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Sunbeam Tiger

Erster Teil der Sunbeam Tiger-Restaurierung

Sunbeam Foto: Motor Klassik 6 Bilder

Reinhold Ziegler hat einen Sunbeam Tiger in der Garage stehen und will diesen nun wieder flott machen. Hier die Geschichte des Autos und eine erste technische Bestandsaufnahme des Autos, das öfter in der Werkstatt als auf der Straße überholt wird.

14.07.2009 Powered by

Es war einmal..., so könnte ich heute anfangen, denn ich will kurz in die Historie meines neuen Restaurierungsobjektes einsteigen, aber ich muss zugestehen, dass ich selbst nicht so genau weiß, was da eigentlich einmal war. Verzweigte Automobilstammbäume sind Dinge, die mich nicht sonderlich interessieren, vor allem dann nicht, wenn ich das Auto nur vom Papier her kenne.

Nun liegt die Sache mit dem Tiger ja ein bisschen anders, der Wagen steht wirklich unten in meiner Werkstatt, also habe ich es auch auf mich genommen, in der dazugehörigen Literatur zu blättern. Empfehlenswerte Literatur: Tiger, Alpine, Rapier von Richard Langworth, Osprey 1982, GB; Te making of a Sports Car von Mike Tylor, Gentrey-Books 1980, USA. Nervt aber jetzt bitte nicht wieder unsere Churchie (das ist unsere Sekretärin, wie Motor Klassik-Stammleser längst wissen) mit dummen Anfragen, woher ihr die Bücher bekommen könnt. Bücher bekommt man in Buchhandlungen, und ausländische Bücher bekommt man in ausländischen Buchhandlungen, auf Oldtimermärkten, per Versand, von Freunden oder, oder, oder... Ein bisschen selber denken müsst ihr schon auch noch.

Sunbeam ist eine englische Firma

Ich mache also die Sache mit der Historie jetzt so kurz, dass sich niemand langweilt, aber trotzdem lang genug, damit ihr kennenlernt, mit wem wir es die nächsten ein, zwei Jahre zu tun haben. Sunbeam ist eine englische Firma, die zur Rootes-Gruppe gehörte. Für England war Rootes so etwas wie GM für die Staaten. Mit Sunbeam verbunden war die französische Firma Talbot, weshalb in manchen kontinentalen Fahrzeug-Papieren auch als Hersteller Sunbeam-Talbot (GB) angegeben ist.

Von Sunbeam erschien im Jahre 1955 ein Wagen namens Rapier, der durch die Jahre vom Mark I bis zum Rapier Mark V con 1967 gebaut wurde. Der Rapier war eine recht hochbeinige Sportlimousine (auch ein paar Cabrios wurden produziert), die mit robuster, solider, moderner Technik in England seine Käufer fand. Einige Exemplare wurden zunächst privat für den Renneinsatz hergenommen, später erkannte man auch bei Rootes, dass der Wagen recht gut lag und schnell war und führ speziell bei Rallyes so manchen Sieg nach Hause.

Nun war der alte Lord Rootes ein recht begeisterter Anhänger des American Way of Drive, und es ließ ihm keine Ruhe, dass man drüben, in den Staaten, offene Sportwagen verkaufen konnte, die in Great Britain produziert waren - Firmen wie Austin-Healey, Triumph, MG und Jaguar machten es ihm ja vor. Er beauftrage also einen seiner Designer, Ken Howes, einen Amerika-erfahrenen Engländer, um die Rapier-Technik herum einen Wagen zu stricken, mit dem man nicht nur von London nach Coventry sondern auch von LA nach New York käme. Das war Anfang 1957. Howes und sein Assistent Roy Axe strickten um die bewährte Technik eine Roadster (oder sagen wir um Streit zu vermeiden, ein Cabrio), der sich sehen lassen konnte.

Der Sunbeam hatte Kurbelfenster, Heckflossen und ein praktisches Verdeck

Als Zugeständnisse an kontinentale und vor allem amerikanische Komfortbedürfnisse war der Sunbeam Alpine I, so hieß der Wagen, mit einigen Dingen versehen, die bei gläubigen British-Roadster-Fans nur Verwunderung und Ablehnung auslösen konnten: Der Wagen hatte einen besseren cw-Wert als der MAG und der Triumph TR 3. Er hatte Kurbelfenster, angedeutete Heckflossen und ein Verdeck, das sich völlig englisch-untypisch tatsächlich in ein paar Minuten öffnen und schließen ließ und in geöffneten Zustand nicht abgeknöpft wurde, sondern in einem dafür vorgesehenen Karosserieausschnitt verschwand.

Rootes hob damals in der Werbung sehr hervor, dass im Gegensatz zu Chassis/Aufbau-Konstruktionen, der Alpine durch seine selbsttragende Konstruktion äußerst verwindungssteif sei. Tatsächlich erhält der Wagen diese Steifigkeit durch einen gewaltigen Kreuzrahmen unter dem Boden und einem Überbau in Kastenform, gebildet durch sehr hohe Schwellerkästen und einen niedrig liegenden, mittragenden Boden.
In allen Fahrberichten und Vergleichen wird die Verwindungssteifigkeit des Alpine gelobt, ja selbst, als ein paar Jahre später der V8-Motor seinen Weg in das Alpine-Gehäuse fand, musste am Blech und am Fahrwerk selber nur sehr wenig geändert werden - der Wagen war in seiner ursprünglichen Ausführung gut für mehr als 200 PS.

Der Sunbeam Alpine hatte rund 80 PS

Der Preis für das kreuzbrave Auto betrug 1959 lächerliche 972 £. Von 1960 bis 1968 wurden insgesamt 69 251 Alpine mit Vierzylinder-Motor gebaut.
Alles sprach also für den Sunbeam Alpine, wäre er eben nur nicht so kreuzbrav gewesen. Seine zunächst rund 80 PS waren im Zeitalter der aufkommenden US-Muscle cars nicht geeignet, dem autobegeisterten Ami seine Erdnussbutter vom Brötchen zu ziehen.
Am meisten litten darunter Leute wie Stirling Moss und Jack Brabham, die den Alpine immer wieder bei Rennen einsetzten - und öfter, als ihnen lieb war, von stärkeren Konkurrenten unbarmherzig abgehängt wurden.

Ian Garrad, der amerikanische West-Coast-Vertreter von Sunbeam, brachte schließlich den Stein in rollen - er entschloss sich, einem Alpine mit Hilfe eines fremden Motors die nötigen zusätzlichen PS einzublasen. Pläne wurden geschmiedet. Könnte nicht der alte Enzo... dessen 1.9 Liter DOHC-V6 hätte wahrscheinlich recht gut unter die Alpine-Haube gepasst, powered by Ferrari wäre in Amerika gut zu verkaufen gewesen. Aber Enzo stieg nach ein paar Verhandlungen aus, der weiterentwickelte Motor befeuerte später die beiden Dinos und den Stratos. Also wurde weiter nach einem Motor gesucht.
Alfa-Motoren waren im Gespräch, der V8 des englischen Daimler Dart und viele andere.

Jack Brabham war es schließlich, der Garrad auf den neuen kleine V8 von Ford aufmerksam machte. Der Motor war damals ein Wunder an Gewicht und Größe, und nach genauem Vermessen stellte sich heraus, dass er tatsächlich mal gerade so unter die Haube des Alpine passen würde.

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