Jetzt auch für: iPhone, iPad, Android und Windows
Marken
Themen
Artikel
Videos
Baureihen
Alle Treffer mit anzeigen

Tatra 603 als Interieur-Baukasten

Foto: Faurecia 21 Bilder

Der französische Automobilzulieferer Faurecia nahm einen Tatra 603 in Zustand fünf und machte aus ihm einen rollenden Demonstrationsträger für ein futuristisches Interieurkonzept.

17.12.2007 Eberhard Kittler Powered by

Nein, das sei keine Leichenschändung, beteuert Chefdesigner Andreas Wlasak, der für die Mutation des klassischen Tatra 2/603 von 1972  verantwortlich zeichnet. Zwei dieser einstigen Ostblock-Prestigemobile hat der französische Zulieferer Faurecia - weltweit Nummer zwei in puncto Interieur - in Berlin gekauft, in schlimmem Zustand zusammen für unter 10.000 Euro. Einer ist fahrbereit, Wlasak liebäugelt damit, das noble Auto mit dem luftgekühlten Achtzylinder im Heck zu übernehmen.

Das andere Fahrzeug aus dem tschechischen Koprivnice (Nesselsdorf) war im Zustand fünf, seine Karosserie wurde von Faurecia komplett neu aufgebaut und erheblich modifiziert: Die C-Säule wanderte 10 cm weiter nach hinten, die B-Säule wurde komplett herausgeschnitten (damit gegenläufig öffnende Türen zum Einsatz kommen können), und die Front erfuhr eine polarisierende Modernisierung.

Erst alles raus und dann alles neu

Ächz und schluck: Der Motor flog genauso heraus wie die Innenausstattung. Dafür wurde ein neuer, selbstragender Instrumententräger eingezogen, der in Form einer tragenden Kunststoffstruktur auf den üblichen Stahlquerträger verzichtet - dadurch gewinnt man Bauraum im Cockpit, der beispielsweise für ein riesiges, nach oben öffnendes Handschuhfach dient.

Überall im Cockpit sind großflächige Holzflächen aufgebracht - hier wurde Furnier auf eine hölzerne Trägerschicht aufgezogen. Luftausströmer gibt es nur links und rechts des Instrumententrägers in einer Form, die an die Raketendesign-Autos von GM / Firebird aus den 50er-Jahren erinnern; die punktgenaue Belüftung folgt dem sogenannten Coanda-Effekt. In der Mitte der Schalttafel wurden die Ausströmer dagegen so in der Struktur versteckt, dass sie optisch nicht wahrzunehmen sind.

Großzügiges Raumgefühl

Alles ist ungeheuer reduziert und gleichzeitig erstaunlich großzügig dimensioniert. Dabei entspricht der Innenraum des Tatra 603 fast exakt dem des BMW Fünfers – was man zunächst nicht vermutet. Und genau darum geht es Faurecia: zu zeigen, wie man ein Interieur von morgen macht, ohne eines der heute üblichen Automodelle als Hülle drumherum zu nehmen. Die Sitze wirken stylish wie Clubsessel, sie fahren zum Ein- und Aussteigen aus ihrer tiefen Position etwas hoch. Seitenhalt? Das scheint kein Thema zu sein. Der Fahrersitz ist fest mit der Mittelkonsole verbunden; beide Sitze vorn verfügen über integrierte Sicherheitsgurte, die aber in der Fahrzeugmitte verankert sind.


Noble Referenzen

Dass die B-Säule fehlt scheint zum Trend zu werden, der künftig nicht nur bei Rolls Royce, Mazda und Mini zu erleben sein wird. Faurecia mag seine Gründe für diese Prognose haben – schließlich stellt das Unternehmen den Innenraum des RR Phantom her.

Der Kofferraum hinten, dort wo eigentlich der luftgekühlte V8 thront, ist riesig. Und weil Faurecia nicht nur Interieurmodule, sondern auch Auspuffanlagen entwickelt, kam ein besonders flacher Endschalldämpfer zum Einbau, der den Platz für ein zusätzliches, herausziehbares Geheimfach schafft. Dazu gibt es in diesem Tatra einen seinerzeit nie existent gewesenen Getriebetunnel - er soll andeuten, wie die Platzverhältnisse in einem Auto dieser Größe heute ausfallen würden.

Übrigens hat das Ausstellungsstück auch vorn keinen Motor (freundlich gesagt: null CO2-Emissionen!), selbst die Lenkung arbeitet nur mit Mühe.

Wird die Marke Tatra wiederbelebt

Wichtigste Frage bei der Präsentation der Studie in Berlin: Bahnt sich da vielleicht ein Comeback der Marke Tatra an? Hat diese jüngst verflossene Company das Ganze gar aus dem Jenseits heraus finanziert? Nichts von alledem, Tatra ist - zumindest als Pkw-Hersteller - mausetot. Einen letzten Versuch hatte es in den 90ern mit dem 700 E gegeben, wiederum einem Repräsentationsgefährt, dessen brutale Eckigkeit einst von Michelotti für die Tschechen angepasst wurde. Die Form des klassischen Heckmotor-Tatra, dessen Vorläufer von Hans Ledwinka stammte begeistert indes weiterhin. Ob sich irgendwann mal ein Hersteller an ein so ungewöhnliches Design wagt?

Kommentar schreiben

Es ist noch kein Kommentar vorhanden. Seien Sie der Erste und sagen Sie und Ihre Meinung.

Neues Heft
Empfehlungen aus dem Netzwerk
Autokredit berechnen
Anzeige
3D Felgenkonfigurator
Anzeige