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Suzuki LJ80

Robuster Geländewagen

Suzuki LJ80 Foto: Hardy Mutschler 14 Bilder

Vor genau 30 Jahren löste ein kleiner Wagen eine große Welle aus: Der Suzuki LJ 80 wurde in Frankfurt der staunenden Öffentlichkeit vorgestellt. Seitdem begeistern sich reihenweise Europäer für den smarten Japaner.

29.06.2009 Powered by

Große Geländewagen haben heutzutage kein leichtes Leben in deutschen Metropolen. In der Bundeshauptstadt werden die wilden Tiere der neureichen Berliner Schickeria nicht nur wenig artgerecht an kurzer Leine gehalten, sondern auch nicht selten unfreiwillig mit dem Taschenmesser tiefer gelegt oder mit geritzten Kunstwerken im Lack verziert. Ein Floh wie der Suzuki LJ 80 hat dem Großwild gegenüber einen entscheidenden Vorteil: Er ist kaum bedeutend größer als ein Smart und kann sich deswegen vor Weltverbesserungsvandalismus geschickt hinter dem nächsten Busch des Großstadtdschungels verstecken.

"Eljot fahren ist ein Lebensgefühl"
 
Doch überzeugt ein solcher Mini-Geländewagen auch beim Offroad- Einsatz mit gutem Format? Um dieser Frage auf den Grund zu gehen, begeben wir uns in die Tiefen des Schwarzwalds, wo ein Fahrzeug der Spezies Geländefloh noch nach alter Väter Sitte gehalten wird. "Eljot fahren ist ein Lebensgefühl", sagt Ralf Ziegler stolz. Er ist der Besitzer des weißen LJ 80, der mich überzeugen soll. Eljot - so nennen Suzuki LJ 80-Liebhaber ihre Leidenschaft.
 
Der Wagen, der im Frühjahr des Jahres 1980 zum Kampfpreis auf dem deutschen Markt erschien, sollte zunächst "Jipsy" getauft werden. Diese Bezeichnung hatte sich jedoch schon die Karosserieschmiede Karmann schützen lassen. Der Name Eljot war geboren und stand künftig für den Wagen, der einen Meilenstein in der europäischen Geländewagengeschichte setzen sollte. Als der LJ 80 in Deutschland in den Schaufenstern steht, liegt bereits eine 15- jährige Entwicklungszeit hinter dem Offroader.
 
Der Suzuki LJ80 hat ein Drehmoment von 61 Nm bei 3500/min

 
Der Urahne des LJ 80 ist der 1965 bis 1967 von der japanischen Hope Motor Company entwickelte HopeStar ON 360. Seine Konzeption entspricht in Grundzügen bereits der des LJ 80. In den Siebzigern entwickelte sich das Modell weiter. Der LJ 20, der 1972 auf dem japanischen Markt angeboten wurde, besaß einen Zweizylinder-Zweitaktmotor. Sein Nachfolgemodell, der LJ 50, war mit einem Dreizylinder- Zweitaktmotor ausgestattet, doch er brachte es gerade mal auf 26 PS. 1977 wurde in der Folge im "Jimny 8" (SJ 20) ein Vierzylinder-Viertaktmotor verbaut.
 
Dieser trieb auch den 1979 in Frankfurt vorgestellten LJ 80 an. Der Motor mit einer Bohrung von 62 Millimeter und einem Hub von 66 mm liefert ein maximales Drehmoment von 61 Newtonmeter bei 3500/min. Die obenliegende Nockenwelle wird durch einen Zahnriemen angetrieben. Dass Japaner schlichte Formen bevorzugen, zeigt sich im Innenraum. Das spärlich bestückte Interieur inklusive Instrumentenbrett mit einem Tachometer und Uhren für Tankinhalt und Kühlwassertemperatur ist keine Schönheit - nur zweckmäßig.

Angetrieben wird der Suzuki LJ80 über die Hinterräder
 
Der Blick über die kurze Motorhaube ruft automatisch eine weibliche Reaktion hervor: "Ist der niedlich!" Ob der Wagen sich auch im Gelände eher putzig als charakterstark erweist, soll sich nun zeigen. Auf unserem Weg in den tief verschneiten Schwarzwald erklärt Ralf, dass er eigentlich nur durch einen Zufall an seinen ersten LJ geraten ist. Damals suchte er lediglich ein praktisches Winterauto. Aus dem subtilen Bedarf wurde ein ausschweifendes Hobby. Der gelernte Kfz- Mechaniker hat etliche Restaurierungen an seinen LJ selbst vorgenommen.
 
Im Wald muss sich das Geländefahrzeug bald beweisen: Wir stecken fest. Während ich damit beschäftigt bin, den Wagen zu befreien, bleibt Beifahrer Ralf gelassen: "Der hat keine Servolenkung." Um wieder aus dem tückischen Loch rauszukommen, muss ich die Geländeunterstützung aktivieren. Mit dem zusätzlichen Schaltknüppel kann im Gelände auch der Vorderantrieb zugeschaltet werden, denn beim LJ 80 werden normalerweise nur die Hinterräder angetrieben. Spätestens bei dem Wendemanöver wird deutlich: Die Viergang- Schaltung des LJ 80 ist nicht exakt geführt, jedoch finden sich die Gänge des vollsynchronisierten Getriebes bis auf den Rückwärtsgang schnell. 
 
