Eine rund einen Kilometer lange Allee führt zu den weißverputzten ehemaligen Wirtschaftsgebäuden im kapholländischen Stil. Seit immerhin 300 Jahren werden hier Reben kultiviert und Wein gekeltert. Mittlerweile hat auch ein Fünfsterne-Hotel Einzug gehalten. "Oh look, a Jag", kommentiert eine etwa 50-jährige Lady mit Blümchenkleid und weißem breitkrempigem Hut anerkennend die Ankunft des E-Type.
Zwischen all den neuen Mercedes E-Klassen, Range Rover und Jaguar XJ repräsentiert der Oldie eine glanzvolle Zeit. Auch wenn der Fuhrpark auf dem Parkplatz das Gegenteil signalisiert: Für europäische Verhältnisse ist das Hotel vergleichsweise günstig. Ab 120 Euro pro Person und Nacht ist man dabei.
Weinprobe gehört dazu
Zum Pflichtprogramm auf Lanzerac gehört natürlich die Weinprobe. Sommelier Manie arbeitet seit 40 Jahren auf dem Weingut und führt die Gäste durch die Gänge zwischen den Holzfässern. Pinotage, eine heute für Südafrika typische Rebsorte, wurde 1961 auf Lanzerac zum ersten Mal gekeltert. Auf der Weinliste ist der kräftige Rotwein aber nur einer von vielen edlen Tropfen. Getoppt wird das Gesamtpaket am Abend im Restaurant. Im Governors Hall umweht uns der Charme eines englischen Herrenhauses. Das Angebot auf der Speisekarte lässt den Gast kritsch zur Spalte mit den Preisen schielen. Kurz werden Rand in Euro umgerechnet: Kann das sein? Ja, es kann. Ein First-Class-Menü gibt es in Südafrika zu einem Preis, der in Deutschland in der Pizzeria um die Ecke fällig wäre. Doch als am nächsten Morgen der Blick auf den in der Morgensonne wartenden E-Type fällt, locken schon wieder die nächsten Genüsse. Dach runter, Schlüssel drehen und weiter.
Ab in die Berge
Östlich von Stellenbosch zeigt sich, dass die Kapregion wirklich Europa im Miniaturformat ist. In engen Kehren schlängelt sich die alte Passstraße in die Höhe. Franschhoekpass und Toitskloftpass sind zwei der bekannteren Bergstrecken, die an Wochenenden von Motorradfahrern frequentiert werden. Unter der Woche herrscht Ruhe. Man genießt den Fahrtwind, der ungebändigt von modernem Schnickschnack wie Windschotts den Kopf umströmt. Der Weg wird zum Ziel.
Warum nicht noch einmal umdrehen und den Pass erneut bezwingen? Die Landschaft kann süchtig machen, doch irgendwann mahnt der Blick auf die Uhr zur Umkehr, Kapstadt ruft, und bei Nacht ist Autofahren in der Umgebung der Metropole kein Vergnügen. Zahlreiche Fußgänger spazieren neben und auf der Schnellstraße, dazu kommen unbeleuchtete Fahrzeuge.
Besser, man erlebt den Sonnenuntergang an der Waterfront, dem herausgeputzen Hafenviertel. Hier reihen sich Restaurants und Bars aneinander. Auch wenn viele Südafrika-Fans das Viertel als Touristennepp brandmarken: Zumindest einen Abend sollte man hier verbringen, man muss ja nicht im echt bayerischen Biergarten einkehren. Wer will eine Reise in einem E-Type schon stillos beenden?


