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Tesla-Chef Elon Musk

"Erster europäischer Tesla-Händler öffnet im Juni"

Elon Musk, Tesla Motors Foto: Daimler 58 Bilder

Elon Musk ist 37 Jahre alt, Selfmade-Millionär, Vater von Drillingen und Zwillingen. Teilhaber und Vorstandschef beim Raumfahrtunternehmen SpaceX und beim jüngsten Automobilhersteller der Welt namens Tesla. auto motor und sport-Redakteur Harald Hamprecht sprach mit Tesla-Chef Elon Musk über die Pläne des Elektroautoherstellers, an dem sich Daimler jüngst zu neun Prozent beteiligt und dafür 50 Millionen Dollar gezahlt hat.

04.06.2009 Harald Hamprecht

Warum war es für Sie interessant, neun Prozent Ihrer Aktien an Daimler zu verkaufen?
Musk: Wir hatten den Wunsch nach einem erfahrenen Partner beim Automobilbau.
 
Und die Kapitalspritze kam Ihnen sicher auch gelegen.
Musk: Das ist momentan nicht das primäre Ziel. Wir hätten ansonsten sogar einen höheren Preis bekommen können als von Daimler.
 
Werden Sie dieses Jahr einen Gewinn schreiben?
Musk: Ja, wir erwarten ab dem dritten Quartal 2009 profitabel zu arbeiten. 
 
Und im Gesamtjahr 2009?
Musk: Zu Gesamtjahres-Zahlen können wir uns zurzeit noch nicht äußern.
 
Sie mussten sich zuletzt von einigen Mitarbeitern trennen. Wie groß ist Ihre Belegschaft inzwischen?
Musk: Wir sind heute ein Team von 450 Menschen. Vergangenen Sommer mussten wir unsere Belegschaft um 30 Prozent verringern, um unseren Cash-Flow besser zu managen, aber inzwischen bauen wir unsere Mannschaft sogar wieder aus. Wir werden weitere Mitarbeiter einstellen, da wir weltweit wachsen wollen.

Daimler-Einstieg bei Tesla 4:59 Min.

Es heißt, Investoren haben Ihnen zuletzt mit 40 Millionen Dollar aus der Patsche geholfen, weil Ihr Startkapital von 150 Millionen Dollar aufgebraucht ist. Außerdem warten Sie auf Hilfsgelder der US-Regierung in Höhe von einigen hundert Millionen Euro, die angeblich frühestens in den nächsten vier bis fünf Monaten zu erwarten sind. Wie ist hier der letzte Stand?
Musk: Ende 2008 haben unsere Investoren uns 40 Millionen Dollar zur Verfügung gestellt, um unsere Produktion hochzufahren. Wie geplant sind wir damit zurück auf dem besten Weg, im dritten Quartal 2009 schwarze Zahlen zu schreiben. Darüber hinaus haben wir uns in der Tat um Staatshilfen des US-Energie-Ministeriums beworben, die uns helfen sollen, unsere zweite Baureihe, das Model S, auf den Markt zu bringen und eine Fabrik für Antriebskomponenten zu errichten. Wir hoffen hier bald auf eine Bestätigung.
 
Wie läuft Ihr Geschäft mit bislang nur einem Modell, das seit März 2008 auf dem Markt ist und 110.000 Dollar kostet?
Musk: Unser Roadster ist fast ausverkauft, das heißt wir werden dieses Jahr unsere volle Produktionskapazität von rund 1.000 Einheiten verkaufen. Die Lieferzeiten liegen schon bei fünf Monaten.
 
Was planen Sie für Europa?
Musk: Der Verkaufsstart für die komplett neue europäische Version wird Ende Juni sein. Wir erhoffen uns, ein Drittel unseres Absatzes in Europa zu machen, vielleicht sogar 40 Prozent. Dieses Jahr gehen wir noch von 240 Verkäufen aus.
 
Wie sieht Ihr Handelsnetz in Europa aus?
Musk: Den ersten Schauraum werden wir Ende Juni in London eröffnen, gefolgt von München und Monaco. Außerdem schauen wir nach Zürich und Norddeutschland, wo wir zum Jahresende je einen Schauraum eröffnen wollen. Für Kunden, die nicht in der Nähe dieser Stores wohnen, werden wir ein Mobiles Service-Team von Technikern installieren, die sie - übrigens in Fahrzeugen der Marke Mercedes - direkt vor Ort an ihren Wohnorten besuchen werden.
 
Ende 2011 soll ihr zweites Modell, die Limousine mit dem Projektnamen Model S zum Stückpreis von 50.000 bis 70.000 Dollar auf den Markt kommen. Was investieren Sie in diese Mittelklasse-Limousine mit Elektroantrieb?
Musk: 400 Millionen Dollar.
 
