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Studie zu Brexit-Folgen

Britische Autoindustrie gefährdet

Brexit Foto: Swiss Resource Capital AG 34 Bilder

Die Wirtschaftsprüfungs- und Beratungsgesellschaft PricewaterhouseCoopers (PwC) kommt in einer aktuellen Analyse zu dem Schluss, dass die Autoproduktion auf der Insel bis 2022 im schlimmsten Fall unter eine Million Fahrzeuge sinken könnte.

09.12.2016 Uli Baumann 1 Kommentar

Das wäre ein Einbruch von rund 50 Prozent verglichen mit 2016, das mit 1,81 Millionen produzierten Fahrzeugen eine Rekordmarke setzen könnte. „Falls die britische Automobilwirtschaft den ungehinderten Zugang zum EU-Binnenmarkt verlieren sollte, wären die Folgen gravierend. Dann droht ein Szenario wie in den 1980er- und 90er-Jahren, als die Autoindustrie in Großbritannien schon einmal durch eine tiefe Krise ging“, sagt Christoph Stürmer, PwC Autofacts Global Lead Analyst.

Noch stimmt der Absatz

Noch hätten sich die Autobauer nicht einheitlich positioniert und so auch noch keine klaren Signale an die britische Regierung gesendet. Je länger die Verhandlungen dauerten, so Stürmer, desto größer werde die Unsicherheit. Das könnte dazu führen, dass Investitionen immer weiter aufgeschoben oder sogar komplett gestrichen werden.

Noch scheint der Brexit auf die autobranche keinen Einfluss zu haben. Für dieses Jahr geht PwC Autofacts für Großbritannien von 2,69 Millionen verkauften Pkw aus, was ein Plus von noch 2,2 Prozent im Vergleich zu 2015 bedeuten würde. Und auch für das nächste Jahr rechnet PwC immerhin noch mit einem Zugewinn von 0,5 Prozent. Im Export kommt den Herstellern zudem der durch das Brexit-Votum verursachte Wertverlusts des Pfunds zugute. Allerdings zeigt diese Entwicklung auch schon ihre Kehrseite: Die britischen Autobauer beziehen viele Teile von Zulieferern aus dem Euroraum. Dementsprechend sind die Beschaffungskosten zuletzt bereits deutlich gestiegen.

2019 wird das Jahr der Entscheidung

Die entscheidenden Jahre dürften 2018 und 2019 werden. Denn dann gehen die Brexit-Verhandlungen in ihre finale Phase. Im besten Falle werden die Hersteller trotz des Brexit den ungehinderten Zugang zum europäischen Binnenmarkt behalten. Das hieße, dass die ursprünglich geplanten Investitionen bald freigegeben werden – und die Produktion nach zwei auch konjunkturbedingt etwas schwächeren Jahren 2020 wieder richtig anzieht. In diesem Szenario hält es Stürmer sogar für möglich, dass 2022 in Großbritannien erstmals überhaupt mehr als zwei Millionen Fahrzeuge vom Band laufen.

Das Basis-Szenario geht davon aus, dass die britische Wirtschaft ihre Produkte zwar nicht mehr ungehindert in die EU exportieren darf – aber die Automobilindustrie eine Art Sonderstatus erhält. In diesem Fall dürfte die Autoindustrie zunächst einmal in eine leichte Rezession rutschen, bevor sich die Produktion Anfang des 2020er bei etwa 1,7 Millionen Fahrzeugen allmählich stabilisiert.

Im „Downside“-Szenario hingegen wird die EU den Briten nur noch den Meistbegünstigungs-Status nach den Regeln der Welthandelsorganisation zugestehen. Für diesen Fall rechnet PwC Autofacts mit einem strukturellen Rückgang, der schließlich dazu führen könnte, dass die Zahl der auf der Insel hergestellten Fahrzeuge 2022 unter die Eine-Million-Grenze rutscht. Dieser schnelle Rückgang ist insbesondere dadurch bedingt, dass auf Markenebene für 75 Prozent der in Großbritannien produzierten Fahrzeuge korrespondierende Kapazitäten in der EU bzw. Türkei installiert sind.

Neuester Kommentar

"Im besten Falle werden die Hersteller trotz des Brexit den ungehinderten Zugang zum europäischen Binnenmarkt behalten." - wenn genau dass die Leute in Brüssel machen würden, würde es das Ende der EU bedeuten, denn warum soll ein "reiches" Land EU-Mitglied sein, wenn es ohne Mitgliedschaft im zentralem wirtschaftlichen Punkt keine Nachteile hätte.

cap0815 11. Dezember 2016, 16:34 Uhr
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