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Stromversorgung Elektromobilität

Erst Öko-Strom macht E-Autos sauber

Elektromobilität, Öko-Strom, Ladestation Foto: ams 9 Bilder

Die Elektromobilitäts-Welle rollt an. Doch sind E-Autos wirklich eine saubere Alternative? Nur wenn Ökostrom aus der Steckdose kommt. Und davon ist bereits heute reichlich vorhanden. Eine Bestandsaufnahme.

10.08.2010 Brigitte Haschek

Bundesumweltminister Norbert Röttgen sieht die Weichen gestellt: "Die E-Mobilität entscheidet sich in ihrer CO2-Bilanz daran, ob sie mit regenerativem oder mit konventionellem Strom realisiert wird." In der Verknüpfung von erneuerbaren Energien, Stromerzeugung und Elektromobilität liege der Schlüssel dafür, dass Elektroautos in Zukunft einen wichtigen Beitrag zur CO2-Reduktion leisteten.

Elektrofahrzeuge müssen CO2-frei sein

Sein Kabinettskollege Peter Ramsauer bringt das auf die schlichte Formel: "Elektrofahrzeuge müssen CO2-frei sein." Der zusätzliche Strom müsse vollständig aus regenerativen Energiequellen kommen, stellte der Bundesverkehrsminister klar. Ramsauer, Schirmherr und Finanzier des unlängst angelaufenen Forschungsprojekts "Elektromobilität in Modellregionen", hatte dies als eine der Förderungsvoraussetzungen für die acht Städte und Ballungsräume festgezurrt, die jetzt mit von der Partie sind. Sie sollen die Elektrifizierung des Straßenverkehrs von Rollern über Autos und Kleintransporter bis zu Bussen in den nächsten Jahren vorantreiben - eingebettet in den großen "Nationalen Entwicklungsplan Elektromobilität", der mit freundlicher 500-Millionen-Euro-Unterstützung aus dem Konjunkturprogramm II bis 2020 Meilensteine setzen will: Zu diesem Zeitpunkt sollen eine perfekte Ladeinfrastruktur aufgebaut sein und eine Million Elektrofahrzeuge auf deutschen Straßen rollen.

Erneuerbare Energien sind in der Lage, den Strombedarf einer Elektroautoflotte abzudecken

Und wo kommt der Strom dann tatsächlich her? Stammt er nämlich aus konventionellen Kraftwerken, gerät die Elektromobilität zur Mogelpackung für den Klimaschutz, so viel ist klar. Denn lädt ein Elektrofahrzeug mit dem derzeitigen durchschnittlichen deutschen Strommix seine Akkus, so liegt seine Treibhausgas-Bilanz mit 107 Gramm CO2-Äquivalent pro Kilometer nur
geringfügig unter dem Niveau eines vergleichbaren Verbrennungsmotors. Stammt der Fahrstrom hauptsächlich aus Kohlekraftwerken, schneidet der Verbrennungsmotor im Vergleich zum Elektroantrieb in Sachen CO2 sogar besser ab. Gefahr erkannt, Gefahr gebannt? "Die erneuerbaren Energien sind spielend in der Lage, den Strombedarf einer rasch wachsenden Elektroautoflotte abzudecken", sagt Jörg Mayer, Geschäftsführer der Agentur für Erneuerbare Energien. Dazu bräuchte man keine Kapazitäten von Großkraftwerken vorzuhalten. "Schon ein Bruchteil der regenerativ erzeugten Strommenge reicht aus, um zehn Millionen Elektrofahrzeuge vollständig CO2-neutral zu betreiben", so Mayer. Im Jahr 2020 hätten eine Million E-Fahrzeuge einen Strombedarf von rund 1,82 Milliarden kWh - das entspricht 0,3 Prozent des Bruttostromverbrauchs des Jahres 2009 und ist weniger, als alle bis dato in Deutschland verkauften Flachbildschirme verbrauchen.

In zehn Jahren soll Ökostrom 30 Prozent des Verbrauchs decken

Dem Strombedarf von 1,82 Milliarden kWh der E-Flotte in zehn Jahren steht eine prognostizierte Stromerzeugung aus erneuerbaren Energien von 209,2 bis 278,4 Milliarden kWh gegenüber. Laut Ausbauziel der Bundesregierung liegt der Anteil am deutschen Strommix dann bei 30 Prozent. Die Agentur für Erneuerbare Energien rechnet sogar mit 47 Prozent. Selbst ein Ökostrom-Anteil von knapp einem Drittel zur Versorgung von einer Million E-Fahrzeugen bewirkt eine Treibhausgas-Einsparung von 1,14 Millionen Tonnen. Bislang wird Solar- und Windstrom in das bestehende Stromnetz eingespeist und direkt verbraucht. Je nach Wetterlage und Region ist allerdings schon heute der Anteil insbesondere von Windstrom zeitweise zu hoch. Die Netzbetreiber schalten die Windanlagen dann kurzerhand ab, wenn die Netzkapazitäten nicht ausreichen, um den sauberen Strom zu den Kunden zu transportieren - eine Verschwendung natürlicher Energie erster Güte.

Es fehlen vor allem Anlagen, die in der Lage sind, Ökostrom zu speichern

Vor dem Hindergrund der Ausbauziele für den Anteil erneuerbarer Energien am Strommix wird sich diese Problematik verschärfen, denn die Erneuerung der Stromnetze hält mit dem rasanten Vormarsch regenerativer Energielieferanten nicht Schritt. So fehlen etwa Leitungen, clevere Steuerungen der Stromnachfrage und vor allem Anlagen, die in der Lage sind, Ökostrom zu speichern, um ihn in wind- und sonnenarmen Zeiten dann wieder ins Netz einzuspeisen. Hier setzt die Ökostrom-Branche große Hoffnungen in Elektrofahrzeuge: Sie könnten als Stromspeicher fungieren, Spitzen in der schwankenden Einspeisung von Wind-und Solarstrom abnehmen und bei Bedarf ins Netz zurückführen. Doch bis dahin ist es noch ein weiter Weg.

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