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Techno Classica 2010 - Der Rundgang

Die Traumfabrik auf 120.000 Quadratmetern

Techno-Classica Foto: Hardy Mutschler 62 Bilder

Es wird auch 2010 so sein wie immer: Der große Alu-Koffer wird wieder einmal nicht für alle egatterten Schätze reichen, und ich ziehe mir am vorletzten Tag noch Geld am Automaten. Auf der Techno Classica in Essen werden einfach zu viele Wünsche wahr.

07.04.2010 Alf Cremers Powered by

Sie war blau-weiss und hatte etwa 50 Seiten. Sie lag nicht im Handschuhfach, sondern behütet in der Kommode im Wohnzimmer. Gerne habe ich als Kind in der Betriebsanleitung unseres Mercedes 190 c geblättert. Die präzisen Zeichnungen in blauem Strich bewundert, Tabellen und Fotos studiert. Die Fotos waren klein, aber gestochen scharf wie in einem Lexikon. Seitdem weiß ich, wie eine Trommelbremse, ein Vergaser oder ein Ölfilter im Detail aussehen. Ich habe das Büchlein geliebt und es leider viel zu lange vergessen.

So lang wie die Mängelliste meier Autos: Einkaufszettel für die Techno Classica

Ich werde es wieder finden, in ein paar Wochen auf der 22. Techno-Classica in Essen. Wenn, dann nur dort, in einem der vielen Bananenkartons in Halle 2 oder 4, besser noch in den Hallen 8 und 9 - wo weißbekittelte Modellauto-Händler, die Teile-Tandler und Literatur-Antiquare mit ihren Autozeitschriften, Prospekten und fingerabdrucksignierten Werkstatt-Handbüchern ihre Stände aufgeschlagen haben.

Vielleicht warten dort auf mich auch das seltene Siku-Modell vom Toyota 2000 GT in Froschgrün, der türkisblaue VW K70 von Majorette oder der lange vermisste Prospekt vom Opel Rekord II. Das ist eine wunderbare Broschüre mit Szenerien junger glücklicher Menschen rund um den erfrischend italienisch geratenen D-Rekord, in fotorealistischer Perfektion gemalt. Auch das Buch "Vom Fahren hängt das Leben ab", aus der Feder des einstigen auto motor und sport-Chefredakteurs Reinhard Seiffert steht auf meiner Liste. Es passt thematisch sehr gut zu einem raren Werk, das ich letztes Jahr für 20 Euro erstand: "Die Straße, unser Schicksal". Hinter dem pathetischen Titel verbirgt sich eine Bilddokumentation über den pionierhaften Straßenbau der fünfziger und sechziger Jahre. Mit faszinierenden Schwarzweiß- Fotos, die das Straßenbild jener Tage dokumentieren.

Mein Einkaufszettel für den Essener Klassiker-Konsum, für den Supermarkt der Träume, verteilt auf 20 Hallen mit insgesamt 120.000 Quadratmetern und drei Außengeländen mit trendigen Youngtimern und etablierten Klassikern, ist so lang wie jede einzelne Mängelliste meiner Autos. 21 Posten gehören in Essen abgehakt, darunter auch ein Satz Original-14-Zoll-Kunststoff-Radkappen für den frühen Mercedes-Benz W 126.

Suchen und Finden, Kramen in Kisten, Sammeln und Jagen, Handeln und Zählen

"Okay, die fünf Peugeot-Prospekte nehm ich für 70, aber dann legst du den 604 noch obendrauf." Was für ein Jahrmarkt menschlicher Begegnungen, verglichen mit der emotionalen Kühle steriler Internet-Börsen, bei denen nur die virtuelle Jagd zählt. Rund 170.000-Besucher lassen sich vom hautnahen Gefühl gerne anstecken.

Vielleicht treffe ich Bo Larsson wieder, den netten Schweden mit alten Kameras und Uhren auf dem Zwischengang in Halle 2. Vergangenes Jahr hatte er so eine schöne Rolleicord Va, die aussah wie neu. Als ich kurz vor Messeschluss mit ein paar hastig aus dem Geldautomaten gezogenen Scheinen hinstürmte, hatte er schon alles verpackt.

