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Studie zu US-Marktabschottung

Einfuhrzölle könnten Gewinne und Jobs vernichten

Flagge Fahne USA Foto: Ford 50 Bilder

Setzt die amerikanische Regierung ihre Ankündigung um, hohe Einfuhrzölle auf Fahrzeugimporte in die USA zu erheben, würde diese genau das Gegenteil von dem bewirken, was sie eigentlich beabsichtigt. Das ist das Ergebnis einer Studie der Unternehmensberatung Roland Berger.

13.03.2017 Uli Baumann 1 Kommentar

Die Roland Berger-Experten haben die Folgen der Einfuhrzölle für die Autoindustrie auf Basis der Geschäftszahlen von 2015 durchgerechnet. Ergebnis: "Durch die zusätzlichen Herstellungskosten würden fast alle Hersteller auf dem amerikanischen Markt Verluste verbuchen", prognostiziert Wolfgang Bernhart. "Selbst amerikanische Autobauer würden in ihrem wichtigen Heimatmarkt so viel Gewinn verlieren, dass sie global gesehen in die Verlustzone abrutschen würden." Die Produktion in die USA zu verlagern, löst das Kostenproblem auch nicht: Abgesehen von den hohen Kosten für den Aufbau der Produktionskapazitäten, können kleine und Mittelklasse-Fahrzeuge in den USA schon heute nicht kostendeckend produziert werden.

Alle Autos würden teurer

"Im besten Fall werden die angekündigten Zölle zum Nullsummenspiel", sagt Bernhart. "Wahrscheinlicher sind jedoch ein massiver Druck auf die Margen der Hersteller, sinkende Verkaufszahlen und dadurch ein langfristiger Stellenabbau in der amerikanischen Autoindustrie." Denn sollten die Zölle tatsächlich eingeführt werden, würden die Herstellungskosten für in den USA verkaufte Fahrzeuge im Schnitt um 3.300 Dollar steigen. "Selbst bei Modellen der amerikanischen Hersteller würde der hohe Anteil importierter Komponenten Mehrkosten von durchschnittlich 1.500 Dollar verursachen", erläutert Bernhart. Bei asiatischen Fahrzeugen wären es 2.000 Dollar, bei europäischen Modellen 5.300 Dollar und bei reinen Importeuren würden die Kosten sogar um 6.400 Dollar pro Fahrzeug steigen.

Auch die Hoffnung, dass die geplante Senkung der Einkommensteuer in den USA die Kauflust der Endkunden ankurbeln könnte, ist trügerisch: Die höheren Preise für die Fahrzeuge würden die Steuervorteile eines amerikanischen Durchschnittshaushalts fast komplett auffressen. Insgesamt erwarten die Roland Berger-Experten in ihrer Studie daher negative Auswirkungen auf die Autoindustrie durch die Einfuhrzölle: Sinkende Absatzzahlen und Margen sowie in der Folge Arbeitsplatzverluste, zunächst bei den Zulieferern, mittel- und langfristig auch bei den Herstellern.

Großer Stellenabbau in den USA zu befürchten

Die geplanten protektionistischen Maßnahmen würden somit genau das Gegenteil von dem bewirken, was eigentlich bezweckt wird, und damit die positiven Entwicklungen der vergangenen Jahre zerstören: "Die amerikanische Automobilproduktion hat nach langer Durststrecke wieder ihren Höchststand von Anfang der 2000er Jahre erreicht", erklärt Bernhart. "Alle großen Hersteller produzieren heute den überwiegenden Teil ihrer Fahrzeuge für den nordamerikanischen Markt in den USA und haben dort viel mehr investiert als in Mexiko oder Kanada." In manchen Fällen, vor allem bei Kleinwagen, sei jedoch eine Produktion in den USA schlicht nicht kostendeckend und daher eine Produktionsverlagerung zum Beispiel nach Mexiko unvermeidlich.

Seit der Wirtschaftskrise 2009 wächst auch die Zahl der Jobs in der amerikanischen Autoindustrie wieder. Dass in den neun Jahren vorher (2000-2009) rund 600.000 Arbeitsplätze verlorengegangen sind, hat wenig mit den Verlagerungen nach Mexiko zu tun: Dort entstanden in derselben Zeit nur rund 100.000 neue Jobs. Den Hauptgrund für den Arbeitsplatzabbau sieht Bernhart vielmehr in einem Strukturwandel: "Wie in anderen Ländern und Branchen gehen auch in der amerikanischen Automobilindustrie Jobs verloren, weil der Grad der Automation und damit die Produktivität steigt. Daran ändern die geplanten Einfuhrzölle nichts – im Gegenteil: Sie belasten die Unternehmen und Verbraucher in den USA mit zusätzlichen Kosten. Die Folge werden sinkende Fahrzeugverkaufszahlen, niedrigere Einnahmen und ein erneuter Stellenabbau in der lokalen Automobilindustrie sein."

Neuester Kommentar

Gegen weltwirtschaftliche Megatrends helfen erwartungsgemäß keine Mauern und Zölle! Der Wohlfahrtsverlust wird nicht auf die Autobranche beschränkt bleiben, denn auch die amerikanische Luftfahrtindustrie, Anlagenbau, Elektronik und weitere sind eng mit Mexiko verflochten.

DIETPOLENZ 13. März 2017, 17:34 Uhr
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