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Techno Classica 2011 - Highlights der Redaktion

Hundeknochen, Beauties und Boliden

Alfa Romeo Tipo 159 Alfetta Foto: Kai Klauder 37 Bilder

Unsere automobilen Highlights der Techno Classica 2011, ausgewählt unter den mehr als 2.500 Autos in 20 Hallen, die in Essen angeboten wurden.

04.04.2011 Kai Klauder Powered by

Die Techno Classica in Essen gehört natürlich auch für die gesamte Motor Klassik-Redaktion zum absoluten Muss. Jedes Jahr gibt es viele Autos zu entdecken, der Privatmarkt hält auch Überraschungen bereit und die Hersteller übertreffen sich mit ihren Messeständen. Hier präsentieren wir die Highlights der Redaktion.

Rennsportgeschichte bei Alfa

Hans-Jörg Götzl, Motor Klassik-Redakteur, hat seine Messe-Highlights in Halle 3 gefunden, in Reichweite des Motor Klassik-Standes. Nur ein paar Meter entfernt hat Alfa Romeo seinen Messestand aufgebaut und klotzt mit der Demonstration von Rennsportgeschichte. Hier schwärmt Götzl gleich für zwei Fahrzeuge. Zum einen der Alfa Romeo Tipo 159. Bekannt und zur Legende wurde der Tipo 159 unter seinem Spitznamen Alfetta. Hans-Jörg Götzl schlüpft in den schmalen Monoposto: "Ich mit meinen Rennfahrermaßen passe hier wunderbar rein." Und er beginnt von dem Rennwagen zu schwärmen: "Die Alfetta ist eine enorme technische Meisterleistung - Reihenachtzylinder mit einem gigantischen Kompressor, der aus 1,5 Litern 425 PS holt. Die Kompressoren wurden immer größer und fraßen sich irgendwann auf, denn je größer sie wurden, desto mehr Leistung kosteten sie dann auch."

Und Götzl weist auch auf die Verbindung zur Redaktion hin: "Unser Altverleger Paul Pietsch startete 1951 mit so einer Alfetta beim Großen Preis von Deutschland auf dem Nürburgring." Wie sich solch ein alter Rennwagen fährt, beschreibt Hans-Jörg Götzl so: "Solch ein Monoposto-Rennwagen ist schwierig zu fahren - mit Gaspedal in der Mitte und dem unsynchronisiertem Getriebe. Zudem setzt die enorme Leistung schlagartig ein, aber damit muss man leben, schließlich ist die Alfetta ist zu nichts anderem gebaut als schnell zu fahren. Sie erreicht bis zu 305 km/h - und das zu einer Zeit, als sich die VW Käfer gerade mal auf 100 km/h husteten. Das ist einfach das Beste, was es damals gab - und das ist auch heute noch gut. Die Krone setzt dem Auto die Tatsache auf, dass einer der ganz großen, wenn nicht der größte Rennfahrer überhaupt, diese Alfetta pilotierte: Juan Manuel Fangio, der auf ihr 1951 seinen ersten von insgesamt fünf WM-Titeln holte."

Wer sich von dem Alfa Romeo Tipo 159 verzaubern lassen möchte, hat anlässlich des Automobilsommers 2011 am 7./8. Mai in Stuttgart die Möglichkeit dazu.

Formel 1- Auto mit seriennaher Karosserie

Nächster Kandidat von Hans-Jörg Götzl ist das direkt nebenan parkende Alfa Romeo 164 Procar von 1988. Von Weitem gesehen, meint man einen schnöden Alfa Romeo 164 zu sehen, doch unter der recht unspektakulären Hülle steckt reine Formel 1-Renntechnik: Angetrieben wird der Alfa von dem ersten V10-Formel 1-Rennmotor, der von Pino d'Agostini entwickelt wurde. Der Ingenieur arbeitete ab 1979 bei Fiat und entwarf zwischen 1985 und 1996 alle Alfa Romeo-Rennmotoren. Danach wechselte er in die Rennabteilung von Ferrari und war dort zwischen 2000 und 2004 Formel 1-Renningenieur. 