Das ist vergleichsweise bescheiden. Ein etablierter Hersteller braucht für eine neue Baureihe sicher eine Milliarde Euro.
Musk: Ja, aber für uns ist das eine hohe Summe. Zumal wir von einem Jahresabsatz von rund 20.000 Einheiten ausgehen, je zur Hälfte in Nordamerika und dem Rest der Welt. Außerdem sind bereits 200 Millionen Dollar in die Entwicklung unseres Tesla Roadsters geflossen, von dem wir den gesamten Antrieb für die Limousine übernehmen konnten. Wir brauchen hier quasi nur 8.000 statt bislang 6.800 Zellen hintereinander packen, die Technologie ist aber die gleiche.

Wird es hier schon zu einer Zusammenarbeit mit Mercedes kommen?
Musk: Wir werden für das Model S keine Mercedes-Plattform übernehmen, wie in manchen Medien spekuliert, denn die Entwicklung ist schon zu weit fortgeschritten. Aber wir werden einige Komponenten aus der Mercedes-Einkaufs-Pipeline nutzen, was die Kosten drücken wird, wie zum Beispiel Klimaanlagen, Bremsen und viele andere Komponenten, die nichts mit dem Elektroantrieb zu tun haben.
 
Sie haben die Plattform für das Model S laut eigenen Angaben selbst entwickelt und wollen 2011 damit auf den Markt, was für einen Nicht-Automobilhersteller ein sehr ambitioniertes Unterfangen ist. Wo werden Sie das Auto produzieren und allen Tests unterziehen lassen - bei Daimler?
Musk: Wir werden das Model S in einer Tesla-Einrichtung in den USA herstellen. Die Tests dazu werden dort vollzogen, wo es am sinnvollsten ist. Wahrscheinlich werden wir an einigen Stellen mit Daimler zusammen arbeiten, denn wir wollen sicherstellen, dass wir außergewöhnliche Qualität und Sicherheit liefern.
 
Wie sieht der Auftragseingang für das Model S aus?
Musk: In den ersten zwei Monaten seit Präsentation des Model S-Prototyps haben wir sogar gut über 1.000 Reservierungen von Kunden in den USA und Europa. Die Reservierungsgebühr startet bei 5.000 Dollar - je nach Spezifikation und Location. Diese schöne Kunden-Reaktion macht uns zuversichtlich, dass wir unser Produktionsziel von 20.000 Einheiten im Jahr vielleicht sogar übererfüllen können.
 
Ab 2012 sollen alle Elektrofahrzeuge von Mercedes und Smart mit Lithium-Ionen-Batterie aus eigener Herstellung ausgerüstet werden. Werden Sie dann auch Ihre Zellen von dem Daimler-Joint-Venture mit der Evonik-Tochter Li-Tec namens Deutsche Accumotive kaufen?
Musk: Ab Ende 2009 werden wir erstmal die Battery Packs für 1.000 Smart-Elektroautos an Daimler liefern. Darüber hinaus arbeiten wir mit mehreren Zellen-Herstellern an der zukünftigen Entwicklung dieser Komponenten. Obwohl wir mit der heutigen Lösung glücklich sind, sind wir offen für bessere Lösungen in der Zukunft.

Wären Sie frei, die Kooperation auch auf BMW auszudehnen?
Musk: Wir starten jetzt erst einmal bilateral. Zu viele Köche verderben den Brei.
 
Einige Branchen-Vertreter erwarten, dass die Krise die Einführung des Elektroantriebs verzögern wird, weil die Industrie weniger Geld für die Entwicklung hat und die Kunden ihr eigenes Geld lieber zusammenhalten. Wie sehen Sie die Marktentwicklung? Welchen Anteil von Elektroautos am Weltmarkt sehen Sie für 2015 voraus?
Musk: Regierungen überall auf der Welt investieren gerade in saubere Antriebstechnologien, um auch die Abhängigkeit vom Öl zu reduzieren. Und es gibt viele Programme, um die Kosten eines Wechsels auf Elektroautos zu reduzieren. Ich glaube, das Absatzwachstum von Elektroautos wird schnell passieren. Denn der nächste Rekord-Ölpreis steht sicher schon vor der Tür. Tesla zeigt, dass Elektroautos nicht nur praktisch, sondern auch sexy sein können. Wir glauben zwar, dass neben Elektroautos noch andere Antriebsformen ihren Platz im Markt haben werden. Trotzdem glauben wir an einen signifikanten Marktanteil von Elektroautos schon im Jahr 2015. Und für das Jahr 2020 erwartet die Beratungsfirma Bain einen Marktanteil von 50 Prozent für Neuwagen, die entweder rein elektrisch, als Plug-in-Hybrid oder als reiner Hybrid fahren. Das stimmt uns sehr zuversichtlich.

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