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Historische SUV-Legende

Faszination Talbot-Matra Rancho

Talbot Madtra Rancho Foto: Hersteller 21 Bilder

Sport-Utlity-Vehicle sind ins Gerede gekommen. So schicken die Hersteller mit Modellen wie BMW X1, Toyota Urban Cruiser, Audi A4 Allroad oder Skoda Yeti eine neue, weich gespülte Garde ins Rennen um die ökologisch korrekte Käufergunst. Vor mehr als 30 Jahren war Talbot mit dem Rancho schon einmal so weit.

07.06.2009

Die französischen Autohersteller sind seit Jahrzehnten für Ihre Innovationsfreude bekannt. Kurvenlicht, hydro-pneumatisches Fahrwerk, Aerodynamikraffinessen oder LCD-Displays sind jedoch nicht die einzigen Mondlandungen in der Automobilwelt.

Matra Rancho ist SUV-Vorreiter

Während andere Hersteller erst in den letzten Monaten eine softe Mischung aus Geländewagen und Kombispaß in die eigenen Modellpaletten gebracht haben, war Talbot Ende der 70er Jahre ein echter Vorreiter für eine neue Fahrzeugklasse. Platz für die ganze Familie, zeitgemäße Technik und ein Hauch Abenteuerlust bot der Matra Rancho bereits vor mehr als drei Jahrzehnten. Der rustikale Charme wurde von Geländewagendetails wie Rammbügel, Zusatzscheinwerfern hinter Gittern oder einem zweiten Ersatzrad auf dem Dach (Sondermodell Grand Raid) unterstrichen.

Ebenso wie einige seiner Enkel hatte der allein frontgetriebene Rancho abseits von befestigten Straßen und Wegen an sich kaum etwas zu suchen. Auch wenn einem die gewohnt blumigen Print- und TV-Werbungen etwas anderes vorgaukeln wollten - der Matra Rancho konnte aufgrund fehlender Bodenfreiheit oder des bei der Entwicklung stecken gebliebenen Allradantriebs im harten Geläuf nichts bewegen. In einigen Ländern wurde der Rancho zumindest mit einer Vorderachssperre, einem Unterfahrschutz und grobstolligen Geländereifen ausgeliefert. Damit gab es zumindest im leichten Geläuf ein Fortkommen.

Kostensparende Technik im Matra Rancho

Ursprünglich sollte der Matra Rancho eine von Talbot neu entwickelte 4x4-Technik bekommen. Doch angesichts der immer größer werden Kosten zog die technische Leitung zur Mitte der Entwicklung die Notbremse. Der optische Offroad-Charme und ein Frontantrieb sollten reichen, um neue Kunden zu gewinnen. Doch weil der Rancho anders als die zumeist langweilige Kombi- und Limousinenkonkurrenz im Markt präsentiert werden sollte, spielte man zumindest auf Plakatwänden und Zeitschriften mit Lagerfeuer- und Abenteuerromantik. Der gleichen Mittel bedienen sich in diesen Tagen Crossover-Neuvorstellungen wie der BMW X1, der Audi A4 Allroad oder der Skoda Yeti.

Modelle wie der Toyota Urban Cruiser, der am Horizont schimmernde Mini SUV oder der Peugeot 3008 zeigen, dass Allradmodelle in Sachen Image längst in die Innenstädte dieser Welt Einzug gehalten haben. Im Gegensatz zu ihrem französischen Vorfahren wirken die neuen Modellkreationen nicht nur solider verarbeitet, sondern sind zumeist auch mit innovativer Allradtechnik ausgestattet.

Furchtbare Verarbeitungsqualität

In den 70er und frühen 80er Jahren hatten Marken die Simca und Talbot einen zweifelhaften Ruf. Fahrzeuge wie Bagheera, Murena oder eben der pseudo-rustikale Rancho galten als innovativ, doch die Verarbeitungsqualität der Modelle war grauenhaft. In den 70er Jahren herrschte in vielen Entwicklungsabteilungen der Autohersteller trotz anfänglicher Ölkrisen Goldgräberstimmung. Probieren geht über studieren brachte nicht selten Fahrzeuge abseits aller Car-Kliniken und Marktbefragungen hervor.

Kunstoffplanken machen den Matra Rancho zum SUV

So bekamen auch Entwickler und Designer im Hause Sima / Matra die gemeinsame Hausaufgabe, aus dem wenig schmucken Simca 1100 Pick Up ein sportlich-freizeitfähiges Familienmobil auf die Reifen zu stellen. Das gelang weniger mit einer kompletten Neukonstruktion als vielmehr mit einer Ansammlung von Kunststoffplanken, die den ehemaligen Pick Up deutlich bulliger und dynamischer erschienen ließen. Eine neue Autoklasse war geboren.

Seltene Matra Rancho Version

Ließ der Frontantrieb des Dreitürers jegliches Fortkommen im Gelände bereits bei der Idee verkümmern, so bot auch die Motorisierung des Franzosen wenig Innovatives. Der 4,33 Meter lange Offroad-Matra wurde von einem 80 PS starken Reihenvierzylinder mit 1,5 Litern Hubraum angetrieben, der in den 70er Jahre bereits in zahlreichen Konzernprodukten sein Unwesen trieb. Für den französischen Heimatmarkt wurde dem 1,2 Tonnen schweren Rancho mit dem Sondermodell ungewöhnlichen "DC - Decouvrable" eine offene Version ohne Seiten- und Heckscheiben vorgestellt.

Doch im Vergleich zu den bis 1983 verkauften rund 56.000 verkauften Matra Rachos war die im Heck offene Version äußerst selten. Die schlechte Verarbeitungsqualität tat ihr übriges, dass bis heute kaum mehr teil-fensterlose Fahrzeuge auf den Straßen Europas unterwegs sind.

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