Im Durchschnitt 10 Liter Verbrauch
 
Der kleine Weiße lässt mich letztlich nicht im Stich: Mit etwas Geschick gelingt es mir, den Wagen zurück auf den schmalen Waldweg zu manövrieren. Zum Glück hat er eine Bigfoot-Bereifung mit gutem Profil. Der LJ scheint kein Auto zu sein, an das man sich erst lange gewöhnen muss. Der kleine Geländespezialist sieht nicht nur aus wie ein Playmobil, sondern er fährt sich auch so. Ob steile Abfahrten oder starke Anstiege, die er sich mit Vollgas im dritten Gang hochquälen muss - der Eljot verliert sein Schmunzeln nie. Allerdings hat er für seine Größe einen erstaunlich großen Durst: 11 bis 15 Liter schluckt der Wagen bei solchen Manövern im Durchschnitt. Auf normaler Straße begnügt er sich mit etwa 10 Litern.
 
Genauso wenig zimperlich wie der Suzuki selbst sollten auch die Insassen sein. Fährt man nämlich in Regen oder Schnee, nieselt es auch bei geschlossenem Verdeck mal rein. Fugen an Türen und Fenstern machen zudem einen Großteil des Heizungseffekts zunichte. Wenn es regnet, werden die aufdringlichen Motorengeräusche im Innenraum nur durch das monotone Klacken der Scheibenwischer, die trotz neuer Gummis über die Scheibe reiben, durchbrochen. Die neuen Wischer an Ralfs Eljot sind die kleinste Modifikation, die den Wagen vom Originalzustand unterscheidet.

Trommelbremsen durch Scheibenbremsen ersetzt
 
Aus optischen Gründen und zur Verbesserung der Wettbewerbstauglichkeit hat Ziegler viel umgebaut. Der wendige Japaner eignet sich nämlich besonders für den Einsatz bei Langstreckenrallyes und Trials, ein weiteres Hobby des Besitzers. Durch die schmalen Abmessungen kann er sich problemlos durch enge Passagen schlängeln. Beim Überfahren von Kuppen setzt der Wagen wegen des engen Radstandes kaum auf. Ralfs Eljot kommt dagegen ein Bodylift zu Gute, der die Karosserie fünf Zentimeter höher setzt. Das schützt vor einer Beschädigung von Ölwanne und Zwischengetriebe. Für eine verbesserte Bremsleistung sind die Trommelbremsen durch Scheibenbremsen ersetzt.
 
Die Differenzialsperre wurde vom Hersteller ursprünglich nur als Parksperre vorgesehen. Bei der Erteilung der ABE für den LJ 80 wurde sie 1979 von der deutschen Zulassungsbehörde gefordert, weil die Handbremse nur auf die Kardanwelle wirkt. Die Sperre ist jedoch schwach ausgelegt, weswegen Bruchgefahr besteht. Während unseres Ausflugs durch das matschige Terrain des Schwarzwalds verwandelt sich das naive Weiß des Eljot allmählich in ein verwegenes Braunbeige.
 
Mit dem LJ80 kann man günstigen Motorsport betreiben
 
Jetzt beantwortet mir Ziegler auch eine Frage, die ich trotz Fahrspaß den ganzen Ausflug über im Hinterkopf habe. Trifft das rostbraune Image vieler LJ auch auf diesen unschuldig aussehenden Wagen zu? Ralf erklärt, er habe seinen LJ so präpariert, dass Rost es künftig schwer hat. Zunächst hat er das vom Werk aus unbehandelte Blech der Karosserie von der Unterseite mit dem Dampfstrahler und anschließend mit einer Drahtbürste gereinigt. Danach wurden Hohlräume versiegelt, einzelne Unebenheiten verspachtelt und mit Unterbodenschutz lackiert. Trotz mancher Mängel behält der LJ 80 seine ungebrochene Faszination. "Wir haben viel zusammen durchgemacht", sagt auch Ralf.
 
Gerade hat er bei einer Trophy wieder bewiesen, dass man mit dem japanischen Export günstig und mit großem Spaßfaktor Motorsport betreiben kann. Ralf und seine Frau haben mit dem 900-Kilo-Leichtgewicht auch die Alpen überquert. Der Naturbursche, der zunächst durch japanische Bescheidenheit auf sich aufmerksam macht und nicht allein wegen seiner nur 45 PS niedlich wirkt, erweist sich als temperamentvolles Spaßmobil mit Kämpfernatur, das durchaus mit den größeren Kollegen jenseits der Straße mithalten kann. Im Schlamm glänzt der Eljot nach unserem Ausflug im Schneesturm zwar nicht mehr mit seinem strahlenden Weiß. Dafür umso mehr mit seinen überzeugenden Geländeeigenschaften.

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