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SUV-Trend

Kühne Welle

Foto: Land Rover 18 Bilder

Allen Klimaschutz-Diskussionen zum Trotz rollt die SUV-Welle weiter - auch in Deutschland. Eine Flut neuer Modelle kommt allein in den kommenden drei Jahren auf den Markt.

07.04.2008 Harald Hamprecht

Terroranschläge, Umweltkatastrophen, wachsende Löcher in der Ozonschicht ebenso wie im sozialen Netz, Elektrosmog und veraltete Atomreaktoren. Der moderne Mensch sieht sich immer größerem psychischen Stress und globalen Bedrohungen ausgesetzt und sucht deshalb auch in seinem Auto nach dem guten Gefühl der Geborgenheit. Nach der Möglichkeit, Gefahren schnell zu erkennen - dank einer erhöhten Sitzposition - und wenn nötig noch schneller zu entfliehen - dank ausreichend Pferdestärken.

Das Auto als rollende Trutzburg

Das Auto ist längst nicht mehr nur Fortbewegungsmittel und Statussymbol, sondern eine rollende Trutzburg, die es aufgrund großer Reifen und einer hohen Geländetauglichkeit erlaubt, jedes Hindernis zu bewältigen. So erklären zumindest Psychologen in großen Worten den weltweiten Siegeszug des Geländewagens.

Auch steigende Treibstoffkosten und die Klimadiskussion tun diesem keinen Abbruch. Selbst im aufgeklärten Westeuropa steht das Segment vor dem größten Boom seiner Geschichte. Schon 2006 haben die Westeuropa-Neuzulassungen der so genannten SUV (Sport Utility Vehicles) erstmalig die Millionengrenze überschritten. 2007 ist das Segment auf 1,09 Millionen Einheiten gewachsen, 2010 soll es knapp 1,4 Millionen erreichen.

Der SUV-Marktanteil in Westeuropa wird bis 2010 von heute sieben auf rund zehn Prozent steigen - ein Zuwachs von 31 Prozent. Das ist das Ergebnis einer exklusiven Studie des Marktforschungsinstituts B&D Forecast im Auftrag von auto motor und sport.

Oberklasse-SUV à la Cadillac Escalade, Range Rover oder Porsche Cayenne kommen in der Klimaschutz-Diskussion nicht ganz ungeschoren davon. Einige Käufer lassen sich davon abschrecken, dass ihre Autos von Öko-Aktivisten als "Umweltschweine" gebrandmarkt werden. Hier zeigt der Absatz einen leicht rückläufigen Trend. Von 2007 bis 2010 erwartet B&D Forecast ein Minus von sieben Prozent. Dafür legen mittelgroße Geländewagen wie der BMW X3 sowie Kompakt-SUV wie Toyota RAV4 und Honda CR-V im gleichen Zeitraum um je 54 Prozent zu.

Kompakt-SUV als größtes Wachstumssegment

Ein ähnliches Bild ergibt sich in Deutschland: Die gesamten SUV-Verkäufe werden dieses Jahr erstmals den Marktanteil von sieben Prozent erreichen und 2010 ebenfalls an der Zehn-Prozent-Marke kratzen. Größtes Wachstumssegment - mit einem erwarteten Plus von 125 Prozent in den kommenden drei Jahren - sind bundesweit die Kompakt-SUV. Ein wichtiger Schub geht vom VW Tiguan aus, der 2007 in den Handel kam. Experten rechnen damit, dass er mit jährlich 28.000 Neuzulassungen den langjährigen Segment-Führer Toyota RAV4 ablöst.

Woher das zusätzliche Wachstum stammt? Die rege Nachfrage der Kundschaft schafft das Angebot. Kein Hersteller will diese wachstumsträchtige Nische den bisherigen Platzhirschen Land Rover, Jeep und den Asiaten überlassen. In den nächsten drei Jahren kommen allein 14 neue Kompakt-SUV auf den Markt, die keine Vorgänger haben. Selbst die Franzosen, die SUV lange Zeit als unnötige Spezies abtaten, sind aufgewacht: Peugeot und Citroën haben jüngst je einen Ableger auf Mitsubishi-Basis präsentiert. Renaults Beitrag braucht noch bis Mitte 2008. Fiat hat mit dem Sedici ein Suzuki-Derivat im Angebot.

Die Kehrseite des Booms für die Konzerne: Zusätzliche Entwicklungs- und Vermarktungskosten, Händler und Kunden verlieren bei der Varianten- und Namensvielfalt den Überblick, dazu kommen Kannibalisierungen im eigenen Portfolio. Ihre Marktanteile gewinnen SUV auf Kosten der Vans - neudeutsch auch als MPV (Multi Purpose Vehicle) bekannt. „Familien mit Kindern und Fahrer, die älter sind als 60 Jahre, also die wichtigsten Zielgruppen dieses Segments, schätzen das größere Platzangebot, variable Innenraumkonzepte und den subjektiv höheren Sicherheitseindruck“, erklärt B&D Forecast-Chef Ferdinand Dudenhöffer.

Limousinen und Kombis werden verdrängt

Kompakt-SUV verdrängen zudem Fließheck-Limousinen und klassische Kombis. Genaue Abgrenzungen zwischen den Segmenten verschwimmen auch hier immer mehr: Die ersten Coupé-SUV rollen bald auf Europas Straßen, wie etwa der BMW X6, ein auf noch mehr Sportlichkeit getrimmter Über-X5. Viele Hersteller nennen ihre Großstadt-Dschungel-Vehikel ohne Gelände-Tauglichkeit schon heute lieber Crossover als Geländewagen.

Zahlreiche Auto-Konzerne bereiten bereits die kleinen Brüder der kompakten Verkaufsschlager vor: BMW etwa den X1, Opel einen kleinen SUV auf Corsa-Basis. Die Autobauer haben die einfache Formel verstanden: je kleiner, desto leichter, sparsamer und sozial verträglicher. Gleichzeitig lassen sie sich auch auf Antriebsseite etwas einfallen - und präsentieren neben optimierten Verbrennungsmotoren erste Hybride. Opel plant, Anfang der kommenden Dekade erstmals Elektromotoren in diesem Segment zum Einsatz zu bringen, andere werden sicherlich folgen. Die SUV-Welle dürfte also auch künftig ungebremst weiter rollen.

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