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SUV-Pläne des VW Konzerns

Ab ins Gelände

Bernd Ostmann Foto: auto motor und sport 21 Bilder

Bernd Ostmann über die drastische Ausweitung des SUV-Angebots bei Volkswagen.

20.06.2014 Bernd Ostmann

Das Jahr 2016 wird das SUV-Jahr des VW-Konzerns, denn gleich sieben neue Modelle gehen an den Start – angefangen beim 3,86 Meter langen VW Taigun auf Up-Basis über den Audi Q1 mit einer Länge von 4,25 Metern auf A3-Basis, gefolgt von der Neuauflage des Q5 und einer zusätzlichen Coupévariante, die sich Q6 nennt. Ganz besondere SUV-Premieren feiern zudem Seat, Skoda und Bentley.

Der Seat-SUV im 4,50-Meter-Format spielt in der Wachstumsstrategie der spanischen Tochter eine wichtige Rolle. Mit Ibiza und Leon hat Seat nur zwei Säulen, von denen 2013 180.000 (Ibiza) und 104.000 Einheiten (Leon) gebaut wurden. Der SUV soll als dritte Säule "für eine nachhaltige Wachstumsstrategie sorgen", so ein Seat-Manager. Denn neben dem A-Klasse-Geländegänger, der mit Front- und Allradantrieb kommen soll, ist bereits eine kleinere Variante auf Ibiza-Basis angedacht.

Der Seat-SUV ist noch nicht auf dem Markt, da kommt schon eine globale Rolle auf ihn zu – Seat hat in China mit einigen Händlern zwei Jahre lang den Markt sondiert. Der Test zeigt, dass man auch hier eine sehr junge Klientel anspricht, aber er zeigt auch, dass ein Markteintritt nur bei lokaler Produktion Sinn macht. Nach 2016 könnte es so weit sein. Drei Modelle sind zum Einstieg geplant: die beiden SUV und eine Seat-Limousine. Die Entscheidung soll noch in diesem Jahr fallen.

Seat-SUV baut Skoda

Bei Seat im spanischen Martorell wurden 2013 insgesamt rund 390.000 Autos gebaut: 110.000 Audi Q3 und 280.000 Seat. Bis zum Ziel, 2018 mit 500.000 Seat-Modellen und einer Umsatzrendite von fünf Prozent zu glänzen, ist es noch ein weiter Weg.

Gerade wurde das Werk in Martorell mit dem Lean Award 2013 ausgezeichnet. Trotz hoher Modellvielfalt und einem geringeren Robotereinsatz im Vergleich zum VW-Stammwerk in Wolfsburg wird ein Leon heute in 18 bis 20 Stunden gebaut. Für den Q3 braucht man fünf Stunden länger, für den Ibiza dagegen immerhin fünf Stunden weniger.

Trotzdem haben die Spanier ihren SUV nach Tschechien verloren. Er wird zusammen mit dem Skoda Snowman, 4,6 Meter lang und siebensitzig, im tschechischen Kvasiny gebaut. "Aus Konzernsicht muss man die Entscheidung verstehen", so ein Seat-Manager. Kleines Trostpflaster für das spanische Team: Entwickelt wird ihr SUV im Heimatland. Und gleichzeitig wird die Entwicklungshoheit für den nächsten Yeti, der 2017/2018 kommt, auch bei Seat liegen.

Die Karosserie des neuen Bentley entsteht auch in Tschechien: in Bratislava. Allerdings wird es trotzdem ein echter Bentley werden, produziert im englischen Crewe. Dort wird nicht nur lackiert und zusammengeschraubt, sondern in einer Art Manufaktur-Produktion gearbeitet. Der Aufbau eines Mulsanne dauert beispielsweise 375 Stunden. Allein für das Picknick-Tischchen im Fond vergehen elf Stunden – fast so viel, wie man bei Seat für die Produktion eines Ibiza braucht.

Die Holzarbeiten mit Massivhölzern und Edelholzfurnieren dauern normalerweise fünf Tage, wenn nicht in aufwendiger Handarbeit noch feine Intarsien eingelegt werden. Für die Lederausstattung eines Mulsanne werden 13 bis 14 Bullenhäute aus Süddeutschland verarbeitet.

Bentley-SUV ab 200.000 Euro

Für den neuen Luxus-SUV, der in der Preisregion von 200.000 Euro starten dürfte, werden es nicht weniger sein. Allerdings dürfte seine Produktionszeit vergleichbar mit dem Flying Spur nur bei 125 Stunden liegen. Nach der Präsentation der SUV-Studie EXP 9F in Genf 2012 gab es Kritik am Design des Luxus-Geländewagens. Mittlerweile ist die Front deutlich überarbeitet worden. Grill und Doppelscheinwerfer erinnern nun stark an das Sport-Coupé Continental GT. Die Basis des Bentley-SUV bildet der modulare Längsbaukasten, auf dem auch Q7, Touareg und Cayenne basieren. Zum Start im Jahr 2016 gibt es den klassischen W12- Benziner. Nach 2017 kommt auch der Hybridantrieb ins Angebot, der gerade in Peking im Mulsanne präsentiert wurde.

Soll der Seat-SUV einen Volumenmarkt bedienen, so sind vom Bentley jährlich nur 3.500 Einheiten geplant. Trotzdem stellt er die Produktion in Crewe vor ein ernstes Problem. 2013 wurden dort 10.000 Bentley produziert. Damit ist das Werk voll ausgelastet. Um zusätzlichen Platz für den SUV zu schaffen, soll nun die Entwicklung mit 1.500 Ingenieuren eine neue Heimat finden. Geplant ist ein neues Gebäude, allerdings nur wenige Hundert Meter vom alten Werk entfernt, wo bis Ende 2002 neben den Bentley- auch Rolls-Royce-Modelle produziert wurden.

Ende 2016 wird das SUV-Angebot im VW-Konzern von derzeit sechs auf zwölf SUV ausgebaut. Und Audi-Chef Rupert Stadler hat angekündigt, dass er über dem Q7 gute Chancen für ein weiteres Produkt sieht. Auch zwischen Q3 und Q5 sei noch Platz.

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Dieser Artikel stammt aus diesem Heft
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