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SUV auf dem Autosalon Paris

Scharfe Kanten, Sex und Vernunft

SUV-Rundgang Autosalon Paris Foto: Markus Stier 48 Bilder

Die SUV-Branche erfreut sich immer noch wachsender Beliebtheit. In Paris tummelte sich alles vom hochgelegte Kombi, über Kleinstwagen auf größtem Fuß bis zu wüsten Offroad-Studien im Sportwagengewand.

02.10.2014 Markus Stier

Wer durch die Hallen von Paris wandelt, ohne in der tropischen Hitze, der erdrückenden schwüle und der abgeatmeten Luft aus den Stiefeln zu kippen, ist schon eine Art Held. Was aber zum Echte-Kerle-Ambiente noch fehlt ist eine Hostess, die Sand und Steine streut, um sich von SUV zu SUV vorzuarbeiten. Zumindest könnte die Neuheiten- und gemäß einem neuen EU-Gesetz demnächst alle asphaltierten Straßen abgerissen werden.

Die Legende sagt, dass Audi der Allroad-Quattro eigentlich ein bisschen peinlich ist, und man ihn am liebsten eingestellt hätte, stattdessen präsentieren die Ingolstädter einen facegelifteten Allroad Quattro. Skoda hat mit dem Octavia Scout längst einen geländegängigen Transporter, jetzt hat auch Seat mit dem Leon X-Perience seinen Sandkasten-Kombi. Da darf natürlich die Konzernmutter nicht zurückstehen. Der Golf Alltrack meistert künftig nicht nur vereiste Garagenauffahrten, sondern auch die Kleinbeete im Schrebergarten. Peugeot kontert mit dem überarbeiteten 508 RXH.

Offroad-Look muss stimmen

Es macht sich nicht jeder die Mühe, einen Allradantrieb zu montieren, mancher Hersteller glaubt, eine Dachbox oder und große Räder machen aus einem Van ein Abenteuergefährt. Citroën hat seinem Cactus einfach ein paar fette Offroadschlappen verpasst, ein bisschen Kriegsbemalung und eine Platikkiste auf dem Dach, schon ist man Lenker eines "Aventure". Ssangyong reißt immerhin an seinem Konzept-Car XIV das Dach fast komplett runter und brüstet sich, ab 2015 das erste Targa-SUV auf den Markt zu bringen.

Die Hersteller versuchen, die Grenzen verschwimmen zu lassen. Die Dacia-Modelle Loggy und Dokker stehen ein bisschen hochbeiniger da, tragen schwarze Kotflügelaufsätze und nennen sich Stepway. Der Dokker sieht weniger wie ein Expeditionsfahrzeug aus, eher wie eine Art Kangoo auf der Flucht. Der neue Renault Espace ist eher flach gebaut, ein TGV auf Rädern, aber damit keiner auf die Idee kommt, es handle sich um einen schnöden Van, trägt das Ausstellungsstück 20-Zoll-Räder.

Geländewagen, die auch Gelände wagen

Es geht allerdings auch andersherum. Was für Geschwulste hat Fiat unter dem gloriosen Namen Cinquecento (sprich: 500) in den vergangenen Jahren schon gebaut. Die jüngste Schöpfung heißt 500X und ist nicht nur durchaus gelungen, darunter steckt mit der Bodengruppe des Jeep Renegade ein mehr oder weniger echter Geländewagen.

Ein halber Geländewagen war der Land Rover Freelander. Der ist abgeschafft und als Discovery Sport wieder auferstanden. Auf der Bodengruppe des Evoque ist den Land-Rover-Designern ein Entwurf gelungen, der einerseits typische Gesicht der Marke trägt, andererseits aber durchaus Eleganz zeigt.

Der neue Kia Sorento will kein Konkurrent des Discovery sein, ist aber ein Beispiel, wie ein vormals eher kompakt wirkendes SUV immer mehr ausufert. Mit langem Heck und wuchtiger Schnauze, aus der eine Legion von kleinen Kunststoffrauten herausstarren, lässt der Sorento keinen Zweifel, dass er ein Großer sein will. Dabei kommt innen kein großzügiges Raumgefühl auf. Der neue Trend-Schnitt sind tief gezogene Dächer, im Sorento hängt der Himmel in der Ausführung mit Glasschiebedach erstaunlich niedrig.

Schiere Größe und pure Geilheit

Der Volvo XC90 dagegen lässt keinen Zweifel daran, dass er den großen Range Rover mickrig aussehen lassen will und einem Audi Q7 das Wasser abgraben möchte. Am Beispiel des mächtigen Schweden lässt sich feststellen, wie viel ein gutes Messestand-Konzept ausmacht. Von der Decke rieselt rund um den Stand angenehm kühler Wassernebel. Auf Großleinwänden laufen Bilder von verschneiten Wäldern, knallblauen Gletscherseen und Kaminfeuern. Sessel in Form von rundgelutschten Felsen laden zum Lungern ein, aus den Lausprechern tröpfelt ein Bach. Und in wenigen Minuten wird aus dem Messetrubel ein Zen-Tempel, und aus dem eigentlich viel zu klobigen Volvo ein stimmiges Konzept für eine Wellness-Festung. Das ist wahres Crossover.

Um das sich regende Umweltgewissen zu beruhigen, kann der SUV-Käufer bei zahlreichen Herstellern auf Hybrid-Antriebe zurückgreifen, egal ob mit dem Cayenne, dem Mitsubishi Outlander oder dem Lexus-Modell NX 300h.

Andere schüren mit wilden Studien die pure Geilheit. Nach der Giugiaro-Studie von VW rüsten diverse Hersteller zur Jagd über Stock und Stein, indem sie Offroad-Gefährte in Sportwagen-Karossen kleiden. Peugeot präsentiert mit dem Quartz eine Art Handfeuer-Waffe auf Rädern. Toyota stellte ein tolles blaues Coupé mit ein paar echt scharfen Kanten auf den Stand. Hyundai hatte sein SUV-Coupé Intrada schon in Tokio dabei, aber man entschied, dass sich Sex und Vernunft auch in Paris prima vereinen lassen. Der jüngste Coup von Konzern-Chefdesigner Peter Schreyer sieht vor dem Stamm-Café nicht nur sensationell aus, er kann auch ganz emissionsfrei mit Brennstoffzellenantrieb vorrollen. Wenn es jetzt noch einem Ingenieur gelänge, aus altem Asphalt Kraftstoff zu machen, stünde der SUV-Branche die goldenste Zukunft bevor.

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