. "Dort gibt es ein extremes Unfallgeschehen aufgrund von Abbiegekonflikten", weiß Brockmann. Zudem stünden zahllose Baumaßnahmen, die von den bundesweiten Unfallkommissionen zur Entschärfung von Gefahrenstellen vorgeschlagen seien, weiterhin im Investitions-Stau.
| Baden-Württemberg | |
|---|---|
| B 32/B 311 | Ortsumgehung Herbertingen |
| B 39 | Ortsumgehung Mühlhausen |
| B 292 | Ortsumgehung Adelsheim |
| B 294 | Ortsumgehung Elzach |
| B 312 | Ortsumgehung Reutlingen |
| B 462 | Ortsumgehung Dunningen |
| B 492 | Ortsumgehung Brenz |
| A 81 | Ausbau Böblingen-Hulb-Gärtringen |
| Bayern | |
| A 3 | Ausbau Helmstedt, Würzburg West |
| B 13 | Ortsumgehung Lehrberg |
| B 173 | Ausbau Johannisthal-Kronach |
| B 299 | Ortsumgehung Neumarkt-St.Veit |
| B 301 | Ortsumgehung Au |
| B 388 | Ortsumgehung Dirnaich |
| B 388n | Anbindung Flughafen |
| B 472 | Ortsumgehung Hohenpeißenberg |
| B 492 | Ortsumgehung Obermedlingen |
| Brandenburg | |
| B 1/B 5 | Ortsumgehung Herzfelde |
| B 194 | Ortsumgehung Königs Wusterhausen |
| A 10 | Ausbau Schwanebeck-Weißensee |
| Hessen | |
| B 38 | Ortsumgehung Reinheim |
| B 45/B521 | Ortsumgehung Nidderau |
| B 49 | Ausbau Tiefenbach-Leun, Beselich-Deponie Beselich, Solms-Kloster Altenberg |
| B 458 | Ortsumgehung Hilders/Wickers, Ortsumgehung Dipperz |
| Mecklenburg-Vorpommern | |
| B 96n | Ausbau Samtens-Bergen |
| B 194 | Ortsumgehung Loitz |
| Niedersachsen | |
| B 3 | Ortsumgehung Celle Südteil |
| B 3n | Ortsumgehung Neu-Wulmsdorf |
| B 27 | Ortsumgehung Waake |
| B 188 | Ortsumgehung Danndorf-Velpke |
| B 210 | Ortsumgehung Schortens |
| B 212 | Ortsumgehung Berne |
| B 442 | Ortsumgehung Eimbeckhausen |
| Nordrhein-Westfalen | |
| B 1 | Ausbau Salzkotten-Paderborn |
| B 8 | Ortsumgehung Düsseldorf-Wittlaer |
| B 58 | Ortsumgehung Wesel-Büderich |
| B 70 | Ortsumgehung Wettringen |
| B 525 | Ortsumgehung Nottuln |
| A 1 | Ausbau Donau-Ems-Kanal-Brücke – Münster-Süd |
| A 4 | Umbau Kreuz Aachen |
| A 524 | Ausbau Duisburg-Serm-Duisburg-Rahm |
| Rheinland-Pfalz | |
| B 10 | Ausbau Wallmersbach-Hinterweidenthal |
| B 48 | Ortsumgehung Enkenbach-Alsenborn |
| B 256 | Ortsumgehung Kruft |
| B 260 | Ortsumgehung Dausenau |
| Saarland | |
| B 51 | Ortsumgehung Besseringen |
| Sachsen | |
| B 96 | Westtangente Bautzen |
| B 169 | Ortsumgehung Stützengrün-Hundshübel |
| B 173 | Ortsumgehung Kesselsdorf |
| B 175/ B 189 | Ortsumgehung Waldenburg |
| B 178 | Ausbau Obercunnersdorf-Löbau |
| Sachsen-Anhalt | |
| B 2 | Ortsumgehung Wittenberg |
| B 6n | Ortsumgehung Köthen |
| B 81 | Ausbau Egeln-Nord – B 246 |
| B 188 | Ortsumgehung Oebisfelde |
| Schleswig-Holstein | |
| A 23 | Lückenschluss Itzehoe |
| Thüringen | |
| B 93 | Ortsumgehung Gößnitz und Löhmigen |
| B 247 | Ortsumgehung Worbis-Wintzigerode |




