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Technorama Ulm 2015

Motorräder im Regen, Autos in der Halle

Technorama Ulm 2015 Foto: Hans-Jörg Götzl 15 Bilder

Seit 1979 treffen sich die Altmetall-Anhänger in Ulm zum Teilemarkt, das Messegelände liegt idyllisch an einem kleinen See, viele Anbieter campen auf dem Gelände. Der Geruch von Grillgut wabert zwischen den Ständen, aus den Zelten dröhnt Rockmusik.

01.05.2015 Hans-Jörg Götzl Powered by

Im Kalender steht die Technorama Ulm üblicherweise um den ersten Mai, dann blühen in der Gegend die Apfel-, Kirsch- und Birnbäume. Der Frühling ist also in vollem Gange und sorgt für Hochgefühle.

Wenigstens schneit es nicht

Allerdings regnet es hier im Frühling auch immer gerne, wenn es nicht noch schlimmer kommt: „Ich bin schon mit dem VW T2 angekommen, da fing es gerade an zu schneien“, erzählt ein Besucher in gelber Regenjacke, der seit den 80er-Jahren zu den Stammgästen zählt. Schnee ist bei gut 10 Grad Celsius kein Thema, dafür regnet es am Freitag während des Aufbaus Bindfäden. Wetteränderungen bestehen nur im An- und Abschwellen der Schauer.

Motorradfahrer sind hart im Nehmen

Zumindest die Anbieter von Motorrädern und Zweirad-Teilen sowie die motorradfahrenden Besucher der Technorama stört das Wetter offenbar nicht wirklich: Noch eine Regenjacke überziehen, Wollmütze auf den Kopf, fertig, das Wetter könne man sowieso nicht ändern. Man nimmt es philosophisch gelassen. Die Motorräder stehen derweil im Wortsinn im Regen, wirkliche Raritäten sind rar, deshalb heißen sie ja so.

BMW R75/7 mit Hoske-Auspuff

Bei BMW-Spezialist Siebenrock steht eine schöne R75/7 mit nun eintragungsfähigen Hoske-Tüten, gerade hätten sie das Gutachten dafür erhalten, verkündet Jochen Siebenrock stolz und lädt zur Klangprobe. Direkt am Seeufer gibt es eine Einzylinder-Vorkriegs-BMW, ein Scheunenfund, 3800 Euro ruft der Verkäufer auf. Nicht zu kaufen, aber immer schön anzusehen ist eine ganze Reihe bestens erhaltener beziehungsweise restaurierter Kawasaki Z-Modelle – die zum Glück in einer der Hallen stehen, mitten zwischen den Teilehändlern.

Autos in der Donauhalle

Wer sich für vierrädrige Angebote interessiert, muss in die Donauhalle, die sich mehr und mehr mit Okkasionen füllt. Da gibt es zum Beispiel den grauen 1951er Brezelkäfer von Benno Laipple aus Oberelchingen: Das Auto war gut 40 Jahre stillgelegt, nun hat der 22-jährige Maschinenbau-Student zusammen mit seinem Vater die gesamte Technik revidiert und sämtliche Rostschäden beseitigt. Der Lack ist nicht original und das Interieur wurde irgendwann erneuert, grundsätzlich aber steht der Käfer augenscheinlich gut da. 23 000 Euro hätte Benno Laipple gerne für den VW, es drängt sich die Frage auf: Warum wird er überhaupt verkauft? „Wir haben noch sechs weitere Brezelkäfer, mein Bruder holt gerade Nummer 7 aus Schweden.“ Ok, das gilt, zumal es im Laipple-Haushalt noch einen 1302 gibt.

350 SLC oder lieber 450 SLC?

Ein paar Meter weiter hat der Besucher die Auswahl zwischen zwei silbernen Mercedes SLC: Bei Nummer Eins handelt es sich um einen 350 SLC, Baujahr 1972, 275 000 km, mit H-Zulassung, Preis 9990 Euro. Direkt daneben steht ein 450 SLC aus Kalifornien, nur 32 000 km, alle Flüssigkeiten plus Reifen neu, 27 500 Euro. Nachteil: Häßliche US-Stoßstangen. Kollege Alf Cremers würde den 350er nehmen – oder den 280 E, der schräg gegenüber für etwa ein Drittel zu haben ist.

Alfa Giulia 1300 Super, 10 000 Euro

Mir hat es besonders eine piniengrüne Alfa Giulia 1300 Super angetan: erste Hand, frisch aus Pisa, 86000 km, ungeschweißt, zum großen Teil Originallack, innen top, Motorraum sauber. Der italienische Händler ist für seriöse Ware bekannt, der Preis verlockend: „Ich werde einen höheren Betrag dranschreiben, aber 10 000 Euro ist die Untergrenze.“ Was für ein Glück, dass Alf heute die rote Nummer brauchte, sonst müsste ich heute Abend meiner Frau etwas erklären.

VW T2 mit Porsche-Motor

Richtig schräg wird es nochmal an der anderen Ecke der Donauhalle, wo ein VW T2 mit Westfalia-Ausstattung neben einem Citroën DS steht: Als Antrieb dient ein 2,2-Liter-911-Motor, Bremsanlage und Fahrwerk sind angepasst, alles eingetragen, TÜV und H-Zulassung neu, 29 911 Euro. Gegen 85 Euro Aufpreis gibt es noch eine Sonnenbrille von Porsche-Design dazu.

Verlockend, doch Sonnenbrillen braucht heute in Ulm niemand. Und falls Sie sich wundern, warum bei den Fotos keine Motorräder auf dem Außengelände dabei sind: Den Wassermengen wäre meine Kamera nicht gewachsen gewesen. Samstag und Sonntag soll der Regen nachlassen – hoffentlich.

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