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Terry Larson im Porträt

Mr. Jaguar

Terry Larson, Jaguar, Sammlung Foto: Michael Schröder 4 Bilder

Der US-Amerikaner Terry Larson zählt zu den renommiertesten Spezialisten für historische Jaguar - die von ihm restaurierten Autos genießen in der Szene einen untadeligen Ruf. Motor Klassik hat den Mann in Arizona besucht.

14.10.2013 Michael Schröder Powered by

Der Weg zum Wohn- und Arbeitssitz von Terry Larson führt meilenweit hinaus in die Wüste von Arizona. Zuerst über den breiten Highway 60, schließlich über eine schmale Straße, die irgendwann in einer staubigen Piste aufgeht. Rechts und links der Spur meterhohe Kakteen und nur ab und an Zufahrten zu großen flachen Häusern, vor denen imposante Geländewagen und Pickups parken.

Seit 40 Jahren restauriert Larson Jaguar

Erster Eindruck: In Mesa, einer weitläufigen Stadt südöstlich der Metrople Phönix, spielt Platz für Wohnraum keine Rolle. Die Hektik der Hauptstadt scheint vor dem trocken-heißen Wüstenklima ebenfalls kapituliert zu haben.

Terry Larson schätzt diese Ruhe und Abgeschiedenheit. Sein Haus liegt versteckt hinter Büschen am Ende eines Abzweigs. Kein Schild am Tor der Zufahrt weist darauf hin, dass auf diesem Anwesen im großen Stil an historischen Fahrzeugen gearbeitet wird. Wer zu Terry Larson kommt, ist mit dem Mann verabredet. Laufkundschaft oder gar ein Showroom? Fehlanzeige.

Umso freundlicher der Empfang. "Hi, I’m Terry!" Ein kräftiger Händedruck, und schon öffnet sich das Reich eines Mannes, der sein Leben der Marke Jaguar gewidmet hat: Seit fast 40 Jahren restauriert Terry Larson entsprechende Fahrzeuge auf höchstem Niveau und zählt längst zu den weltweit renommiertesten Spezialisten für C- und DType-sowie für XKE Lightwight-Modelle.

Autos, die durch seine Hände gehen, genießen in der Szene einen untadeligen Ruf, erhalten bisweilen einen Ritterschlag von oberster Instanz: 1998 wird ein von Larson restaurierter S.S. 90 Prototyp von 1935 beim Concours d’Elegance in Pebble Beach Zweiter in seiner Klasse, und 2010 kürt die Pebble-Beach-Jury dasselbe Fahrzeug sogar zum Klassensieger und versieht es zudem mit der begehrten Beaulieu-Trophäe.

Auf der Suche nach Nummer 23

Doch Larson ist nicht nur wegen der Qualität seiner Restaurierungen ein gefragter Mann in der weltweiten Jaguar-Szene. Seit 2002 verlässt sich das Auktionshaus RM Auctions auf das Fachwissen des Spezialisten aus Arizona, wenn Herkunft und Zustand eines Jaguar beurteilt werden müssen. Sobald es um die korrekte Historie eines der insgesamt 53 produzierten C-Type geht, dürfte Larson ohnehin der erste Ansprechpartner sein: Ein von ihm in jahrelanger akribischer Arbeit verfasstes C-Type Register beschreibt nahtlos die Geschichte aller gebauten Modelle vom Tag der Auslieferung bis zum Jahr 2000.

Zu Chassisnummer XKC 023 habe er allerdings eine ganz besondere Beziehung, erklärt Terry Larson. "Das 1952 gebaute Auto", so der Fachmann, "galt lange Zeit als einziger C-Type, dessen Verbleib unbekannt war." Gegen Mitte der Achtziger habe er dann erstmals Genaueres über den Standort dieses Modells erfahren: "Der damalige Besitzer hatte den verschollen geglaubten Rennwagen in Einzelteile zerlegt und in einer Scheune versteckt, wollte das Auto allerdings nicht verkaufen."

11 Jahre lang dauern die KaufvVerhandlungen

Larson bleibt hartnäckig, verhandelt elf Jahre lang, bis es ihm endlich gelingt, das Auto im Auftrag des Schweizer Sammlers Christian Jenny zu erwerben und es natürlich auch wieder aufzubauen. "Bis auf die Karosserie war alles vorhanden", schwärmt Larson von seinem legendären Scheunenfund. Später sei es ihm sogar gelungen, die noch fehlenden Original-Karosserieteile aufzutreiben: "Sie waren auf das Chassis einer Replika montiert."

Zu Larsons privater Jaguar-Sammlung zählen neben verschiedenen XK- und E-Type-Modellen ebenso ein SS 100, ein C-Type sowie ein D-Type. "Das Auto war der zweite von Jaguar gebaute Werksrennwagen, der 1954 von Stirling Moss während der 24 Stunden von Le Mans pilotiert wurde." Auf der Geraden von Mulsanne habe dieser D-Type mit 172,97 Meilen pro Stunde damals gleich auch noch einen neuen Geschwindigkeitsrekord aufgestellt.

Lieblingsauto: Lister-Jaguar

Für einen Mann wie Terry Larson ist es dann auch eine Selbstverständlichkeit, seine Autos artgerecht zu bewegen. "Mit meinem C-Type habe ich inzwischen über 100 Renneinsätze absolviert", erklärt der Mann, der seine Fahrzeuge ebenso im Alltag wie für Reisen nutzt. Zu denen zählen auch die mehrtägigen Ausfahrten, die er für C- und D-Type-Besitzer einmal im Jahr organisiert.

Auf die Frage nach seinem Lieblingsfahrzeug blickt Terry Larson in Richtung seines Lister-Jaguar mit der Chassisnummer BLH EE 101. "Es ist der erste Rennwagen, den Brian Lister in Zusammenarbeit mit Jaguar 1958 auf die Räder gestellt hat." Die Lister seien leichter und schneller und somit ein perfekter Nachfolger für den bis dahin sehr erfolgreichen D-Type gewesen, erklärt Larson. Und fügt hinzu, dass er auch dieses Modell am Abend gerne zu Fahrten in die Wüste bewegt.

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Dieser Artikel stammt aus diesem Heft
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