Die Karosserie des Alfa Romeo 164 Procar, die über ein Brabham-Chassis gestülpt wurde, besteht aus einem Verbund aus Kohlefaser und GfK, das Gesamtgewicht liegt bei etwa 750 Kilogramm. Das Procar von 1988 ist allerdings nie zum Einsatz gekommen, Ricardo Patrese fuhr allerdings am Vortag des Formel 1-Grand Prix von Monza 1988 einige Runden mit dem Boliden, der von dem 600 PS-Mittelmotor in knapp zwei Sekunden auf 100 km/h beschleunigt wird und bis zu 340 km/h erreichen soll.

Ein Flügeltürer, der Patina zeigen darf

Fast so selten wie das 164 Procar ist das dritte Highlight von Hans-Jörg Götzl: Ein unrestaurierter Mercedes-Benz 300 SL mit 78.000 Kilometern, der stolz seine Patina aus mehr als fünf Jahrzehnten tragen darf. Die meisten Flügeltürer sind heute nur noch leidlich original und wurden bei aufwändigen Restaurierungen ihrer Patina beraubt und "wenn sie ein Mal weg ist, ist sie für immer verloren", seufzt Götzl, "schließlich kannst Du so ein Auto 100 Mal restaurieren, aber in den Originalzustand kannst Du ihn nicht zurückversetzen."

So findet der Betrachter an dem grauen Mercedes-Benz 300 SL einige Spuren der Zeit, poröse Gummidichtungen, Lackabschürfungen und kleine Risse im roten Leder - doch das macht diesen 300 SL aus. Man sieht, dass er ein altes Auto ist und eben nicht eines dieser synthetischen Neuaufbauten, die alle gleich austauschbar sind. Immerhin hat ein Teil der Szene auch den Reiz der Patina entdeckt: "Mittlerweile werden originale, unrestaurierte Autos oft 50 bis 100 Prozent höher bewertet", erklärt Hans-Jörg Götzl.

Formvollendet - Ghia Supersonic

Malte Jürgens, Chefredakteur Motor Klassik, hat sein erstes Highlight in Halle 4 bei dem niederländischen Händler "Strada e Corsa" ausgemacht: Ein 1953er Ghia Supersonic auf Basis des Fiat 8V mit einer von Giovanni Savonuzzi gezeichneten Karosserie. Zwischen 1952 und 1954 sollen rund 14 Exemplare dieser Designikone gebaut worden sein. Der Preis für dieses wunderschöne Coupé liegt bei mehr als einer Million Euro.

Deutlich günstiger ist das zweite Highlight von Malte Jürgens, ein Fiat 1100 für 12.500 Euro. "Der kleine Fiat ist im Topzustand. So ein originales unrestauriertes Auto findet man eigentlich nicht mehr", freut sich Jürgens über den kleinen Italiener, der 1955 vom Band lief und gerade mal 46.000 Kilometer in 56 Jahren gesammelt hat. Und Rainer Klein von der "Automobilia-Fabrik Artur Thyssen" ergänzt: "Das Reserverad trägt noch den Reifen von 1955, der zweite Reifensatz ist noch montiert und als Goodie bekommt der Käufer einen schwedischen Verbandskasten aus den 1950ern."

In Halle 6, dort, wo die Händler ihre Pretiosen ausstellen und zum Verkauf anbieten, hat Malte Jürgens einen Bugatti 38A Kompressor Grand Sport entdeckt. "Der hat gute Chancen auf den Titel 'Best of Show'", sagt der Oldtimer-Experte, der auch in der Jury sitzt, "besonders die Karosserie von Lavocat et Marceau" und das wunderschön verarbeitete Holz macht diesen Bugatti so einzigartig."

