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Student baut Elektro-Fahrzeuge

Das Energie-Bündel

Elektro-Umbauten, Felix Ballendat, Fahrzeuge Foto: Beate Jeske 9 Bilder

Der 24-jährige Student Felix Ballendat baut nahezu alles, was ihm in die Hände kommt, zum Elektromobil um. Wie macht er das? Und vor allem: Was treibt ihn um und an?

21.11.2013 Thomas Fischer

Dem Ingeniör ist nichts zu schwör", meinte schon Comic-Held Daniel Düsentrieb, der seine in einer Garage ausgeheckten Erfindungen stets aus Spaß an der Freude machte und nie aus kommerziellem Interesse. Heraus kamen dabei so irrwitzige Kreationen wie der Brotschmierapparat, das tragbare Loch oder ein Telefon mit eingebautem Bügeleisen.

Felix Ballendat, 24, aus Simbach am Inn ist auch ein Erfinder, der in einer Garage experimentiert – mit Werkstattanbau, 50 Meter schräg gegenüber vom Elternhaus. Und wohnt seinen Ideen nicht auch Düsentriebscher Esprit inne? Einen Rasenmäh-roboter hat der junge Bursche gebaut, eine Getränke-Ausschankmaschine, eine fahrbare Bierkiste mit Elektroantrieb und einen Stirling-Motor, der von der Abwärme eines heißen Kaffeebechers angetrieben wird. Garagen scheinen ein guter Nährboden für Kreativität zu sein. Haben nicht Hewlett und Packard oder Steve Jobs so angefangen, damals in Palo Alto, als noch keiner vom Silicon Valley sprach und Apple von den meisten Menschen noch für eine Frucht zum Reinbeißen gehalten wurde?

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Reportage Student baut Elektro-Fahrzeuge Das Energie-Bündel
auto motor und sport 22/2013
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Elektrisches Bierglas-Board

Auch Früchtchen Felix ist am glücklichsten, wenn er in seinem Laboratorium werkeln kann. Von der Decke baumeln selbst gebastelte Flug- und Fahrzeugmodelle, in der Ecke liegen ein im Umbau befindliches Elektro-Bike ("läuft 50 Spitze") und ein in Einzelteile zerlegtes Windrad. In der Mitte des Raums steht ein Arbeitstisch mit Computer und drumherum U-förmig angeordnet Werkbänke, Rollcontainer und alle Utensilien, die der Jung-Erfinder so braucht.
Als Reporter und Fotografin zum Hausbesuch erscheinen, sitzt Felix in diesem Think-Tank. Er hat zuvor den selbst konstruierten 3D-Drucker mit den Daten des auto motor und sport-Logos gefüttert und lässt jetzt aus einem Kunststoffteil kleine Schlüsselanhänger modellieren, die er zur Begrüßung überreicht. Felix hat’s auch ein paar Nummern größer: Nebenan in der Garage parken seine spektakulärsten Objekte: ein auf Elektroantrieb umgebautes Honda-Motorrad und ein BMW Z3, den er ebenfalls eigenhändig zum E-Mobil umkonstruiert hat. Dahinter: eine Fahrrad-Rikscha mit Elektroantrieb – vornehmlich genutzt, um mit der Freundin auf Partys zu düsen.

Felix ist kein Streber, sondern ein lebenslustiger junger Mann, der auch gerne mal ein Weißbier trinkt, wie die leeren Kisten in seinem Jugendzimmer beweisen. Noch typischer aber ist das per Elektromotor hoch- und runterfahrbare Bierglas-Regal hinter seiner Couch. Gleich daneben hängt eine selbst gefertigte Wanduhr, gegenüber eine Vitrine voller Metallbaukunst. Nicht übel für einen, der mit Realschul-Abschluss begann. "Dreieinhalb Jahre Lehre zum Zerspanungstechniker bei FACC in Österreich gaben den Impuls, meine Stärken auszuloten", sagt Felix rückblickend. Der Junge entdeckt seine Liebe zur Mechanik, schließt als Jahrgangs-Bester Oberösterreichs ab.

In 3 Monaten wird ein Z3 zum Elektro-Roadster

Talent ist ihm in die Wiege gelegt und wird früh gefördert. Mit sechs Jahren bekommt Felix zu Weihnachten seine erste Werkbank. Später baut er Lego-Autos mit Fernsteuerung am Fließband. Macht nach der Lehre sein Fachabitur und studiert jetzt in München im dritten Semester Maschinenbau. Mit 21 kauft er für 150 Euro eine Unfall-Honda NSR 125 und rüstet sie im Abi-Jahr zum E-Bike um: 15 kW Dauerleistung, 70 Kilometer Reichweite – eine Fingerübung für das nächste Projekt, das eigene Elektroauto.

Er kauft für 4.000 Euro einen betagten BMW Z3 und verbringt die ersten Tage damit, das Auto zu inspizieren. Er liest keine Fachliteratur, schaut keine Konstruktionspläne an, seziert den Roadster mit den Augen und schreitet zur Tat. Er investiert alle Ersparnisse aus der Lehre sowie das Erbe von der Oma, insgesamt 25.000 Euro, davon 13.000 für die aus China importierten Lithium-Eisen-Phosphat-Akkus, baut E-Motor samt Steuerung, bringt den Wagen durch den TÜV. Er braucht dafür nur drei Monate zwischen Abi und Studienbeginn.

Umbau zum E-Auto: Learning by doing

"Probieren geht bei mir über Studieren", sagt Felix. Versuch und Irrtum ist sein Motto. "Daraus lernt man das meiste." Und: "Ich mache nie zwei Mal das Gleiche." Improvisation ist sein Begleiter: Aus den Drähten eines alten Heizstrahlers baut er einen Wärmetauscher für die E-Auto-Heizung. Mit dem Wagen – 200 Kilometer Reichweite, 30 kW Dauer- und 65 kW Spitzenleistung hat er schon 6.000 Kilometer zurückgelegt.

Auch die IAA in Frankfurt hat er besucht. An den dort gezeigten E-Autos lässt er kein gutes Haar. "Das ist nicht Stand des Machbaren. Ein E-Auto muss um die Akkus herum gebaut werden, und Knöpfe im Innenraum braucht kein Mensch mehr." Tesla sei auf dem richtigen Weg. "Aber selbst der Model S ist zu groß und zu schwer." Auch der BMW i3 könnte seiner Meinung nach revolutionärer sein. Das Interesse von BMW, ihn von der Uni weg für die Entwicklungsabteilung zu verpflichten, lässt ihn kalt.

"Mein Studium ist wichtiger. Ich will unbedingt den Doktor machen." Und dann? "Eine eigene Firma. Aber nichts mit Autos. Ich träume den Traum vom Fliegen."

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Dieser Artikel stammt aus diesem Heft
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