Doch bei aller Gefühlsduselei ist die Techno-Classica natürlich weit mehr als eine Seelenschau in die eigene Vergangenheit. Die Messe betört mit Glamour und Drive, sie spiegelt den Zeitgeist wieder und setzt Trends. Dafür sorgen vor allem die exklusiven Händler wie Mirbach, Movendi, Lucas Hüni, Thomas Feierabend, E. Thiesen oder Axel Schütte mit ihren handverlesenen Ikonen aus der Vorkriegszeit und aus den Fünfzigern und Sechzigern.

Wer zählt die Flügeltürer in den vornehmen Hallen 6, 10 und 11, die BMW 328 und 507, die Jaguar E-Type, die Kompressor-Mercedes, Blower-Bentley und die majestätischen Horch vom Typ 853? Ob Einzelstück im Originalzustand, erbarmungswürdiger Scheunenfund oder sechsstellige High-End-Restaurierung - auf der Techno-Classica ist alles möglich.

Das Salz in der Techno-Classica-Suppe: Die Messestände der Clubs

Doch das Bild der dynamischen, lebendigen Klassiker- Messe bestimmen nicht nur die renommierten Händler mit ihren Pretiosen - mehr als angesagt ist dabei vor allem der Porsche 911 -, sondern auch die fantasievollen Auftritte der über 80 Markenclubs. Bühnenbildern gleich inszenieren sie ihren Auftritt. 2009 schoss hier der Opel Kadett B und Olympia-Club den kreativen Vogel ab. Ihre Car-Wash-Truppe mit einer feucht-fröhlichen Girl-Group knapp geschürzter Schaufenster-Puppen blieb mir mindestens so gut im Gedächtnis wie die detailverliebt inszenierte, tschechoslowakische Wintersport-Landschaft des Tatra-Clubs.

Diese humorvollen Einlagen bilden den entspannten Kontrast zu den glamourösen Auftritten der Autohersteller, allen voran Mercedes-Benz in Halle 1, die mit ihrer vornehm gestalteten Teppich-Lounge dank 300 SE, 600, 450 SEL 6.9 und 600 SEL entweder luftgefedert oder hydropneumatisch über den Dingen schweben, zusammen mit den anerkannten Typen-Clubs, die sich gleichermaßen der Seriosität eines IAA-Messestands hingeben.

BMW und Audi präsentieren ihre Klassiker-Meilensteine eine Spur schlichter, Volkswagen neigt regelmäßig zu farbenfroher Verspieltheit. Hier hören die Siebziger gottlob nie auf. Die Rote Nummer darf ich auf keinen Fall vergessen. Sie versetzt einen auf den Schnäppchenmärkten der drei Freigelände zusammen mit den beiden Geldautomaten in die wunderbare Lage potenzieller Schlagfertigkeit.

Immerhin bietet die Techno-Classica fast 2.000 Gelegenheiten, auf Achse heimzufahren. Hätte ich die Rote-06 letztens dabei gehabt, wäre mir dieser wunderbare Erstserien-126er, ein 280 SE in Champagner-metallic mit Stoff, nicht durchs rotweiße Trassenband der Parkplatz-Absperrung gegangen. Wer mehr als diese 3.000 Euro krisensicher ausgeben will, wird vielleicht bei Porsche-Spezialist Ande Votteler in Halle 4 fündig. Unrestaurierte Top-Elfer bis 80.000 km liegen gerade voll im Trend - bis Baujahr 1973 versteht sich. Er könnte so etwas haben. Wir sehen uns in Essen.

Öffnungszeiten
07. April14.00 Uhr bis 20.00 Uhr (nur Presse- und Fachbesucher)
08. April10.00 Uhr bis 18.00 Uhr
09. April10.00 Uhr bis 19.00 Uhr
10. April9.00 Uhr bis 18.00 Uhr
11. April9.00 Uhr bis 18.00 Uhr
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Eintrittspreise
Tageskarte20 Euro
Tageskarte ermäßigt:16 Euro
Kinder von 8-16 Jahre:zehn Euro
Kinder bis 8 Jahre:Eintritt frei
Familienkarte(Eltern mit zwei Kinder bis 17 Jahre):50 Euro
Premiumkarte (nur 1. Tag):30 Euro
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