Michael Schröder und seine Traumwagen

Motor Klassik-Redakteur Michael Schröder hat einen sepiabraunen Porsche 911 Targa von 1971 entdeckt - ebenfalls in unrestauriertem Originalzustand. Der Wagen soll laut Verkäufer "absolut original und ungeschweißt" sein, kommt aus Illinois/USA und hat 62.000 Meilen auf der Uhr. Der Preis liegt bei 70.000 Euro.

Nächster Traumauto-Kandidat von Schröder ist ein MGB. "Unterschwellig fand ich den schon immer gut, ich hab' ihn öfters gesehen - und er hat mich immer mehr angemacht. Und das Gute: Im Moment will ihn kaum jemand haben und die Preise für das stilvolle Offenfahren liegen bei günstigen 6.000 bis 10.000 Euro." Michael Schröder steht außerdem auf deutsche Dickschiffe in Coupé-Form und ist von einem Mercedes-Benz 560 SEC in Halle 10 begeistert: "Der Motor ist geil, das Auto hat 'ne Jahrhundertform und mit seinen vier Sitzen ist der 560 das ideale Auto für Familienausflüge." 

Ein paar Meter weiter entdeckt Michael Schröder ein Citroen DS Cabriolet: "Das ist doch der Hammer, diese Form - gibt es ein schöneres Cabrio?" Nur der Preis von 125.000 Euro ist ein - wenn auch ziemlich gutes - Argument gegen den sofortigen Kauf.

Unikat zum Niederknien, japanischer Flügeltürer und zwei Hundeknochen

Online-Redakteur Kai Klauder hat kurz nach der Eröffnung der Messe in Halle 6 einen Fiat 1100 TV Padovan Aerodynamica von 1947 gesehen, sich sofort in diese Rennflunder verguckt und ging vor ihm in die Knie, um die formvollendete Aluminiumkarosserie aus jeder Perspektive zu begutachten. Doch schon nach kurzer Zeit prangte ein "Sold"-Schild an der Windschutzscheibe des Unikats. Über den erzielten Preis war leider nichts zu erfahren - der Verkäufer hat es dem neuen Besitzer versprochen. 

Draußen auf dem Freigelände fand Klauder sein zweites Messehighlight: "Zwischen den ganzen Sternträgern und den anderen alten Bekannten steht sich ein bei uns fast völlig unbekannter Japaner seine Reifen eckig, ein Toyota Sera. Schön ist er zwar nicht, aber sehr selten, denn er wurde nur in Japan angeboten. Und die tief in das Dach hineingezogenen Türausschnitte verraten es - der Sera besitzt Flügel-/Schmetterlingstüren."

Besonders beeindruckt wurde Klauder von Mephistopheles, dem Rennwagen von 1924, der auf einem Fiat SB4 Corsa von 1908 basiert und von einem Flugmotor mit 21,7 Liter Hubraum angetrieben wird. "Leider konnte man den 330 PS nicht hören, aber da wäre bestimmt auch gleich die halbe Halle 3 mit weggeflogen - endlich mal ein Auto, das ungestraft als Bolide bezeichnet werden darf", grinst Klauder. 

An seine automobile Vergangenheit wurde der Online-Redakteur am Ford-Messestand erinnert. Hier waren zwei Ford Escort zu sehen, ein Escort Mk I RS 1600 von 1973 mit mächtig breiten Backen und ein 1974er-Exemplar, der bei Canterbury zum "Siesta Camper Van" umgebaut wurde. "Da sieht man mal, wie viel Platz so ein Hundeknochen bieten kann", sagt Klauder, der zu Studentenzeiten einen Escort II Automatik mit 54 PS für 65 DM erwarb und zwei Jahre lang fuhr - bis der TÜV-Prüfer nicht mehr über die mit Beton ausgegossenen Schweller hinwegsehen wollte.

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